Was vom Tage bleibt
Wir sind alle Haifische

Über den Umgang mit Peer Steinbrück. Was Wowereit Gutes für Berlin tut. Wen der US-Aufschwung ärgert. Und ein ärztlicher Rat für Opel. Die Tageskommentare.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Problempeer

Wer sich in die Medien wagt, kommt darin um. Das ist dem Ehepaar Wulff so ergangen und demnächst könnte es dem SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück so ergehen. Sind wir Journalisten denn alle Haifische? Kurz gesagt: Ja. Etwas weiter ausgeführt: Wir tragen dazu bei, dass von den Menschen, die unser Leben mitgestalten, ein Bild entsteht, das sie ohne Schminke zeigt. Das entspricht niemals ihrer Selbstwahrnehmung. Und auch nicht der ihrer Fans. Beim ehemaligen Bundespräsidenten kam so am Ende ein Mensch zum Vorschein, der sich den Schmeichlern aus der Wirtschaft angebiedert hat. Beim Kanzlerkandidaten wissen wir noch nicht, wohin sein Kompass wirklich zeigt. Bislang schlägt die Nadel immer dahin aus, wo für ihn etwas zu holen ist: mal Geld, mal Stimmen. Mich irritiert das.

Wowi for ever

Jede Krise hat ihr Gutes. Auch die rund um die Bruchpiloten des Berliner Flughafens. Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft profitiert die Stadt von der Pannenserie in Schönefeld. Wie das? Ganz einfach: Geht Schönefeld in Betrieb, verschieben sich statistisch Wertschöpfung und Arbeitsplätze des Standortes Tegel ins Brandenburgische. Die Konjunkturforscher haben sogar ausgerechnet, was das ausmacht: nämlich vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts von Berlin. Offenbar will Klaus Wowereit das verhindern. Da ist es ja wohl klar, dass dieser Patriot Oberbürgermeister bleiben kann!

Uncle Sam is back

In der US-Wirtschaft herrscht prächtige Laune. Der starke Binnenmarkt treibt die Gewinne der Unternehmen, die jetzt stolz ihre Ergebnisse vorlegen. Schön zu hören. Die deutschen Wettbewerber finden es nicht ganz so schön. Bei ihnen nämlich kommt Neid auf, weil die US-Konkurrenz einen Wettbewerbsvorteil ausspielt, den die Deutschen nicht einholen können: günstige Energiepreise. Die Preise sind nicht zuletzt deswegen niedrig, weil sich die USA einer bei uns aus Umweltschutzgründen umstrittenen Fördermethode bedienen. Deutschland dagegen setzt auf die Energiewende. Die zahlt sich langfristig hoffentlich aus. Kurzfristig – und damit meine ich in diesem Fall Zeiträume, die schon mal ein Vierteljahrhundert dauern können – wirft sie unsere Industrie zurück. Sie ist ein Hindernis für flottes Wachstum. Das muss uns klar sein – damit niemand am Ende sagt: "Verzeihung – das haben wir nicht gewollt."

Ärztlicher Rat an Opel

Den französischen Opel-Partner PSA Peugeot Citroen hat der Einbruch der europäischen Märkte im vergangenen Jahr hart getroffen. Die weltweiten Autoverkäufe der Firma rutschten 2012 um 16,5 Prozent auf weniger als drei Millionen ab. Jetzt heißt es, dass die französische Regierung ihren kriselnden Autobauer zum Kauf von Opel drängt. Damit solle ein Gegengewicht zu Europas größtem Autobauer Volkswagen geschaffen werden, berichten die Kollegen der Tageszeitung "Le Monde". Opel sagt dazu: "Reine Spekulation - sonst nichts." Hoffentlich stimmt das. Denn aus ärztlicher Sicht wäre abzuraten. Zwei Kranke sind eher doppelt schwach, als dass sie gemeinsam einen Gesunden ergeben.

Einen durch und durch gesunden Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wir sind alle Haifische"

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  • Politiker sind halt manchmal naiv, sie machen irgendwann ihre ersten Schritte nach oben und finden nichts dabei, sich hier und da helfen oder zum Urlaub einladen zu lassen und später wenn sie in Amt un Würden sind, kommt dies auf sie zurück, vor allem, wenn sie jemandem unbequem werden, geben interessierte Kreise den einenmoder anderen zu Abschuß frei, sei es Wulff, sei es Steinbrück. Was hat beispielsweise Wulff wirklichmschlimmes gemacht, er hat sichnbei der Hausfinanzierungnhelfen lassen, zu einigen Urlaubenmverhelfen lassen und er hätte sich in speziell einem Fall einen zweifelhaften Unternehmer etwas genauer anschauen sollen. Nichts was mir sorgen oder Angst machen würden, er wäre erpressbar.
    Ähnlich bei Steinbrück. Er bot sich beispielsweise bei Thyssen-Krupp an, hinsichtlich der Umweltauflage zu helfen, aberndiese Hilfe betraf,nicht nur diesen Stahlladen, sondern gilt mittlerweile für etwa 1000 Unternehmen. Das hätte ich auch gemacht in seiner Position. Durch Fracking können eine ganze Reihe von Ländern ihre Energiepreise erheblich senken, in Amerika beispielsweise kostet Gas mittlerweile nur noch 1/4-1/3 wie in good old Germany.
    Das soetwas passieren kann,,hat man hier bei der Energiewände mal wieder nicht bedacht und in Amerika findet deshalb z.Zt. eine Reindustrialisierung statt, Krise war dort gestern, es ist nur noch !!!) nicht auf dem öffentlichem (!!!) Radar der Analysten. Doch jetzt stellt man Steinbrücks Handeln (Merkel war allerdings auch dabei) als üble Gesinnung dar. Es war aber richtig, was er tat und wir werden ncoh mehr machen müssen um das puschen der Energiepreise zurückzudrehen um Schaden für uns zur vermeiden. Also weshalb diese überaus einseitige, überzogene Kritik. Der Ausdruck Bashing scheint mir korrekt, nur warum macht man das in seinem Fall (?) und bei Wulff sieht es so aus, als wolle man ihn als Mensch zerstören. Man vergleiche graduell, was Wowereit der Parylöwe schon alles angestellt hat in seiner Karriere.

  • Wieso Neid? Wer einen Wettbewerb mitmacht, für den ist dabei sein alles? Beim Boxen zum Bleistift ist das so, daß irgendwann immer einer kommt, der stärker ist und einem die Nase poliert.
    Und ist der gedopt, oder begünstigen die Punktrichter den Schwächling, dann schreien alle "Schiebung", weil sie Geld verloren haben.

    Außerdem müßte das dann Mitwettbewerber heißen, was noch blöder klingt.
    Statt Wettbewerbsvorteil wäre der Standortvorteil angebracht. Dann bräuchte nicht zwischen Latein und Deutsch hin und her gesprungen werden und die Sätze würden eine runde Sache.

    Der geschäftliche Rivale ist der Konkurrent. Und der Standort kann entscheidend sein. Das wäre dann jedoch Protektionismus, den die Globalisten ja angeblich zu den Akten gelegt haben, um der Depri-Falle zu entgehen?

  • Gut getroffen was zwei Sozialdemokraten angeht, Herrn Steinbrück und Herrn Wowereit, wobei sich Herr Steinbrück offenbar selber verhindern will und Herr Wowereit einen Flughafen, während Frau Merkel "nur" günstige und bezahlbare Energiepreise zu verhindern gedenkt.
    Wir haben schon ein merkwürdiges politisches Personal.

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