Was vom Tage bleibt
Wolfgang Schäubles Feigenblatt wackelt

Für den deutschen Finanzminister enden die paradiesischen Zustände, Unternehmen trauen dem Draghi-Effekt noch nicht und Bankräuber greifen zu immer drastischeren Methoden. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,
Vertreibung aus dem Paradies
Finanzminister Wolfgang Schäuble erlebt gerade die Vertreibung aus dem Paradies. Lange konnte sich der deutsche Staat zum Nulltarif finanzieren, die Investoren zahlten sogar bereitwillig drauf, um in den Genuss der Sicherheit deutscher Bonds zu kommen. Doch jetzt haben die Anleger vom Baum der Erkenntnis genascht und haben entdeckt: Wenn die Euro-Krise so weiter wütet, dürfte auch Deutschland bald nackt dastehen. Die Folge: Mehr als zwei Drittel der Mitbietenden bei der heutigen Auktion von Geldmarktpapieren waren nicht bereit, die Titel zu den angebotenen Konditionen zu kaufen. Noch hat Schäuble das AAA-Rating als Feigenblatt - noch.

Hoffnungen zahlen keine Gehälter

Auch die Unternehmen sind die Versprechen und Ankündigungen leid, sie wollen endlich Fortschritte sehen. Nur so kann man erklären, dass der ifo-Geschäftsklimaindex gesunken ist, während alle anderen Indizes ein "Weiter so" bei der Konjunktur signalisieren. An den Märkten und beim ZEW-Index (für den ja auch Finanzexperten befragt werden) zum Beispiel wirkt der Draghi-Effekt - also die Hoffnung, dass es die EZB schon richten wird. Die vom ifo-Institut befragten Unternehmen aber wissen, dass man von Hoffnungen keine Gehälter zahlen kann. Die Skepsis ist nur zu verständlich.

Gabriels Wundertüte

Wie wunderbar man als Politiker planen kann, wenn man nicht auf die Realität Rücksicht nehmen muss, kann man bei den neuen SPD-Rentenplänen beobachten. Es scheint, als wäre das Konzept von Parteichef Sigmar Gabriel eine Einladung zum Wünsch-dir-was gewesen, fast jede Gruppierung in der Partei durfte einen Wunsch beitragen. Mit großem Trara hat die Parteiführung das Konzept jetzt angenommen - nur um die wichtigste Frage, die nach dem künftigen Rentenniveau offen zu lassen und zu vertagen.

Pulverfass Foxconn

Es wirft ein erschreckendes Schlaglicht darauf, unter welchen extremen Bedingungen beim chinesischen Handy-Zulieferer Foxconn gearbeitet wird: Ein Streit unter Arbeitern hat sich in Windeseile in eine Massenschlägerei mit mehreren tausend Beteiligten entwickelt. Die Rede ist sogar von Toten, auch wenn Foxconn das noch dementiert. Offenbar sind die Arbeiter physisch und psychisch so an der Grenze der Belastbarkeit, dass der kleinste Funken ausreicht, um sie explodieren zu lassen. Dass globale Handyhersteller wie Apple oder Samsung von diesem Prinzip ihre Lieferketten abhängig machen, wird sich über kurz oder lang rächen.

Was fehlt? Nicht nur EZB-Chef Mario Draghi bedient sich der Bazooka, wenn dringend frisches Geld gebraucht wird: Gangster haben einen Geldautomaten im Münsterland gesprengt - und dabei gleich die ganze Bankfiliale in die Luft gejagt. Noch ist jedoch nicht klar, ob sie dabei überhaupt Beute gemacht haben oder gleich die Banknoten mit vernichtet haben. Merke: Nicht immer ist die schwere Bazooka das richtige Mittel der Wahl.

Ich wünsche Ihnen einen hoffentlich nicht ganz so explosiven Feierabend,

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wolfgang Schäubles Feigenblatt wackelt"

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  • »Wolfgang Schäubles Feigenblatt wackelt«: Oh nein, bitte nicht auch das noch. Mir wird schon schlecht, wenn ich nur lesen muss, wie verlogen dieser badische Protestantenheini ist. Nun aber auch noch seiner ganzen Armseligkeit ansichtig werden zu müssen: Das bitte nicht auch noch.
    Nur ein unsichtbarer und unhörbarer Schäuble ist ein guter Schäuble.

  • Wenn Schaeuble sein Feigenblatt verlieren sollte, sieht man einfach nur noch den "Rechner".. Denn unter dem Feigenblatt befindet sich nur noch ein feiger Rechner..

  • Es ist gewiss vernünftig, die Freiheit vorübergehend zu opfern, um sie für die Zukunft sicherzustellen, aber diese Argument verfängt nicht,wenn daraus ein Dauerzustand gemacht werden soll.

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