Kolumne

Schach, Herr Steinbrück!

Eine peinliche Sponsoren-Affäre stört die Krönungsszenerie der SPD. Da hilft Peer Steinbrück selbst lautstarkes Poltern gegen die Banken nichts.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Peer Steinbrück hat sich ans Ziel gekämpft. Sigmar Gabriel zog grummelnd zurück, Frank-Walter Steinmeier gibt auf, der Gerhard-Schröder-Freundeskreis jubelt testosteronerfüllt, Helmut Schmidt gibt seinen papstähnlichen Segen und die Medien finden an dem kantigen Querkopf auch ihren Spaß. Die Kanzlerkandidatur der SPD ist entschieden, nur der Termin der Krönungsmesse ist noch offen.

Dabei schien kurz vor der Ziellinie doch noch alles ins Wanken zu geraten. Denn die Affäre um gedungene Sponsoren für ein Schach-Spektakel in Steinbrücks Heimatstadt zieht Kreise. Das Nachrichtenmagazin Focus hatte enthüllt, dass Steinbrück 2006 die damaligen Chefs von Post und Telekom, Klaus Zumwinkel und Kai Uwe Ricke, um ein Sponsoring in Höhe von 950.000 Euro und einer Million Euro gebeten hatte. Das Pikante daran: Steinbrück war Finanzminister, und der Bund herrschte als größter Einzelaktionär im Aufsichtsrat der beiden Unternehmen.

Steinbrück war das Dubiose seiner Sponsoreninitiative offenbar bewusst, denn er verwendete privates Briefpapier für die Sponsorendrückerei – unter seinem Namen stand freilich Bundesfinanzminister, damit auch allen klar war, dass hier die Macht persönlich bittet. Aktienrechtler haben diese Methode Steinbrücks inzwischen als inakzeptablen Amtsmissbrauch kritisiert. Als Finanzminister dürfe man bei halbstaatlichen Unternehmen nicht derart um Spenden für private Vergnügen werben.

Steinbrück soll Kanzlerkandidat werden

Steinbrück soll Kanzlerkandidat werden

Der Fall erinnert einerseits an die Bittbriefe der Sponsorensammler Christian Wulff und Olaf Glaeseker (hier ermittelt die Staatsanwaltschaft noch) für ihren Nord-Süd-Dialog, andererseits an den Fall Möllemann 1993. Der FDP-Politiker hatte damals als Wirtschaftsminister mit Briefkopf seines Ministeriums die Erfindung eines Verwandten angepriesen. Letztlich musste Möllemann 1993 wegen dieser „Briefkopf-Affäre“ zurücktreten.

Steinbrück wird zum Gysi-Imitat
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  • @Radiputz

    Na ja, auch wenns die Medien unisono so schreiben und ich auch glaube, dass es entschieden ist: Ich habe den Verzicht auf die Kandidatur weder von Gabriel noch von Steinmeier direkt gehört.

    Vielleicht haben Sie ja andere Informationsquellen..?

  • diesmal ist es ein Miniproblem für einen Sozialisten und nicht für einen KOnservativen , desahlb werden esschon die Medien kleinhalten + unter den Tisch kehren

  • Haha.
    Ueber Finanzplätze wettern mit
    "Peitsche und Zuckerbrot, Indianer und Kavallerie etc.".
    Selbst aber bei Steuerhinterziehern um Geld betteln!! Was für ein Kanzlerkanditat und Vorbild!!??

  • Steinbrück ist ein von sich selbst eingenommner Nichtskönner. Was soll man erwarten, der Mann hat sein Leben lang nur in der Politik verbracht. Oder andres: was Gescheites und richtig gearbeitet: Fehlanzeige.
    Und ausser ein paar pseudomarkanten Sprüchen, die genauso langweilig sind wie die Nicht-Ruck-Rede(n) von Herzog, ist von ihm nur eins zu erwarten: Steuererhöhungen. Denn mehr kann er nicht. Dafür tritt er an, ob er will oder nicht. Seine Basis kann er nur auf diese Weise bei Laune halten. Neiddebatte, Bankenbashing. Programmende. Inhaltlich nichts von Format. Die Schachgeschichte untermauert nur, dass er sich genauso wenig an die ethischen Spielregeln halten wird wie alle anderen. Ein markanter Saubermann, den er darstellen will, ist er nicht. In Deutschland haben wir plitisch in den Händen dieses Unfähigen-Oligiopol nichts zu lachen. Mann kann nur hoffen, dass sich bspw. die Freien Wähler endlich mal warmlaufen und eine Alternative zu dieser SPD-CDU-Clownsmannschaft herstellen. Steinbrück ist weder Erneuerer, noch Bewahrer: Tango-Korrupti auch mit ihm.

  • Steinbrück ist der richtige Mann, weil er die Finanzkrise genausowenig verstanden hat wie die Kanzlerin, vgl. fortunanetz. Das sind die besten Voraussetzungen für eine große Koalition. Man kann dann gemeinsam über alle Krisenursachen hinweg gehen und sich Sündenböcke nach Belieben heraussuchen.

  • "Affairen" sind was anderes, mein lieber Wolfram Weimer.

    Das ist Möchte-Gern-Enthüllungsjournalismus aus der Juniorfraktion......
    Hat der Werbesender N-24 auch schon vor ein paar Tagen versucht, aufzubauschen, sah aber auch da ziemlich dümmmlich aus.

  • Na hör´n Sie mal werte Kassandra, Sie sind ein bißchen spät dran, die Kandidatenfrage ist entschieden, haben Sie das noch nicht mitbekommen?
    Im übrigen die "Universalbankenzerschlagungspläne" des Herrn Steinbrück sind allerdings ein Lutschbonbon für den linken SPD-Flügel, um den Kandidatenverzicht von Gabriel und Steinmeier etwas zu versüßen.
    Ansonsten ist das Steinbrückmanöver so durchsichtig, das man es schon gar nicht mehr als Manöver bezeichnen kann. Es ist nur ein Zug auf dem "Schachbrett" und zwei "Bauern" wurden geopfert.
    Wie Kandidaten in der SPD gekürt werden, nämlich nicht durch Parteitagsbeschlüsse oder zumindest durch eine Abstimmung in Gremien sonder einfach durch "Rücktritte" zeigt den demokratischen Gehalt dieser Partei, der gegen null tendiert.

  • Wulff ist überall ! Warten wir auf das Enthüllungsbuch von Frau Steinbrück.

  • @Kassandra
    Volle Zustimmung. Herr Weimer macht sich nur lächerlich mit seinem Artikel ohne sachliche Auseinandersetzung.

  • Österreich als Vorbild. Dort führt ein Untersuchungsausschuß seit Monaten vor was staatlichem Sponsoring zu halten ist. Die Schachspieler sollten intelligent genug sein, auf diese unwürdigen Praktiken zu verzichten.
    PS
    Weiß Steinbrück inzwischen wie man ein Schachbrett richtig aufbaut?

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