Weimers Woche

_

Weimers Woche: 16.500.000.000.000 Dollar Schulden

Gebannt schaut die Welt auf Washington. Amerika wird die Fiskalklippe irgendwie umschiffen und eine Umschuldung organisieren. Doch die Größenordnung des Schuldenbergs könnte die gesamte Weltwirtschaft gefährden.

Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinDie politische Klasse der USA ringt um neue Umschuldungstricks. Sie werden wieder welche finden, und ihre Klippen der Sparsamkeit umschiffen. Doch das Problem Amerikas sind keine Felsen der Selbstzügelung. Es ist der Ozean aus Schulden, dessen Flutwellen in unfassbare Dimensionen ansteigen. Die offizielle Verschuldung der USA ist zum Jahresende auf 16,5 Billionen Dollar empor geschnellt. Damit hat sich Amerika in wenigen Jahren so stark verschuldet wie nie ein Staat zuvor in der Menschheitsgeschichte. An jedem einzelnen Tag macht der amerikanische Staat 3,5 Milliarden Dollar neue Schulden. Nur bedingungslose Optimisten können glauben, dass das dauerhaft gut gehen wird.

Anzeige

Bei Obamas Amtsantritt 2009 betrug die US-Staatsschuld noch 10,6 Billionen Dollar. Die sechs Billionen neue Schulden in nur einer Legislaturperiode sind ein historisches Fanal. Obama hat damit so viele Schulden angehäuft wie alle amerikanischen Regierung von George Washington bis zur Amtseinführung von Bill Clinton zusammen genommen. Die Sorgen, die wir uns über Griechenlands Defizite machen, sind lächerlich im Vergleich zum Ungemach, das sich in Amerika zusammenbraut.

USA und Barack Obama

Auch der Blick auf die laufende Haushaltsführung erinnert eher an Hempels legendäre Sofaunterwelt als an ein geordnetes Finanzgebaren. Nach Angaben der Fed belief sich das Defizit der Regierung während der letzten vier Jahre im Durchschnitt auf 1274 Milliarden Dollar jährlich. Ein Gedankenexperiment macht klar, um welche Dimensionen es sich dabei handelt: Ein Mensch, der bei Christi Geburt angefangen hätte an jedem einzelnen Tag eine Millionen Dollar Schulden neu aufzunehmen, hätte heute weniger Gesamtschulden, als die USA in einem einzigen Jahr neu auftürmen.

Daneben wirkt das schuldenwankende Europa geradezu solide. Denn Washington sammelt schon nach zwei Tagen die Gesamtschulden Bulgariens neu an. Alleine in diesem Jahr hat er so viel neue Schulden gemacht wie ganz Osteuropa, das Baltikum, ganz Skandinavien, und die Problemkinder Griechenland, Portugal und Irland zusammen genommen in Jahrzehnten angehäuft haben.

  • 01.01.2013, 15:39 Uhrbjarki

    ... des Deutschen Lieblingsbeschaeftigung: Ami-Bashing. Alleine die Oel und Gasvorkommen neutralisieren die Schulden locker... Peinliche Kommentare, peinliches Deutschland.

  • 01.01.2013, 14:45 UhrLudwig500

    "Bereits jetzt müssen die USA jedes Jahr 500 Milliarden Dollar nur an Zinslasten für ihre Schulden zahlen. "

    Und genau die Bezieher dieser 500 Milliarden finden das Schuldenmachen ganz prima. Banken und sehr reiche Investoren leben sehr gut davon. So gut, dass manche ihre reichliche Freizeit mit Politik und Lobbyismus verbringen können. Deshalb wird sich ohne einen richtig grossen Crash, der alle bisherigen in den Schatten stellt, nichts ändern.

  • 01.01.2013, 13:25 Uhragenda2020

    16.500.000.000.000

  • Kommentare
Kommentar zu Hooligans: Falsche Freunde

Falsche Freunde

Die Schläger von Köln haben einen neuen Anlass zum Prügeln gefunden. Aber sie überhöhen ihn politisch – und geben sich als Beschützer vor den bösen Islamisten. Dass das durchaus ankommt, sollte uns alarmieren.

Nasa-Raketenunfall: Kein Platz für Raumfahrt-Nostalgie

Kein Platz für Raumfahrt-Nostalgie

Der Raketenunfall von Wallops Island ist Wasser auf die Mühlen der Kritiker, die der Nasa ihre verstärkte Zusammenarbeit mit privaten Raumfahrtunternehmen vorhalten. Doch die Nasa-Strategie hat sich durchaus bewährt.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Achtung, hier kommt der Maut-Murks

Achtung, hier kommt der Maut-Murks

Die Koalition legt das chaotischste Gesetz ihrer Amtszeit vor. Putins wilde Jagd alarmiert die Nato. Middelhoff soll in Haft, meint zumindest der Staatsanawalt. Wieso das alles, lesen Sie hier im Tagesbericht.

Der Anlagestratege: Der gläserne Steuerbürger wird Realität

Der gläserne Steuerbürger wird Realität

Steuerlich werden Erträge aus Aktienanlagen in Deutschland schon lange stark diskriminiert. Statt für Steuergerechtigkeit zu sorgen, geht es dem Staat nur um die eigenen Einnahmen, das zeigt auch ein neues Abkommen.

Der Werber-Rat: Pflegeanleitung für Printprodukte

Pflegeanleitung für Printprodukte

Auf der Verleihung des Bayerischen Printmedienpreises wurde Print gefeiert. Anderswo wird schon der Abgesang angestimmt. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag zur Konjunkturabkühlung: „Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

„Dieser Irrsinn wird mit einem Knall enden“

Die Notenbanken erkaufen Zeit, Anleger lassen sich blenden und die Börsenkurse klettern auf Rekordstände, losgelöst von der Realwirtschaft. Die Folge ist klar, meinen die Ökonomen Friedrich und Weik. Und sie wird wehtun.

Merkels Haushaltspolitik unter Feuer: „Bundesregierung hat sich eingemauert“

„Bundesregierung hat sich eingemauert“

Die „Schwarze Null“ im Haushalt gilt der Regierung als ultimativer wirtschaftspolitischer Erfolg. Doch damit fehlt jeglicher Spielraum. Ein sicheres wirtschaftliches Fundament und das Ende der Euro-Krise sind wichtiger.

Kommunikation im Beruf: So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

So laufen Karrierefrauen nicht gegen die Wand

Männer kommunizieren – wie eine fremde Spezies – im Business-Kosmos anders als Frauen, die von klein auf auf Harmonie und Höflichkeit gepolt sind. Wie Sie das „Männisch“ verstehen und zu eigenen Zwecken nutzen können.

  • Presseschau
Presseschau: Angriff auf „Anshu's Army”

Angriff auf „Anshu's Army”

Kostspielige Skandale und Affären haben die Gewinne der Deutschen Bank ausradiert – vor allem im dritten Quartal. Die Wirtschaftspresse bezweifelt jedoch, dass die Rochade im Vorstand an der Malaise viel ändern kann.