Weimers Woche
Adiós, Bambi

Spaniens Ministerpräsident Zapatero muss gehen, weil sein Land am Rand des Bankrotts steht. Die Bürger nennen ihn Bambi, weil er so liebe Augen hat. Bambi war ein Medienliebling - nur die Wirtschaft hat er übersehen.
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Die Regierungen fallen wie Dominosteine: Nach Irland, Portugal, Griechenland und Italien wird nun auch in Spanien eine Regierung wegen der Eurokrise gestürzt. Der Madrider Ministerpräsident José Luis Zapatero muss gehen, weil sein Land ebenfalls am Rand des Bankrotts steht. Während die Iren sich mit ihren Banken verspekuliert haben, die Griechen von Grund auf unseriös wirtschaften, die Italiener am kollektiven Unernst scheitern, sind Spanier und Portugiesen die Opfer sozialdemokratischer Verteilungspolitik.

Zapatero ist geradezu die Inkarnation des modernen europäischen Sozialdemokraten. Wie ein smarter Schmuse-Onkel der sozialen Befriedung ging er mit dem dicken Staatsgeldsäckel durchs Land und verteilte Wohltaten. Er legte ein schuldenfinanziertes Subventions- und Sozialprogramm nach dem anderem auf, förderte die Sonnenenergie so massiv, dass die Solarkraftwerke sogar nachts Strom erzeugten. Das wundersame Phänomen erklärte sich damit, dass die Betreiber nachts Dieselgeneratoren laufen ließen, um die subventionierte Stromeinspeisung abzukassieren. Zapatero war damit der Mann, der die Schlagerschnulze wahr werden ließ: Spaniens Sonne scheint bei Tag und Nacht.

Und er setzte - weil das mit der Sozialpolitik nicht cool genug war - auf „gesellschaftliche Modernisierung“: es kamen die Homo-Ehe, die Schnell-Scheidung, die Frauen-Gleichstellung und die Liberalisierung der Abtreibung. Er sagte Dinge, die man nur sagt, wenn es einem zu gut geht : „Ich bin ein Roter und ich bin ein Feminist“. Er war ein Medienliebling - nur die Wirtschaft hat er halb übersehen, die Finanzen ganz. In Spanien rufen sie ihn wegen seiner großen, lieben Augen „Bambi“. Nun hat Bambi tiefe Schuldenränder unter den roten, feministischen Augen.

Mit dem Fall Zapateros, Papandreous und Berlusconis binnen weniger Tage kann man eine erste Bilanz der europäischen Schuldenkrise ziehen:

1. Die Krise wirkt wie eine gewaltige Veränderungsmaschine. Die Schockwellen staatlicher Überschuldung erschüttern den Kontinent zeitlupenhaft, aber mit aller Konsequenz.

2. Die Krise hat erst begonnen. Eine europaweite Rezession wird unausweichlich. Die Vertrauenskrise auf den Finanzmärkten und die anlaufenden Sparprogramme treffen die europäische Konjunktur am ohnedies beginnenden Abschwungzyklus. Von nun an wird es jedenfalls abwärts gehen.

3. Die Reform- und Sparanstrengungen der Regierung reichen bei weitem nicht aus. Kein einziges Land legt auch einen annähernd ausgeglichenen Haushalt vor. Die Refinanzierungssummen für die laufenden Staatskredite sind dramatisch hoch und steigen weiter. Der Abstieg aus dem Schuldengebirge geht viel zu langsam, dadurch steigt die Gefahr von plötzlichen Abstürzen.

4. Die Politik steht vor einem Rechtsruck. Die Länder mit gestürzten Regierungen entscheiden sich offenbar für neue konservative Regierungen - oder gar für Notregierungen aus Technokraten.

5. Der Druck auf die Europäische Zentralbank, nun die Notenpresse massiv anzuwerfen, wird täglich größer. Zapatero hat leider Recht mit seinem letzten Unkenruf: Deutschland wird diesem Druck nicht standhalten können, schon weil das Risiko schockartiger Verwerfungen mittlerweile so groß ist. Sein dramatischer Appell an Berlin, die EZB als Feuerwehr im brennenden Haus Europa endlich einzusetzen, wird auch in Paris geteilt. In Rom, Athen und Lissabon sowieso.

Am Ende wird Angela Merkel doch eine Rettungsstrategie kontrollierter Inflationierung erwägen müssen, denn Deutschland kann sich nur noch zwischen lauter Übeln entscheiden. Eine geordnete Inflation ist dabei vielleicht noch das kleinste. Aber bitte mit einer Bedingung - dass die Bambi-Politik der Schuldenmacherei endlich beendet wird. 

Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

Kommentare zu " Weimers Woche: Adiós, Bambi"

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  • Jörg Bergmann: Darf ich daran erinnern, dass unser eigener Sozialhaushalt, und das gilt bis in die Kommunen, Dezernate, hinab von den Regierenden als unangreifbar deklariert wird, obwohl das der größte Brocken im Haushalt ist. Wenn die quasi Kostendeckung durch die Abgaben der angestellten Arbeitnehmer nicht mehr sichergestellt ist, werden auch wir um ein Streichkonzert nicht herum kommen. Was sind denn unsere Einsparvorschläge für die Kommunalen Haushalte 2012 und reicht das aus um unseren Haushalt zu entschulden ?

  • Ja genau, Feminismus ist Schuld an der Miesere! Und die Homo-Ehe im gleichen Atemzug bitte nicht vergessen ...

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