Was vom Tage bleibt
Wie uns Berggruen enttäuscht

Nicolas Berggruen rettet die Welt aber nicht Karstadt. Bernie Ecclestone und Silvio Berlusconi sitzen die Staatsanwälte im Nacken. Und die Commerzbank-Aktie fällt und fällt und fällt.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Falscher Retter

Zwei Meldungen eine Geschichte: Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und ihr französischer Amtskollege wollen Ende Mai in Paris eine Initiative zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit in Europa starten, die vom deutsch-amerikanischen Milliardär Nicolas Berggruen unterstützt wird. So lautet die erste Meldung. Die zweite: Die Beschäftigten bei Karstadt müssen eine "Tarifpause" einlegen. Das sei für die "vollständige Gesundung" des Unternehmens nötig, ließ die Unternehmensführung wissen. Die Gewerkschaft Verdi bezeichnete die Entscheidung als einen "Skandal". Die gemeinsame Geschichte hinter beiden Meldungen geht so: Nicolas Berggruen hat Karstadt gekauft, den Schwung der Übernahme aber nicht genutzt, um das Geschäft wieder flottzumachen. Bevor er die Welt vor der Jugendarbeitslosigkeit rettet, wäre es an sich naheliegender, die Mitarbeiter und Kunden von Karstadt nicht länger zu enttäuschen.

Falscher Sportsgeist

Kaum ist der Fall Uli Hoeneß von allen Seiten soweit betrachtet, kritisiert und beurteilt worden, dass er uns schon zu langweilen beginnt – da kocht der nächste Fall hoch, in dem sich ein Sportfunktionär nicht so verhalten hat, wie es sein sollte: Bernie Ecclestone. Der Manager steht möglicherweise kurz davor, in Deutschland angeklagt zu werden, weil er hierzulande Bankmanager bestochen haben soll. Hoeneß und Ecclestone - die Fälle haben einiges gemeinsam: Beide Mal geht es um einen Sport, in dem viel verdient wird. Fußball und Formel Eins – nichts ist so sponsorensensibel und gewinnträchtig wie diese beiden Sportarten. Nirgendwo ist deswegen die Verquickung von Wirtschaft und Sport intensiver. Bei Uli Hoeneß ist es der Aufsichtsrat von Bayern München, der aus prominenten Unternehmensführern besteht, die allesamt Hoeneß die Stange halten. Bei der Formel Eins sind es die Rennställe von Mercedes bis BMW, die Ecclestone niemals ernsthaft in Frage gestellt haben. Damit wird klar: Die Saubermänner in den Dax-Konzernen, die sich so gern als Verfechter der guten Unternehmensführung  darstellen, die auf Transparenz setzen und von ihren Zulieferern hohe ethische Standards erwarten - sie sind es, die beide Augen zudrücken, wenn es um ihre Zusammenarbeit mit dem Sport geht.

Strategie des Pechs

Die Aktie der Commerzbank ist um fast fünf Prozent auf 9,94 Euro gefallen. Da sie gerade im Verhältnis 1 zu 10 eingetauscht wurde, wäre sie nach altem Kurs keinen ganzen Euro mehr wert. Der aktuelle Schwächeanfall liegt an einer Kapitalerhöhung, die diese Woche über die Bühne gehen soll. Die Bank will sie möglicherweise mit einem Preisabschlag von 35 Prozent anbieten, damit sie überhaupt einer kauft. Denn Investoren fragen sich schon längst: Hat die Bank nur Pech oder steckt Strategie dahinter? Bei der Konkurrenz von der deutschen Bank fragen sie das übrigens nicht. Deren Aktie kletterte kürzlich nach der Ankündigung einer Kapitalerhöhung um fast sieben Prozent nach oben.

Freiheitsstrafe für einen Freier

Im Prozess um Sex mit minderjährigen Prostituierten droht Silvio Berlusconi eine mehrjährige Gefängnisstrafe: Die Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft für den italienischen Ex-Ministerpräsidenten. Außerdem soll er nie wieder ein öffentliches Amt bekleiden dürfen. Nun sind die Italiener kein Volk von Staatsanwälten. Genau das mögen wir ja so an ihnen. Aber falls Berlusconi doch noch einmal als Politiker ins Amt zurückkehrt, mache ich Urlaub in Frankreich. Ein erwiesener Freigeist wie Hollande ist mir jedenfalls alle Male lieber als ein mutmaßlicher Freier wie Berlusconi.

Einen freien Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wie uns Berggruen enttäuscht"

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  • Wenn es Karstadt nicht gut geht, verzichten die Angestellten auch gerne auf eine Erhöhung des Gehaltes. Die Angestellten verlangen ja auch in guten Zeiten eine Erhöhung mit verweis auf die guten Geschäftszahlen. Dann sollte es umgekehrt kein Problem sein.

  • * Es ist klar, dass eine solch tolle Weltenrettungsmission in PARIS und nicht etwa in BERLIN verkündet wird - die machtbewussten Franzosen wissen sehr genau um die subtile Symbolsprache dahinter zur Klärung der Frage, wer die Hosen mal wieder an hat.

    * Zumindest im Falle Hoeness halte ich es für ein schönes Zeichen, wenn durch die Solidarität mit ihm in der Stunde der Not auch eine Würdigung seiner vorgegangenen Lebensleistung mit zum Ausdruck kommt - und nicht ein einzelner Fehltritt wie üblich zum vollwertigen Verriss führt.

    Menschen machen vieles richtig, vieles falsch - beides gehört ZWINGEND zum Leben dazu. Es braucht positive Beispiele einer versöhnenden, geläuterten Lebensführung - und keine Ächtung gemäß 'ewigem Schmorren in der Hölle'.

    Denn wie war das: "Es werfe der den ersten Stein, ..."

  • "Die Beschäftigten bei Karstadt müssen eine "Tarifpause" einlegen."

    Da es ja fast keine Inflation gibt, verstehe ich alle Tarifdiskussionen ueberhaupt nicht. Also irgendwas stimmt da wohl nicht - nicht nur bei Karstadt. Wozu Tarife erhoehen wenn wir laut EZB immer nur etwas ueber der Deflationsgrenze liegen? Einfach aus Spass?

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