Was vom Tage bleibt
Zittern vor Furcht und Hoffnung

Die Flüchtlingsdebatte hält nicht nur die Flüchtlinge in Atem. Am Tag nach dem Börsenbeben kommen die Propheten wieder aus ihren Löchern. Und: Bier ist nicht bekömmlich. Die Nachrichten des Tages stehen hier.
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Guten Abend liebe Leserinnen und Leser!

Regt Euch ab

Erst der Vizekanzler – nun auch die Chefin: Angela Merkel will nach ihrem heutigen Ausflug ins Duisburger Problemviertel Marxloh morgen auch Heidenau besuchen, jenen Ort also, wo Rechtsradikale ein Flüchtlingsheim attackiert hatten. Übertrumpfen sich jetzt beide in zur Schau gestellter Flüchtlingspolitik? Dann wäre Gabriel vorn. Dessen eindeutige Auftritte haben dazu geführt, dass die SPD-Parteizentrale in Berlin eine Bombendrohung erhielt. Ich glaube, es ist nicht die Zeit, dass einer den anderen ausspielt. Es ist Zeit für Deeskalation. Nur ein unaufgeregtes Volk ist bereit für praktische Lösungen. Oder wie Ovid es sagt: Aufgeregte Gemüter zittern gleichzeitig vor Hoffnung und vor Furcht.

Müder Dax

Geht es nach der Großbank Société Générale, hätten deutsche Anleger bereits im Mai den Dax meiden sollen. „Switch out of the Dax“ rieten die Analysten damals. Heute bekräftigen sie ihre Botschaft und sagen, obwohl es in Frankfurt wieder aufwärts geht: „Fangen Sie nicht das fallende Messer auf“. Der deutsche Leitindex sei einfach ausgepowert, glauben die Analysten und fast hätten sie uns überzeugt, wenn sie nicht ausgerechnet als Alternative französische Aktien empfehlen würden. Möglicherweise ist da doch der Wunsch der Vater der Analyse.

Der Schleifer kommt

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank erhöht den Druck auf den Neuen an der Spitze: John Cryan. Vom 10. bis 12. September, so heißt es aus dem Gremium, soll er bitteschön auf einer Klausurtagung im Golfhotel Margarethenhof am Tegernsee den Feinschliff an der „Strategie 2020“ vorstellen, die seine Vorgänger bereits angekündigt hatten. Sie sieht eine Schrumpfkur des Privatkundengeschäfts vor. Es könnte sein, dass Cryan zum Tegernsee nicht nur das Schleifpapier, sondern auch den Hobel parat hält.

Milliarden-Segen

Das ist die gute Nachricht: Die Haushalte von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung haben im ersten Halbjahr 21 Milliarden Euro mehr eingenommen als erwartet. Hauptgründe dafür sind der robuste Arbeitsmarkt und die günstige Konjunkturentwicklung. Die Zahl müssen unter anderen all jene kommentieren, die jetzt sagen, es sein kein Geld für Flüchtlinge da.

Ist Bier unbekömmlich?

Wir haben es heute mit den klassischen Philosophen. Plutarch schrieb dereinst: „Bier ist unter den Getränken das Nützlichste, unter den Arzneien die Schmackhafteste und unter den Nahrungsmitteln das Angenehmste.“ Diese heitere Auffassung – von der die Übersetzter übrigens streiten, ob nicht eher der Wein gemeint war – können die Richter des Landgerichts Ravensburg nicht teilen. Mit dem Begriff „bekömmlich“ jedenfalls darf die Brauerei Clemens Härle ihrem Urteil nach nicht mehr wie bisher für ihr Bier werben. Der Verband Sozialer Wettbewerb sah darin eine unerlaubte Werbung mit Gesundheitsbezug. Dieser Verband hält nichts von klassischen Philosophen, was einen schwer verdaulichen Mangel an Bildung offenbart.

Einen bekömmlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

Kommentare zu " Was vom Tage bleibt: Zittern vor Furcht und Hoffnung"

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  • Achso.
    Nunja:
    lauschen wir einem denkwürdigen Beitrag aus Wikipedia:
    ..."Sinuhe der Ägypter ist ein historischer Roman des finnischen Schriftstellers Mika Waltari aus dem Jahr 1945. Die deutschsprachige Übersetzung von Charlotte Lilius erschien erstmals 1950 unter dem Titel Sinuhe, der Ägypter. Roman. 15 Bücher aus dem Leben des Arztes Sinuhe ungefähr 1390 bis 1335 vor Christi Geburt zugleich im deutschen Verlag Toth (Hamburg) und im Schweizer Linden-Verlag (Bern). Diese Übertragung (seit den 1970er Jahren im Verlag Bastei Lübbe) wurde bis 2014 für alle deutschsprachigen Ausgaben verwendet. Allerdings erfolgte die Übersetzung von Charlotte Lilius nicht aus dem finnischen Original, sondern beruht auf der leicht gekürzten schwedischen Übertragung des finnlandschwedischen Publizisten Ole Torvalds. Erst im Herbst 2014 erschien in Köln im Verlag Bastei Lübbe die erste ungekürzte, direkt aus dem finnischen Original angefertigte Übersetzung von Andreas Ludden."...

    Sie scheinen ein Freund gehobenen Literaturempfindens zu sein.

  • Auch sie werden an Erfahrung gewinnen, was sind schon 5000 Jahre. Bier war und ist bekömmlich. Sinuhe , wenn auch Ausländer wird immer Vorbild sein.

  • Jedenfalls kann ich mich nicht an Sinuhe erinnern - mag sein dass ich noch nicht alt genug bin^^

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