Was vom Tage bleibt
Wir wollen keine ewige Bank

Portugal zeigt, dass die Bankenabwicklung eine frommer Wunsch bleibt. Russische Oligarchen bleiben am Boden. Und bei der Schufa sind unsere Daten nicht gut aufgehoben. Lesen Sie, was heute wichtig war.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Aus dem Poesiebuch der EU-Kommission

Habe ich da was verpasst? HRE und Commerzbank, IKB und Hypo Alpe Adria, Zypern und Spanien, Frankreich und Großbritannien, Brüssel und Berlin - in allen Geldhäusern Europas, in allen Ländern und in den europäischen Institutionen gab es in den vergangenen Jahren ein Thema. Ich könnte auch sagen: DAS Thema. Es lautet: Wie wickelt Europa eine kaputte Bank so ab, dass die Auswirkungen auf Anleger, Sparer und Steuerzahler überschaubar bleiben. Sechs Jahre nach Lehman haben wir uns dieses Jahr schließlich auf einen Prozess verständigt. Und dann kommt diese portugiesische Bank, Espirito Santo mit Namen, und wird so selbstverständlich gerettet, als ginge es um einen Zweijährigen, der ins Sprungbecken gefallen ist. Der Staat stellt dazu bis auf weiteres Geld zur Verfügung, das er sich wiederum aus europäischen Rettungsprogrammen leiht. Der Mechanismus unterscheidet sich nur unwesentlich von dem, was wir in Sachen Rettung seit Jahren gewohnt sind. Man muss wahrlich kein Sherlock Holmes sein, um darin ein Indiz dafür zu sehen, dass die Bankenabwicklung in Europa ein Phantasiegebilde bleibt, das auf Dauer nur im Poesiebuch der EU-Kommission sein Dasein fristet. Da steht vermutlich: „Gesetze kommen, Gesetze gehen, europäische Banken bleiben ewig bestehen.“

Vom Oligarchen, der nicht fliegen kann

Heute war ein blöder Tag für Gennadi Timtschenko. Der sechstreichste Mann Russlands hat eine Mitteilung von General Dynamics bekommen. Das US-Unternehmen baut Flugzeuge wie zum Beispiel die 65 Millionen Euro teure Gulfstream 650. Timtschenko hat so ein Ding und erhielt die Nachricht, dass der Hersteller die Wartung ablehnt, weil der Jetbesitzer einer von denen ist, die die Sanktionen direkt treffen. Der Jet bleibt deswegen am Boden und Timtschenko ärgert sich. Wie er weiter reagiert, ist bislang nicht überliefert. Entweder ruft er seinen Freund Putin an und sagt, er solle in der Ukraine Frieden machen. Dann hätte die Sanktion mehr bewirkt als die des deutschen Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel, der dem Rüstungsunternehmen Rheinmetall die Lieferung eines ganzen Gefechtsübungsstandes nach Russland untersagt hat. Oder er ruft Putin an und sagt: „Denen musst Du es aber jetzt zeigen.“ Dann ist es doppelt gut, dass Gabriel eine vernünftige Entscheidung getroffen hat.

Meyer Ahoi!

Es gibt Unternehmen, die zählen für mich zu den faszinierendsten in Deutschland. Die Meyer-Werft in Papenburg ist so eines. Seit Generationen in Familienhand. Spezialisiert auf den Entwurf von Kreuzfahrtschiffen, was beinhaltet, dass die Ingenieure vom Schiffbau genauso viel verstehen wie beispielsweise vom Theaterbau. Und beseelt von einem Willen, der Berge verrückt oder konkret: Der es möglich macht, dass diese Kolosse des Meeres auf einer Werft gebaut werden, die nicht am Meer liegt, sondern nur über die beschauliche Ems mit dem Meer verbunden ist. Die Meyers haben jetzt den wohl größten Kauf ihrer mehr als 100jährigen Geschichte unterschrieben: Sie leisten sich 70 Prozent am finnischen Konkurrenten Turku, der bislang zur südkoreanischen Industrieholding STX gehörte. Geschäftsführer Jan Meyer will es wissen. Wir wünschen ihm „Mast- und Schotenbruch“, was im Seemansgarn von Herzen alles Gute meint.

Schufa: Auflösen oder aufrüsten?

Was taugt die Schufa? Diese Frage betrifft mehr als 66 Millionen Menschen in Deutschland, über die der Datenriese Informationen speichert. Ein schlechter Schufa-Eintrag kann üble Folgen haben. Gebrandmarkte Kunden erhalten keinen Kredit, keinen Handyvertrag, kein Girokonto, keine Wohnung. In einer dreiteiligen Serie zeigen wir, wie die Schufa wirklich arbeitet. Im ersten Teil sind wir heute der Datenqualität nachgegangen und stellen fest, dass da kurz gesagt noch Luft nach oben ist. Eine Leserin hat schon ihre Bemerkung hinter unseren Text gesetzt und sie ist weise. Es gebe, schreibt sie, nur zwei Möglichkeiten die Datenqualität zu verbessern: Entweder werden alle gezwungen alles an die Schufa zu melden – also Überwachung pur. Oder die Schufa wird aufgelöst – dann wird nichts mehr auf Kredit verkauft. Beides unschön.

Mit der Lösung dieser Denksportaufgabe können Sie sich vielleicht heute Abend beschäftigen. Viel Erfolg dabei wünscht

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wir wollen keine ewige Bank"

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  • "Entweder werden alle gezwungen alles an die Schufa zu melden – also Überwachung pur. Oder die Schufa wird aufgelöst – dann wird nichts mehr auf Kredit verkauft. Beides unschön."

    Es gäbe noch eine Dritte Möglichkeit - alles so lassen wie es ist und einfach mal damit leben, dass weder die Welt noch der Mensch noch die Schufa perfekt ist.

    Und genau in diesem nicht-perfekten besteht der Reiz des Lebens :-)

  • Es ist noch schlimmer. Viele Produkte werden über Kredit finanziert. 30% Zins auf den Endpreis ist wenig. Dauerhaft
    ist dieses Geldsystem nicht haltbar.

  • Das Problem ist: Unser Geld entsteht durch Kredit. Nehmen nicht jedes Jahr Menschen in höherer Quantität Kredite auf, entsteht eine Deflation, da die Geldmenge sinkt. Das wird aber der Staat und die Zentralbank zu verhindern wissen und dies nicht eintreten lassen.

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