Was vom Tage bleibt
Zwei Lahme machen keinen Sprinter

Der Peugeot-Chef redet sich die Krise schön, vielen Selbständigen fehlt die Perspektive, der TUI-Chef geht ohne Erfolg und ausgerechnet ACDC soll Cyber-Kriminelle abwehren. Der Tagesrückblick
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Wunderschönen guten Abend,

Zwei Lahme

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass zwei Lahme zusammengebunden keinen Sprinter ergeben - Peugeot-Citroen und Opel hätten ihn erbracht. Wie dramatisch es um den deutschen Traditionshersteller steht, ist hinlänglich bekannt. Der französische Partner Peugeot-Citroen hat heute gezeigt, dass er für Opel keine Hilfe ist, sondern eher ein Klotz am Bein. Fast fünf Milliarden Euro Verlust haben die Franzosen gemacht und eine Trendwende ist nicht wirklich in Sicht. Peugeot-Chef Philippe Varin will 8000 Stellen streichen und ein Werk schließen und sieht damit „die Grundlagen für unsere Erholung gelegt“. Doch das Grundproblem ist der zu starke Fokus auf den europäischen Markt – der auch schon Opel bremst.

Krebsen am Minimum

Die Zahlen klingen so schön: nach einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung erhöhte sich die Zahl der Solo-Selbständigen vom Jahr 2000 bis 2011 um rund 800.000 auf 2,6 Millionen. Ist damit die viel kritisierte „Ich-AG“ doch noch zum Erfolgsmodell geworden? Für manche schon, doch für viele nicht. Denn zahlreiche Selbständige ohne Beschäftigte krebsen am Existenzminimum. Hohe, aber nur vorübergehend gezahlte staatliche Förderung hat viele Arbeitslose in die Selbständigkeit gelockt. Doch eine echte Perspektive haben die meisten nicht. Und das Schlimmste: Die sozialen Sicherungssysteme in Deutschland sind auf abhängig Beschäftigte ausgerichtet. Der schöne Boom kann noch schreckliche Folgen haben.

Abgang des Teflon-Manns

Teflon-Mann wurde er gerne genannt, weil alle Kritik an ihm abperlte. Fast 20 Jahre hat sich Michael Frenzel so an der Spitze der heutigen Tui AG gehalten, hat das Unternehmen vom Mischkonzern Preussag in ein Touristikunternehmen umgebaut. Seine Abschiedsbilanz ist bezeichnend, tritt er doch mit dem schlechtesten Ergebnis seit vier Jahren ab: 137 Millionen Euro Verlust. Nie hat er den Beweis erbringen können, dass der wilde Umbau des Konzerns ein Erfolg war. Frenzel war ein Portfolio-Manager, der am liebsten Unternehmensteile kaufte und verkaufte. Eine echte Vision hatte er nie. „Die Ära Frenzel war eine Regentschaft des Niedergangs“, resümierte heute Ingo Speich von Union Investment. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Skandal ohne Grenze

Es war doch klar, dass der Skandal mit falsch deklariertem Fleisch nicht an der deutschen Grenze Halt macht. Nun ist Lasagne mit Pferdefleisch auch in mindestens einem Supermarkt in Nordrhein-Westfalen aufgetaucht. Da können die Kunden noch so schimpfen – Schuld sind sie letztlich auch selber. Wer immer weniger Geld für sein Essen ausgeben will, braucht sich nicht zu wundern, dass die von Sub-Sub-Unternehmern billigst produzierten Fertiggerichte alle Qualitätsstandards locker unterbieten. Es ist eine Frage der Kultur.

Was fehlt? Meine Eltern haben ACDC immer für die Inkarnation des Bösen gehalten - lärmende Gitarren, die die Kultur des Abendlandes bedrohten. Jetzt soll ausgerechnet ACDC Rettung bringen: Das Advanced Cyber Defence Center der EU soll Cyberkriminelle zur Strecke bringen. Was wohl die alten Hardrocker aus Australien über den Missbrauch ihres Namens denken?

Rocken Sie den Feierabend.

Florian Kolf

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Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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