Was vom Tage bleibt
Wozu noch sparen?

Eine alte Tugend der Deutschen kommt aus der Mode: das Sparen. Russland stellt sich quer. In der Schweiz ist das Wilhelm-Tell-Gen gefragt. Hessen wird zum Politik-Labor. Der Tagesbericht.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Die Sparneigung neigt sich dem Ende

Sparen kommt in Deutschland aus der Mode. Es lohnt sich nicht, und der Job, der ein regelmäßiges Einkommen sicher stellt, ist doch auch nicht mehr so schnell futsch. Deswegen fiel die Sparquote im dritten Quartal auf 8,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. In den vergangenen Jahren legten die Verbraucher noch durchschnittlich mehr als zehn Prozent ihres Einkommens auf die hohe Kante. Mal öfter ans Jetzt als ans Morgen zu denken – an sich ist dieser Zug ganz sympathisch. Politiker würden das unterstreichen, Versicherungsvertreter mit Sicherheit nicht.

Diplomaten in die Boote!

Der Internationale Seegerichtshof in Hamburg hat die Freigabe des von Russland beschlagnahmten Greenpeace-Schiffes „Arctic Sunrise“ mitsamt Besatzung angeordnet. Im Gegenzug müssen die Niederlande eine Kaution von 3,6 Millionen Euro in Russland hinterlegen. Russland erkennt das Urteil nicht an. Das Schiff ist in den Niederlanden registriert. Das Tribunal sei dennoch nicht zuständig, meint Moskau. Russland habe 1997 das UN-Seerechtsübereinkommen nur teilweise ratifiziert und betont, keine Entscheidungen anzuerkennen, die die nationale Souveränität einschränkten. Und nun? Vor 100 Jahren wäre jetzt ein Kanonenboot losgedampft. Morgen werden hoffentlich die Diplomaten losdampfen.

Das Wilhelm-Tell-Gen

„1:12“ lautet die knackige Forderung, die derzeit überall in den Innenstädten von Zürich, Luzern und Bern auf Plakaten prangt. Nach der Initiative der Schweizer Jung-Sozialisten soll niemand in einem Unternehmen mehr als das Zwölffache verdienen dürfen, was der am schlechtesten Bezahlte bekommt. An diesem Sonntag stimmen die Eidgenossen über diese Verfassungsregel ab – sie würde die Lohnfestsetzung in weltweit einmaliger Weise ändern. So wie wir unsere Nachbarn kennen, wird die Sache nichts. Es gibt kein Volk in Europa, das die Selbstverantwortung höher schätzt als die Schweizer. Sie werden auch diesmal gegen eine Regel stimmen, die nicht dem Wilhelm-Tell-Gen entspricht.

Das hessische Experiment

Hessen, das Land, das den ersten grünen Minister hervorbrachte, könnte nun auch das erste Flächenland werden, das den ersten grünen Minister an die Seite eines schwarzen Ministerpräsidenten stellt. Ausgerechnet dort wollen Christdemokraten und Grüne eine Koalition herbeiverhandeln. Damit würde ein Experiment eröffnet, das viele auch im Bund herbeigesehnt hätten. Nun bekommen diese Sehnsüchtigen wenigstens im Kleinen geliefert, was im Großen offenbar nicht funktionieren konnte. Hessen wird damit zum bisher größten Laborversuch in der politischen Geschichte der Bundesrepublik.

Trunken am Knüppel

Wegen Trunkenheit am Steuerknüppel muss ein pakistanischer Pilot ins Gefängnis. Der Flugkapitän war in England kurz vor Abflug seiner Maschine in Richtung Islamabad aus dem Cockpit geholt worden, weil er nach Alkohol roch. Er gestand, eine Dreiviertelflasche Whisky getrunken zu haben – allerdings 19 Stunden vor dem Abflug. Die 156 Passagiere wollen ihn jedoch schwankend im Flugzeug gesehen haben und spendeten Beifall, als Kontrolleure ihn aus dem Verkehr zogen. Wer will auch schon mit dem Autopiloten nach Islamabad fliegen...

Ein schwankungsfreies Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Wozu noch sparen?"

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  • "Sparen kommt in Deutschland aus der Mode. Es lohnt sich nicht....."

    wie wahr, wie wahr !!!

    Wenn ich einen Job habe werde ich unmittelbar vom Finanzamt abgezockt.
    Wenn ich dann trotzdem "eigenberantwortlich handle", meine Familie selbst ernähre, spare und mir z.B. ein Eigenheim kaufe, was für's Alter zurücklege usw. bin ich nach Augen der Politikerkaste "reich" und stehe ständig im Verdacht das alles unredlich auf Kosten der "Armen" erworben zu haben.
    Beim nächsten Schuldenschnitt werden mir dann schnell noch mal 10% enteignet.

    In diesem Land lohnt "Arbeit" und "Sparen" tatsächlich nicht mehr....

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