Was vom Tage bleibt

_

Was vom Tage bleibt: Wir sind reich

Der Armutsbericht ist in Wahrheit ein Reichtumsbericht. Die Deutsche Bank ist nicht mehr so reich. Die Arbeitslosigkeit steigt. Spanien hat einen Skandal und das sächsische Storkwitz eine Sensation. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.
Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Anzeige

Alles in Ordnung, in Deutschland

Heute ist etwas verschoben worden im Kabinett: nämlich die Diskussion über den Armutsbericht. Meine Kollegin Maike Freund hat ihn sich angeschaut und entdeckt, dass es nicht so schlimm ist, dass es keine Debatte gab. Es ist nämlich alles in Ordnung in Deutschland. "Uns geht es im internationalen Vergleich wirklich gut“, zitiert Freund einen führenden Ökonomen. Und selbst das Gefühl, dass die Armen immer ärmer werden, trügt. Bis 2004 gab es den Trend, dass die oberen Löhne stiegen, während die unteren Löhne sanken. Seit 2004 sind die Löhne mit Ausnahme der allerhöchsten jedoch insgesamt nicht gestiegen, analysiert Freund. Die Schere geht also nicht weiter auseinander. Das Ganze hat viel mit Statistik zu tun und mit der lässt sich alles erklären - und auch das Gegenteil. Klar wird so oder so: Wir sollten den Armmutsbericht endgültig in einen Reichtumsbericht umtaufen.

Nicht mehr taufrisch

Ein paar besonders Reiche gibt es natürlich dennoch. Aber auch die werden ärmer. Anshu Jain und Jürgen Fitschen zum Beispiel. Das neue Führungsduo bei der Deutschen Bank stellte heute das erste Jahresergebnis vor, von dem zumindest die beiden letzten Quartale bereits unter ihrer Ägide liefen. Das Ergebnis: tiefrote Quartalszahlen und ein Nettoverlust von mehr als zwei Milliarden Euro. Die Botschaft dahinter: Das Ackermann-Modell ist tot, es lebe die Deutsche Bank unter der neuen Führung. Die Aktie stieg, die Anleger haben es offenbar geschluckt. Ich nicht so ganz. Saßen nicht Jain und Fitschen über Jahre hinweg zur Rechten und zur Linken von Josef Ackermann? Die Neuen sind nicht mehr ganz so taufrisch, wie sie sich selbst gerne sehen.

Was vom Tage bleibt Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Unseren kommentierten Nachrichtenrückblick ab 18.30 Uhr werktäglich in Ihrem Postfach - hier bestellen.

Was vom Tage bleibt: Tagesrückblick als E-Mail-Abonnement

Worauf drei Millionen Arbeitslose hoffen

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland, sagt der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, habe im Januar deutlich die Marke von drei Millionen übersprungen und erreiche damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahren. Solche Nachrichten hatten wir schon beinahe vergessen. Hoffentlich dringen sie bis zu den Verhandlern im Tarifpoker vor. Vom Öffentlichen Dienst bis zur Metallbranche - überall beginnen diese Pokerrunden jetzt. Es wäre gut, wenn die Kontrahenten sich entsinnen, dass sie die Hoheit darüber haben, wie optimistisch die Sätze des Chefs der Bundesanstalt für Arbeit künftig ausfallen.

Spanischer Grippeinfekt

Die größte Tageszeitung Spaniens, „El País“ hat heute handschriftliche Abrechnungen abgedruckt. Aus denen geht hervor, dass Ministerpräsident Mariano Rajoy über elf Jahre hinweg je 25.200 Euro für seine Parteitätigkeit erhalten hat, die möglicherweise nirgends deklariert und damit äußerst steuerschonend verdient waren. Wenn sich das bewahrheitet, hat Spanien einen handfesten Skandal und Europa eine wacklige Regierung in einem finanziell schwer angeschlagenen Land. Falls Sie heute Abend zum Spanier ausgehen, sollten Sie vielleicht das Trinkgeld erhöhen.

