Was vom Tage bleibt
Zahlen für die Große Koalition

Steuerhöhungen kündigen sich in Berlin an und Ryanair ändert die Strategie. Buchläden müssen schließen und Frankreich jammert. China fordert alle Autohersteller dieser Welt heraus. Der Tag im Rückblick.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Speck für die Mäuse

Am Ende werden sie doch wieder alle weich: Finanzminister Wolfgang Schäuble hat erstmals vorsichtig angedeutet, dass eine neue Regierung vielleicht doch Steuererhöhungen beschließen könnte. Diese Ankündigung dürfte niemanden überraschen. Der Union fehlt im neuen Bundestag die Mehrheit. Und mit Speck fängt man bekanntlich Mäuse. Die SPD wird sich nur mit Zugeständnissen von CDU und CSU in eine Neuauflage der Großen Koalition locken lassen. Da die Sozialdemokraten höhere Einkommensschichten mit höheren Abgaben belasten wollen, dürften Steuererhöhungen beschlossene Sache sein. Stellen Sie sich also schon jetzt darauf ein – das wird Ihr ganz persönlicher Beitrag für eine neue Große Koalition.

Mit Wasser kochen

Michael O’Leary ist ein Mann der leichten Zunge. Häufig genug hat der Chef der Billig-Airline Ryanair einer erstaunten Branche weiß machen wollen, dass nur er das richtige Konzept für eine überlebensfähige Luftfahrt-Branche in der Tasche hat. Aber am Ende kocht auch der Ryanair-Chef nur mit Wasser. Erst musste er eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr aussprechen. Jetzt kündigt das Unternehmen an, dass es für Business-Kunden künftig auch Gratis-Dienste an Bord der Flugzeuge geben soll. Irgendwie schließt sich da der Kreis. Offensichtlich hat O’Leary erkannt, dass er das Billigkonzept überzogen hat. Und dann wird das Rad einfach zurückgedreht. Ryanair bewegt sich auf Lufthansa & Co. zu.

Abschied auf Raten

Sie lesen just in diesem Moment einen Beitrag im Internet. Sei es das mobile Smartphone oder der Computer auf dem Schreibtisch. Vermissen Sie das Stück Papier? Hätten Sie lieber etwas in der Hand als einen Bildschirm vor sich? Wahrscheinlich nicht. Online-Medien müssen sich qualitativ schon lange nicht mehr verstecken. Das bekommt auch die Thalia-Buchtochter des Douglas-Konzerns zu spüren. Jetzt werden die nächsten 20 Thalia-Filialen wegen nachlassender Nachfrage geschlossen. Mehr Menschen lesen ihre Bücher digital. Die Wette gilt: Es wird nicht die letzte Filialschließung gewesen sein.

Ärger bei unseren Nachbarn

Zuletzt waren die Hoffnungen gewachsen, dass Krisenländer wie Spanien und Griechenland ihre Probleme langsam in den Griff bekommen. Das wäre schön. Die Leidenszeit der Bevölkerung in den südlichen Ländern der Euro-Zone ist schon lang genug. Da die ganze Welt nach Süden blickt, hat sich Frankreich offensichtlich lange verstecken können. Aber jetzt kommen auch dort die Probleme stärker zum Vorschein, vor allem bei den öffentlichen Finanzen. Auch wenn die Zahl der Arbeitslosen leicht gesunken ist: Staatspräsident Hollande sollte nun endlich aufwachen und mit den dringend erforderlichen Reformen beginnen. Vielleicht könnte ein wenig mehr Druck aus Berlin den Reformeifer in Frankreich etwas erhöhen. Noch ein Argument dafür, dass die Regierungsbildung in Deutschland bitte nicht allzu lange dauern sollte.

Die dritte Runde

Vor ein paar Jahren haben wir noch alle gelacht: Chinesische Autos hatten die europäischen Crash-Tests nicht geschafft und waren als Sicherheitsrisiko abgestempelt worden. Nun aber dreht sich das Blatt: Die ersten Modelle aus dem Reich der Mitte liefern plötzlich Bestnoten bei den Sicherheitstests ab. Die Chinesen strengen sich an, sie wollen auch in Europa mit ihren Autos erfolgreich vertreten sein. Die Entwicklung für die kommenden Jahre ist vorgezeichnet. Nach Japan und Korea wird bald ein drittes Land aus Asien zu den Top-Herstellern der Autobranche gehören. Die Chinesen kommen.

Einen erholsamen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Zahlen für die Große Koalition"

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  • Es sind 5,8 Billionen für die der deutsche Steuerzahler gerade stehen muss.
    Neben den bei Schäuble verbuchten 2,2 Billionen kommen die Schulden der Länder u. Gemeinden, die bad Bank EZB mit ihrer Dragi Papierdruckerei u. unsere 27%ige Beteiligung, die Mitgliedschaft im IWF, 750 Milliarden kreditiert von der EZB für unsere Exporte, die fälligen nicht bezahlbaren Milliarden Garantien. Sowie weitere Schuldenschnitte und Eurotransfers!

    Lügner u. Vertuscher Schäuble freut sich auf das Geld durch Steuererhöhung der Umfaller SPD u. Wortbrecher CDU.
    Die Sozi-Freunde in Frankreich sind zu fast 100% Staats verschuldet u. Deutschland gleicht sich mit zunächst 84% an.

    Welsch großes Erbe hinterlässt diese Opposition als Zustimmer für den Verschuldungskurs dieser sozialistischen, verlogenen Kanzlerin?
    Übrigens das hochgepriesene "reiche Deutschland" belegt den weltweit 17zehnten Platz. Und der Euro Wahn, der die Eurozone tief gespaltet hat wird von allen, außer der AfD für gut geheißen.
    Real sind es ganze 24% die Merkel gewählt haben u. 18% für die Steigbügelhalter SPD! Auch Nichtwähler gaben durch Wahlverweigerung ihre Stimme ab, was der Parteienzirkus nie erwähnt.

  • @wiebitte:
    Ja, so wäre das korrekt. Aber leider HABEN wir Weicheier als Politiker. Die kriegen es ja noch nicht einmal auf der Reihe hier in Europa der EZB oder den anderen Krisenstaaten irgendwas unübliches zu sagen.

  • "Nach Japan und Korea wird bald ein drittes Land aus Asien zu den Top-Herstellern der Autobranche gehören. Die Chinesen kommen."

    Na hoffentlich reagiert Brüssel und erhebt Importzölle bis das Blut spritzt und erlässt diese nur wenn die Autos in Europa gebaut werden. Ach und Eigentümer der produzierenden Fabriken muss mindestens zu 50,X % ein Europäer sein oder die Chinesen streichen diesen Quatsch in ihrem Land ebenfalls. Man sieht sich immer zweimal im Leben, es sei den man hat Weicheier als Politiker.

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