Web 2.0
MySpace: Unsoziales Netzwerk

Im vergangenen Jahr gehörte MySpace noch zu den wenigen Gewinnern im Web 2.0. Doch jetzt baut die Site 30 Prozent der Belegschaft ab und dürfte Geld verlieren, wenn Google die Bedingungen für ihre Partnerschaft neu aushandelt. Die erste Internet-Blase platzte mit einem heftigen Knall, der zweiten dürfte mit einem leisen Seufzer die Luft ausgehen.
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Aus der Blase um das Web 2.0 scheint Luft zu entweichen. Das soziale Netzwerk MySpace von News Corp kürzt 30 Prozent seiner Belegschaft und dürfte Geld verlieren, wenn Google die Bedingungen für die Partnerschaft zwischen den beiden Unternehmen neu aushandelt. Die erste Internetblase ist mit einem lauten Knall geplatzt, der zweiten könnte mit einem leisen Seufzer die Luft ausgehen.

Als News Corp im Jahr 2005 rund 580 Mill. Dollar für MySpace hinblätterte, dachten viele, deren Chief Executive Rupert Murdoch habe den Verstand verloren. Schließlich hatte die Site damals nur 14 Millionen Nutzer im Monat. Doch nachdem News Corp den jugendlichen Anhängern von MySpace einen Wert von 41 Dollar pro Kopf beigemessen hatte, galt das Geschäft mit den sozialen Netzwerken als heiß. Die Raserei verstärkte sich noch, als Microsoft vor zwei Jahren 240 Mill. Dollar in Facebook investierte und das Unternehmen so mit happigen 15 Mrd. Dollar bewertete. Und noch vor ein paar Monaten wurde der Wert von Twitter - einer Firma ohne Einnahmen - bei 250 Mill. Dollar gesehen.

Doch Murdoch wurde weitgehend rehabilitiert. Nach vier Jahren in seinem Besitz zählt MySpace 130 Mill. Besucher im Monat. Und die Site hat sich als eines der wenigen Unternehmen des Web 2.0 erwiesen, das tatsächlich Geld verdient. In den vergangenen drei Jahren wurden 1,6 Mrd. Dollar eingenommen und im vergangenen Jahr dürfte der Gewinn bei 200 Mill. Dollar gelegen haben, wenn man von etwa 20prozentigen Gewinnmargen bei Einnahmen von 900 Mill. Dollar ausgeht.

Das Problem ist nur, dass der Großteil des Geldes aus einem dreijährigen Deal der Site mit Google stammte, der sich auf die Werbung bei Suchanfragen bezieht und 900 Mill. Dollar umfasst. Dieser Vertrag läuft im kommenden Jahr aus. Der Suchgigant hat bereits klar gestellt, dass er den Kontrakt nur zu einem weit niedrigeren Preis verlängern wird. Denn die Inserenten haben nicht nur Schwierigkeiten, mit der Werbung auf sozialen Netzwerken überhaupt Geld zu verdienen. MySpace hat darüber hinaus auch noch den Spitzenplatz an den derzeitigen Marktführer Facebook verloren.

Ohne das Geschäft von Google könnte MySpace im Jahr 100 Mill. Dollar verlieren. Damit könnten die Stellenkürzungen zu erklären sein, die der erst seit zwei Monate amtierende Chief Executive von MySpace, Owen Van Natta, forderte. Sein ehemaliger Arbeitgeber Facebook geht zwischenzeitlich zwar davon aus, im kommenden Jahr einen positiven Cash Flow zu erbringen. Doch wenn die Skepsis der Anzeigenkunden zunimmt, lässt sich davon nicht sicher ausgehen. Auf jeden Fall sieht die Blase um das Web 2.0 reichlich schlaff aus.

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