Was vom Tage bleibt
Würden Sie Herrn Tsipras Geld leihen?

Diese Themen sollten Sie gelesen haben: Die Griechen wählen, doch eine Wahl haben sie nicht. Deutschland holt sich Gold zurück, doch das meiste bleibt in fernen Ländern. Pegida wettert in der Presse über die Presse.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Keine Rettung

Die Griechen haben einen cleveren Wahlkämpfer namens Alexis Tsipras. Der Mann lässt nicht zufällig in Deutschland keine Gelegenheit aus, sich als Erneuerer zu präsentieren. Hier sitzen schließlich jene Steuerzahler, die die meiste Angst haben, dass ihr Geld irgendwo zwischen der Peleponnes und der Akropolis versickert. Mit den bisherigen Staatslenkern in Athen hat es nicht geklappt, lautet die Botschaft von Herrn Tsipras, also versucht es doch mit mir. Zumindest der erste Teil der Analyse ist jetzt empirisch belegt: Wissenschaftler haben streng wissenschaftlich die Entwicklung der griechischen Kreditfähigkeit unter die Lupe genommen. Ergebnis: Sie verfällt. Ungebremst. Tsipras Schlussfolgerung wird damit allerdings weniger wahr. Denn ob nun er oder jemand anderes nach der Wahl das Sagen haben wird: Griechenland bleibt pleite.

Goldene Unwucht

Im Jahr 2012 hatten wir eines Tages in Deutschland kein dringenderes Problem, als unsere Goldvorräte zu zählen. Das war nicht so einfach, weil der größte Teil dieses Vorrats in Fort Knox in den USA und sonstwo lagerte. Wir haben uns alle aufgeregt – mit dem Ergebnis, dass die Bundesbank versprach, das Gold heimzuholen. Zu einem ausgeglichenen Lebensgefühl der Deutschen gehört es offenbar dazu, das Gold an ihrer Seite zu wissen und nicht irgendwo auf der Welt. 120 Tonnen sind seither zurückgeholt worden, 1645 Tonnen sollen aber weiter in London und New York liegen bleiben. Ich habe meine Zweifel, dass sich angesichts einer solchen Unwucht das Lebensgefühl hierzulande stark verbessert.

Tödliche Ruhe

Die Militärführung in Kiew hat eine neue Offensive der umstrittenen Anti-Terror-Operation begonnen. Ein Verstoß gegen die angeordnete Waffenruhe sei das nicht, betont die ukrainische Regierung. 23 Tote und mehr als 150 Verletzte lautet die Bilanz der Offensive nach 24 Stunden. Ruhe hört sich anders an.

Im Dickicht der Lüge

Pegida demonstriert gegen radikale Islamisten in Deutschland. Gegen die bin ich auch. Für Pegida bin ich aber nicht, weil jede Demonstration von denen ruckzuck einen ausländerfeindlichen Anstrich erhält. Kann ich also gegen Pegida sein, ohne für den Islamismus in seiner tödlichen Variante zu sein? Die Denkpause, die uns das Demonstrationsverbot heute auferlegt hat, hätte ich gern genutzt, um mir darüber klar zu werden. Ging aber nicht, weil die Pegida-Veranstalter eine Pressekonferenz abhielten, obwohl sie ansonsten eifrig gegen die Lügenpresse stänkern. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten würde, da noch durchzusteigen. Deswegen überlasse ich das Weiterdenken an dieser stelle Ihnen.

Einen nachdenklichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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