Was Wulff sagen sollte „Ich habe den Präsidenten nur gespielt“

Der Bundespräsident hat seine Entschuldigungsrede gehalten, in der Weihnachtsansprache will er zur Kreditaffäre nichts sagen. Ein Fehler, findet unser Autor - und diktiert Wulff eine Verteidigungsrede ganz anderer Art.
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Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Weihnachtsansprache 2011, die bereits am Mittwoch in Berlin aufgezeichnet wurde und am Sonntagabend ausgestrahlt wird. Quelle: dpa

Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Weihnachtsansprache 2011, die bereits am Mittwoch in Berlin aufgezeichnet wurde und am Sonntagabend ausgestrahlt wird.

(Foto: dpa)

Liebe Landsleute,

seit einigen Tagen diskutiert Deutschland die Frage, wie ich mein nun wahrlich bescheidenes Privathaus finanziert habe. Die Tatsache, dass mir ein väterlicher Freund dafür Geld geliehen hat, muss ich nicht verteidigen. Es gibt keine ernsten Vergehen. Weder juristische noch moralische. Jeder weiß, dass ich nicht bestechlich bin. Die Angriffe der Opposition auf mein Verhalten sind durchsichtige politische Manöver, kleinlich in ihrer Haltung und maßlos in ihrem Urteil. Sie treffen mich nicht.

Mich erschüttert etwas anderes. Es ist eine Selbsterkenntnis. Diese Affäre, die keine wirkliche Affäre ist, hat mir klar gemacht, dass ich bislang auch kein wirklicher Präsident gewesen bin. Ich habe den Bundespräsidenten nur gespielt. Ich habe eine Rolle gesucht, als sei auch sie von einem Freund geliehen. Ich bekenne mich daher schuldig, ein billiger Urlaubsgast der politischen Korrektheit gewesen zu sein.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Ich habe es bei keinem Thema bislang gewagt, Unbequemes zu sagen. Ich habe stets nach der konfliktlosen Massenmeinung Ausschau gehalten und mich zu allen anderen Gemeinplätze-Verwaltern auch noch auf den Quadratmillimeter Mitte gedrängt. Ich lebte nicht vom Kredit geliehenen Geldes, ich lebte vom Kredit geliehener Ansichten.

Ich fürchte, dass Deutschland nur deshalb so lange über eine private Finanzierung für mein Häuschen diskutiert, weil ich ansonsten keinen Anlass zu ernster Diskussion biete. Nur einmal habe ich etwas geäußert, was scheinbar mutig schien, als ich ausgerechnet zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland. Ich habe das nur getan, weil ich die Zustimmung des links-liberalen Milieus in Deutschland suchte. Sie sehnten sich nach Joachim Gauck, und ich wollte ihnen etwas bieten, was nach Haltung klang. In Wahrheit war das kein bisschen mutig. Mutig wäre es gewesen zu sagen, Deutschland sei eine christliche Nation, die gegenüber dem Islam tolerant sein wird. Das habe ich mich aber nicht getraut.

Auch in der Schuldenkrise habe ich lieber eine abgegriffene Bankenkritik vorgetragen, als der politischen Klasse die Leviten zu lesen, dass sie seit einer ganzen Generation keine ausgeglichenen Haushalte mehr zustande bringt. Dass wir in Libyen einen Tyrannen stürzen, einem unterdrückten Volk helfen oder wenigstens der Nato solidarisch sein sollten – auch dazu habe ich nichts gesagt. Mir ist auch kein symbolisches Handeln gelungen, an das man sich erinnern wird. Ob die sprunghafte Atompolitik oder eine Vision zum neuen Europa – ich habe lieber Belangloses geäußert als in die Kritik zu kommen.

Es hätte Dinge gegeben, die Prügel wert gewesen wären
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72 Kommentare zu "Was Wulff sagen sollte: „Ich habe den Präsidenten nur gespielt“"

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  • Da ich glaube, dass Herr Wulff das Amt der Bundespräsidenten selbst mehr beschädigt hat, als es irgendein Kommentar überhaupt vermag, erlaube ich mir diese Bemerkung:

    Meiner Einschätzung nach wäre dieser "Bunte Präsident Wulff" garnicht in der Lage, etwas vergleichbar Tiefgründiges selbst zu verfassen, wie die vorliegende fiktive Rede in diesem Artikel.

