Was vom Tage bleibt
Yin und Yang

Nur der öffentliche Dienst schafft eine Tarifeinigung, der Infinus-Skandal wird immer größer. Deutschland wird reicher, beim ADAC kracht es gewaltig und VW fällt in den USA weiter zurück. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Bessere und schlechtere Gewerkschaften

Zumindest eine Gewerkschaft gibt sich vernünftig. Verdi hat sich am Dienstagabend mit den öffentlichen Arbeitgebern auf einen neuen Tarifvertrag verständigt. Damit ist also garantiert, dass Busse und Bahnen wieder regelmäßig fahren, alle Kindergärten geöffnet sind und die Müllabfuhr kommt. Die zurückliegenden Streiktage in der vergangenen Woche waren zwar alles andere als angenehm, aber irgendwie ist es dann doch gegangen. Beim zweiten wichtigen Streik in Deutschland, der geplanten Arbeitsniederlegung der Lufthansa-Piloten, ist allerdings jede Verhältnismäßigkeit verlorengegangen. Gleich drei Tage komplett den Betrieb eines gesamten Konzerns lahmzulegen, auf solch verrückte Ideen kommt nur die kleine Piloten-Gewerkschaft Cockpit.

Arme Anleger

Der Skandal um die Dresdner Finanzgruppe Infinus beschäftigt hierzulande schon lange die Gemüter. Einer dieser üblichen Anlegerskandale, dachte man sich. Nun aber ist herausgekommen, dass statt 25.000 gleich 40.000 Anleger geschädigt worden sind. Statt der bisher bekannten 400 Millionen dürfte sich der Schaden auf stattliche 700 Millionen Euro belaufen. Ein Anlegerskandal von solch gewaltigen Ausmaßen ist wirklich etwas Besonderes. Das Beispiel Infinus zeigt nur, dass der Anlegerschutz immer noch nicht funktioniert. Die Aufsichtsbehörden müssen schneller und mit mehr Kontrollrechten eingreifen dürfen. Das ist die zentrale Lehre aus dem Fall Infinus.

Schulden-Verfall

Deutschlands wirtschaftliche Lage entwickelt sich hervorragend. Dass es aufwärts geht, spüren nicht nur die Unternehmen, sondern immer stärker auch der Staat. Die öffentliche Verschuldung ist erstmals wieder unter die Marke von 80 Prozent gefallen – ein klarer Hinweis auf eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung. Die Verantwortlichen in Berlin sollten diese Botschaft allerdings nicht zum fröhlichen Verteilen neuer Wahlgeschenke verstehen, sondern vorsichtig vorgehen. Die nächste Krise kommt bestimmt, eine verantwortliche Haushaltspolitik beginnt mit Maßhalten.

Neue Glaubwürdigkeit

Beim ADAC werden jetzt doch die Messer gewetzt. Weil eine einvernehmliche Lösung mit dem früheren Geschäftsführer Karl Obermair nicht möglich ist, wird er ohne großzügige Abfindung vor die Tür gesetzt. Obermair steht für das Management, unter dessen Führung die Manipulationsskandale bei Deutschlands größtem und mächtigstem Autoklub erst möglich geworden sind. Einen Neubeginn beim ADAC kann es nur mit neuem Spitzenpersonal geben. Nur dann wird der ADAC wieder an Glaubwürdigkeit gewinnen. Karl Obermair muss gehen – und im Zweifel eben ohne großzügige Abfindung.

Kein Händchen für die USA

Volkswagen erlebt die nächste Pleite in den USA. Auch im März und damit den zwölften Monat in Folge sind die Verkaufszahlen auf diesem wichtigen Markt abermals gefallen. Die meisten anderen Hersteller legen hingegen zu, allen voran die Amerikaner. Für den Wolfsburger Konzern entwickelt sich das US-Geschäft zu einer echten Blamage. Mit dem zweiten großen Anlauf in Nordamerika, erneut verbunden mit dem Bau eines neuen eigenen Werkes, sollte der Aufschwung dort eigentlich endlich gelingen. Doch wieder scheinen die Deutschen in den USA zu scheitern – vielleicht sollten sie es besser gleich lassen.

Einen schönen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

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