Was vom Tage bleibt

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Was vom Tage bleibt: Zwischen Lotto-Bude und Großbank

Der Vorstand der einen Bank steht vor Gericht, der Vorstand der anderen verkündet einen Verhaltenskodex, der künftige Finanzkrisen verhindern soll. Ebenso wie die neue Super-Bankenaufsicht. Der Tagesrückblick.

Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.
Martin Dowideit leitet das Ressort Unternehmen & Märkte bei Handelsblatt Online.

Guten Abend,

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Die Jagd auf Dr. No

Die Wut auf die Banken kennt kaum Grenzen, seitdem die Finanzkrise Staaten zur Rettung von Instituten zwang und daraus eine Staatsschuldenkrise erwuchs. Doch juristisch habhaft werden konnte die Justiz bislang wenigen Finanzmanagern. Der gesamte ehemalige Vorstand der HSH Nordbank, einer Landesbank, steht seit heute in Hamburg vor Gericht. Und das Verfahren hat mit Winkelzügen der Verteidigung begonnen. Wer hätte Anderes erwartet?

 

Ein paar Slogans

Mit dem Spruch „Ohne Wenn und Aber“ hat einmal eine Lottofirma in Deutschland geworben. Jetzt finden sich die Worte im neuen Verhaltenskodex der Deutschen Bank wieder: „Wir halten uns an die Regeln und stehen zu unseren Zusagen – ohne Wenn und Aber.“ Fünf weitere solche Punkte hat das Institut getextet, um einen Kulturwandel zu untermauern. Von der vermeintlich raffgierigen Großbank ohne Reue hin zum verständnis- und ehrenvollen Partner in Finanzfragen. Viele halten die Bank trotzdem eher für ein Lotto-Geschäft.

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Apple und die Klebefalle

Der Technologie-Konzern schnauft durch, der Umsatz stagnierte in den vergangenen drei Monaten im Vorjahresvergleich. Der Gewinn schrumpfte gar um ein Fünftel – auf immer noch stattliche 5,2 Milliarden Euro. Das Geschäft mit Smartphones und Tablet-Computern ist unter Druck geraten, vor allem durch günstige Konkurrenzprodukte. Doch auch die Treue der Nutzer, die durch den AppStore und iTunes an das Unternehmen gefesselt werden, trägt zum Überschuss bei. Die Konkurrenz kann da nur staunen.

 

Die Freiheit nimmt sich die EU

Mindestumsatz 20 Euro: So heißt es in vielen Geschäften, wenn Kunden mit der Kreditkarte zahlen wollen.    Der Grund sind Gebühren, die der Händler zahlen muss, weil seine Bank eine Gebühr an die Bank des Käufers entrichten muss. Die EU-Kommission will jetzt die Kreditkarten-Kosten deckeln. Ein strenger Blick auf die Branche mit eigentlich nur zwei Anbietern – Visa und Mastercard – ist angebracht.

 

Der Aufsichtswahn

Den global agierenden Banken versucht Europa mit einer zentralen Bankenaufsicht zu entgegen. Die 150 wichtigsten Banken sollen von der Europäischen Zentralbank überwacht werden. Doch die Grundlage, auf der die Behörde in der Notenbank aufbauen könnte, scheint dürftig. Das könnte Verzögerungen bedeuten. Doch dass die europäische Bankenaufsicht ein solcher Heilsbringer sein kann, wie manche Beobachter vermuten oder erhoffen, darf stark angezweifelt werden. Denn Finanzkrise entstehen meistens dort, wo sie nicht erwartet werden.

Einen schönen Abend wünscht

Martin Dowideit

Der Autor auf Twitter: @MDowideit

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