  • super Artikel, bitte mehr davon und nicht immer dem linken Mainstream hinterherhecheln!

  • Bundespräsident Christian Wulff

    & der Rest der Bagage…

    Moralische Instanz!

    Wasn dasss?

    Kann man das essen?

    Da ist der Dauerbrechreiz gesichert!

    http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

    http://www.youtube.com/watch?v=tThbCdJVCVo&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=He9V33xZ-60&feature=related
    ====================================
    Dem Handelsblattteam,
    allen Aufrichtigen & Anständigen ein FROHES FEST!
    ====================================

  • LÜGEN BETRÜGEN AUSPLÜNDERN

    P O L I T I K

    Dummheit Naivität & Ignoranz

    Schützen niemanden vor der Wirklichkeit!

    NIEMANDEN !

    Aber trotzdem werden immer die GLEICHEN

    Bxxxxten gewählt!

    Was ist das?

    Dummheit Naivität & Ignoranz?

    http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

    http://www.youtube.com/watch?v=tThbCdJVCVo&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=He9V33xZ-60&feature=related

    Sind WIR ALLE dauerbekifft?

  • Wenn sich wulffen für geizen durchsetzt, kann er gehen. Und Zwar in Analogie der Auslandpresse, mit dem Handelsblattartikel "Geiz ist geil."

  • Finde es schön,dass es sich wiederholt rächt,wenn Merkel mit aller Gewalt ihren Willen gegen die Mehrheit durchsetzen will.
    Natürlich wäre Gauck der bessere gewesen.Spätestens jetzt weiß die Merkel das auch.

  • @ Dr.NorbertLeineweber

    OK, ich gebe Ihnen Recht, was den Tag des Rücktritts und des nachfolgenden angeht. Aber dann? Nur noch am Thema interessierte lesen ein nachträgliches Interview. Fakt ist: Bin ich im Gremium, kann ich wenig bewegen. Bin ich erst einmal raus aus dem Gremium, kann ich gar nichts mehr bewegen.

    Wer bitteschön nimmt denn jetzt noch einen Herrn Stark wahr?

  • Dr.NorbertLeineweber:
    Der Autor irrt in einem wichtigen Punkt. Starck ist aus Edelmut gegangen. Der Rücktritt war Protest gegen die politische Einmischung der Politik. Das ist Rückgrat pur. Heute nachzulesen auf comdirect. Hochachtung vor Starck! Die besten schmeißen hin: Köhler, Weber und Starck. Und der hat erst am letzten Tag gesagt was los ist. Auch das zeugt von Charakter.

  • Dr.NorbertLeineweber: "Wulffen ist geil"
    Sarkastisch brillant wie zutreffend. In einem anderen Artikel habe ich "non-event" und "Präsident" geschrieben, das ist noch punktgenauer und erscheint sofort auf google.
    Zum Ende hin hat Wulff ex post betrachtet "gewulfft." Kommt von guttenbergen. Wulffen ist das Austricksen der Geschäftsbanken mit noch billigeren Privatkrediten und ein noch weit billigeres Urlauben. Im Gesamtzusammenhang also ein non-event mit Rabatt. Ob es im Vergleich zu Roman Herzog oder Von Weizäcker etwas billig war, muss der ältere Leser entscheiden. Merkel hat sich damnals leider komplett vergauckt. Die Vergangenheit schläft nie.

  • Das ist wie im richtigen Leben - da will ein völlig normaler Durchschnitts-Poltiker das wirkliche Leben verlassen, den VIP spielen, weil er Mutti in die Wüste geschickt und sich mittels einer attraktiven Gattin runderneuert glaubt. Dumm nur, dass diese Illusion Geld kostet. Die neue Dame an der Seite sucht nicht Joe Blow, den CDU Normalo, sondern den wirklich großen CatWalk. Meine Wette: wenn unser Christian wieder Normal ist und den Rasen hinter seinem kleinen Häuschen wässern muss, dann ist Nr 2 weg. Wer will schon in solch einer Hütte geleast von einer Schrotthändlergattin den Lebensabend verbringen, wenn Gosch auf Sylt mit Musch-/sorry-Maschmeyer so nah.... Dann kann sich unser Christian mit Hillu zusammen tun - die ist gerade wieder vakant. Also, alles ist im Fluss und unser Christian völlig derangiert....

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