Wiedergefunden

Ob Flachbildschirm oder Handy: In den Dingern stecken Metalle, die sie zum funktionieren brauchen und die Rohstoff-Experten als Seltene Erden bezeichnen. In Storkwitz, das ist in Nordsachsen, hatten dereinst Honecker und Co. diese Erden bereits finden lassen, was aber wieder in Vergessenheit geriet. Jetzt nährt ein neues Gutachten die Hoffnung auf die Ausbeutung der einzigen bekannten Lagerstätte von Seltenen Erden in Mitteleuropa. Mich lässt das stutzen. Vielleicht ist ja das einzig seltene an dieser Erde nur, dass sie besonders häufig übersehen werden.

Einen selten schönen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

  • 01.02.2013, 08:41 UhrLars

    Mein lieber Herr Stock,

    leider muss ich Ihnen mitteilen, dass es die Bundesanstalt für Arbeit seit dem 01. Januar 2004 nicht mehr gibt. Heutzutage ist die korrekte Bezeichnung "Bundesagentur für Arbeit". Ich bitte dies zu korrigieren. Danke.

  • Kommentare
Kommentar: Rote Karte mit Risiko

Rote Karte mit Risiko

Die EU wehrt sich gegen Chinas Exporteure und erhebt Schutzzölle auf Solarmodule. Diese Politik der klaren Kante ist überfällig – selbst wenn Vergeltung aus Peking wohl nicht lange auf sich warten lassen wird.

Hartz-IV-Aufstocker: Falsche Hiobsbotschaften

Falsche Hiobsbotschaften

Die Agenda 2010 ist nicht unsozial. Im Gegenteil: Den nun wieder als Ungerechtigkeit gescholtenen 323.000 „Aufstocker-Stellen“ steht ein beinahe Hundertfaches an neuen sozialversicherungspflichtigen Stellen gegenüber.

  • Kolumnen
Dutschke spricht: Was für eine Verschwendung

Was für eine Verschwendung

Berlin will zwei Standorte der Landesbibliothek zusammenführen. Klingt sinnvoll. Doch die Kosten-Prognose erinnert an andere Großprojekte, die viel zu teuer ausfallen. Die Standortwahl setzt noch eins drauf.

Was vom Tage bleibt: Franzosen würden Merkel wählen

Franzosen würden Merkel wählen

Eine Umfrage sieht Merkel in Frankreich ganz vorn. Die Zentralbank denkt weiter über eine Schuldengemeinschaft und die SPD über eine Vermögenssteuer nach. Und: Das Olivenöl ist in Gefahr. Der Tagesbericht.

Handelsblog Bringt die Bürokraten in Erklärungsnot!

Die Regierung feiert sich. Mal wieder. Das Bundeskabinett hat den Bericht des Normenkontrollrates verabschiedet. Klingt abstrakt? Hat aber ganz praktische Bedeutung, denn es geht dabei um den von allen geforderten Abbau von Bürokratie. Die... Von Florian Kolf. Mehr…

  • Gastbeiträge
Gastkommentar: Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Britische Europaskepsis hilft schottischen Separatisten

Je stärker das europaskeptische Lager im Vereinigten Königreich wird, desto wahrscheinlicher wird eine Abspaltung Schottlands. Um separatistische Bestrebungen einzudämmen, sollte sich die EU um die Briten bemühen.

Angelina Jolie und die Folgen: „Eine barbarische Operation“

„Eine barbarische Operation“

„Ich kann Angelinas Angst gut verstehen, auch mir haben sie eine Brust amputiert.“ Über ihren Umgang mit dem Thema Brustkrebs und ihr Leben nach der Operation berichtet die New Yorker Künstlerin Matuschka.

Gastkommentar: Die Reformen im Euro-Raum wirken

Die Reformen im Euro-Raum wirken

Statt zusammen gegen die Krise vorzugehen, findet zwischen Europas Staaten inzwischen ein reger Schlagabtausch statt. Dabei kommen die Krisenländer in Sachen Reformen sogar gut voran. Anerkannt wird das zu wenig.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.