Was Wulff sagen sollte
„Ich habe den Präsidenten nur gespielt“

Der Bundespräsident hat seine Entschuldigungsrede gehalten, in der Weihnachtsansprache will er zur Kreditaffäre nichts sagen. Ein Fehler, findet unser Autor - und diktiert Wulff eine Verteidigungsrede ganz anderer Art.
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Liebe Landsleute,

seit einigen Tagen diskutiert Deutschland die Frage, wie ich mein nun wahrlich bescheidenes Privathaus finanziert habe. Die Tatsache, dass mir ein väterlicher Freund dafür Geld geliehen hat, muss ich nicht verteidigen. Es gibt keine ernsten Vergehen. Weder juristische noch moralische. Jeder weiß, dass ich nicht bestechlich bin. Die Angriffe der Opposition auf mein Verhalten sind durchsichtige politische Manöver, kleinlich in ihrer Haltung und maßlos in ihrem Urteil. Sie treffen mich nicht.

Mich erschüttert etwas anderes. Es ist eine Selbsterkenntnis. Diese Affäre, die keine wirkliche Affäre ist, hat mir klar gemacht, dass ich bislang auch kein wirklicher Präsident gewesen bin. Ich habe den Bundespräsidenten nur gespielt. Ich habe eine Rolle gesucht, als sei auch sie von einem Freund geliehen. Ich bekenne mich daher schuldig, ein billiger Urlaubsgast der politischen Korrektheit gewesen zu sein.

Ich habe es bei keinem Thema bislang gewagt, Unbequemes zu sagen. Ich habe stets nach der konfliktlosen Massenmeinung Ausschau gehalten und mich zu allen anderen Gemeinplätze-Verwaltern auch noch auf den Quadratmillimeter Mitte gedrängt. Ich lebte nicht vom Kredit geliehenen Geldes, ich lebte vom Kredit geliehener Ansichten.

Ich fürchte, dass Deutschland nur deshalb so lange über eine private Finanzierung für mein Häuschen diskutiert, weil ich ansonsten keinen Anlass zu ernster Diskussion biete. Nur einmal habe ich etwas geäußert, was scheinbar mutig schien, als ich ausgerechnet zum 20. Jahrestag der deutschen Einheit erklärte, der Islam gehöre zu Deutschland. Ich habe das nur getan, weil ich die Zustimmung des links-liberalen Milieus in Deutschland suchte. Sie sehnten sich nach Joachim Gauck, und ich wollte ihnen etwas bieten, was nach Haltung klang. In Wahrheit war das kein bisschen mutig. Mutig wäre es gewesen zu sagen, Deutschland sei eine christliche Nation, die gegenüber dem Islam tolerant sein wird. Das habe ich mich aber nicht getraut.

Auch in der Schuldenkrise habe ich lieber eine abgegriffene Bankenkritik vorgetragen, als der politischen Klasse die Leviten zu lesen, dass sie seit einer ganzen Generation keine ausgeglichenen Haushalte mehr zustande bringt. Dass wir in Libyen einen Tyrannen stürzen, einem unterdrückten Volk helfen oder wenigstens der Nato solidarisch sein sollten – auch dazu habe ich nichts gesagt. Mir ist auch kein symbolisches Handeln gelungen, an das man sich erinnern wird. Ob die sprunghafte Atompolitik oder eine Vision zum neuen Europa – ich habe lieber Belangloses geäußert als in die Kritik zu kommen.

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Es hätte Dinge gegeben, die Prügel wert gewesen wären

Kommentare zu " Was Wulff sagen sollte: „Ich habe den Präsidenten nur gespielt“"

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  • Da ich glaube, dass Herr Wulff das Amt der Bundespräsidenten selbst mehr beschädigt hat, als es irgendein Kommentar überhaupt vermag, erlaube ich mir diese Bemerkung:

    Meiner Einschätzung nach wäre dieser "Bunte Präsident Wulff" garnicht in der Lage, etwas vergleichbar Tiefgründiges selbst zu verfassen, wie die vorliegende fiktive Rede in diesem Artikel.

  • super Artikel, bitte mehr davon und nicht immer dem linken Mainstream hinterherhecheln!

  • Bundespräsident Christian Wulff

    & der Rest der Bagage…

    Moralische Instanz!

    Wasn dasss?

    Kann man das essen?

    Da ist der Dauerbrechreiz gesichert!

    http://www.youtube.com/watch?v=UpAUQY4Wwlo

    http://www.youtube.com/watch?v=tThbCdJVCVo&feature=related

    http://www.youtube.com/watch?v=He9V33xZ-60&feature=related
    ====================================
    Dem Handelsblattteam,
    allen Aufrichtigen & Anständigen ein FROHES FEST!
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