Was vom Tage bleibt
Wieso Hollande übers Ziel hinausschießt

Mit der Transparenz treibt es Hollande in Frankreich zu weit. Die Deutsche-Bank-Chefs verdienen halb so viel wie ihr Vorgänger. Der NSU-Prozess wird verschoben. Und der Goldpreis fällt ins Bodenlose. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Transparenz auf Teufel komm raus

Transparenz ist Trumpf? In Frankreich haben heute Abend alle Kabinettsmitglieder ihre finanziellen Verhältnisse offengelegt. Der Schritt ist Teil verschärfter Regeln für den Umgang von Regierungsbeamten mit ihren Finanzen, die Hollande nach Bekanntwerden des Skandals um den Budgetminister angekündigt hatte. Er hatte eingeräumt, 20 Jahre lang ein geheimes Konto im Ausland unterhalten zu haben. Transparenz kann auch Terror werden. Was wie eine gutgemeinte demokratische Regel daher kommt, ist, wenn es übertrieben wird, ein Debakel für die Demokratie: nämlich die Vernichtung des Privaten. Hollande ist anfällig dafür. Hoffentlich findet er hierzulande keine Nachahmer.

Halbe Portion

Zur bereits bei uns praktizierten Transparenz gehört, dass Dax-Chefs offenlegen, was sie verdienen: Exakt 4.878.638 Euro – soviel ist es bei den Co-Chefs der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Das Erstaunliche: Sie haben sich tatsächlich daran gehalten, dass die zwei, die jetzt die Arbeit von einem machen, auch nur halb so viel kriegen, wie damals der eine. Josef Ackermann jedenfalls erhielt im letzten Amtsjahr eine beinahe doppelt so hohe Vergütung.

Auftakt vergeigt

Der Prozess um die Neonazi-Mordserie beginnt später als geplant. Das Oberlandesgericht München verschob den Auftakt auf den 6. Mai. Grund ist der Streit über die Presseplätze im Gerichtssaal. Es sei ein neues Akkreditierungsverfahren für Journalisten notwendig, teilte das Gericht mit. „Dies ist bis zum geplanten Hauptverhandlungsbeginn am 17. April 2013 zeitlich und organisatorisch nicht mehr möglich“, heißt es in dem OLG-Beschluss. Liebe Richter, ihr hättet auch schreiben können: „Weil wir uns wochenlang gewehrt haben, umzuplanen, kriegen wir es jetzt nicht mehr rechtzeitig gebacken.“

Goldene Zweifel

Hallo – wo seid ihr, ihr Schnäppchenjäger? Wo seid ihr, die ihr Gold bei Preisen jenseits der 1900 Dollar gekauft habt? Wer von seiner Investition überzeugt ist, der müsste doch jetzt erst recht nachkaufen, wo das Edelmetall schon zum Discount-Preis unter 1400 Dollar zu haben ist. Aber: Fehlanzeige. Der Preis fällt und fällt und fällt. Offenbar haben die Goldhorter doch Handelsblatt Online gelesen. „Es wird also höchste Zeit, den Goldschatz nicht nur mit dem Misstrauen eines nationalen Spießers zu prüfen – man sollte ihn jetzt verkaufen und in verzinsliche Anleihen tauschen“, schrieb unser Kolumnist Wolfram Weimer vor einem halben Jahr. Sechs Monate Reaktionszeit – das ist im Online-Zeitalter jetzt kein Renner, aber besser, als wenn gar nichts passiert.

Dennoch einen goldigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wieso Hollande übers Ziel hinausschießt"

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  • @Revolucion

    Rassismus und rassistische Gewalt gegen Deutsche und europäische Migranten ist der Elefant im Wohnzimmer, er ist zu groß, dass jene, denen er nicht ins Weltbild passt, ihn nur noch mit aller Gewalt ignorieren und jede Erinnerung an seine Existenz entschieden unterdrücken können.

    Zu viele junge Menschen wurden bereits ermordet, getötet und zum Krüppel geschlagen, einfach nur weil sie Deutsche oder Europäer waren oder weil sie die "falsche" Religion hatten.

    Je nach Zählweise gab es zwischen 1990 und 2009 60 (laut BKA) bis 150 (Linke) rechtsextrem und rassistisch motivierte Tötungsdelikte, von denen sich wiederum viele gegen autochthone Deutsche richteten.
    In der gleichen Zeit gab es 7500 Tötungsdelikte die von (fast ausschließlich nicht-europäischen) Migranten ausgingen und an autochthonen Deutschen begangen wurden.

    Waren auch nur 3% dieser Taten rassistisch-motiviert, wären das 225 rassistisch-motivierte Tötungen an Deutschen.

    Und hierbei sind rassistisch motivierte Tötungsdelikte, die von nicht-europäischen Migranten an europäischen Migranten begangen wurde, wie etwa die Hetzjagd gegen Guiseppe Marone nicht mit inbegriffen.

    Auch in unseren europäischen Nachbarländern ist die Situation ähnlich: So ein Interview über die Situation in Frankreich:

    https://schwertasblog.wordpress.com/2013/01/27/interview-zum-buch-le-racisme-anti-blanc/

  • Was uns die mediale und politische Aufarbeitung der NSU-Sache verrät:

    Die mutmaßlichen NSU-Verbrechen, und die Reaktionen der etablierten Parteien und Medien, haben uns in eindringlicher Weise vor Augen geführt, dass Deutsche ohne Migrationshintergrund wie auch europäische Migranten nur noch Menschen 2.Klasse im Land sind.

    Es gibt zwei Arten von Opfern rassistischer Gewalt: Die Angehörigen der einen, werden mit Gedenktafeln und Denkmälern geehrt, erhalten Unterstützung von führenden deutschen Politikern, eine eigene von der Bundesregierung gestellte Vertrauensperson, und öffentliche Plätze, die nach ihnen benannt werden.

    Für die zweite Art von Todesopfer rassistischer Gewalt und deren Angehörigen gibt nichts dergleichen. Über sue wird nur kurz in den Medien berichtet, werden regelmäßig als Einzelfälle angetan, und SPD-Bürgermeister sind mitunter bemüht diesen Fälle nicht allzu viel Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ihre Namen werden schnell wieder vergessen. Diese zweit Art von Opfer rassistischer Gewalt haben die falsche Hautfarbe und die falsche Religion: Sie sind Deutsche oder europäisch stämmige Migranten.

  • Jemand, der Transparenz vermeidet soll sich einen anderen Job als Minister suchen. Die jetzt in Frankreich eingeführte Maßnahmen sind bei den Skandinaviern seit Ewigkeit Gang und Gebe…

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