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Weimers Woche: Aktien gegen den Schuldensozialismus

Die gelungenen Auktionen für italienische und spanische Staatsanleihen haben diese Woche den Optimismus keimen lassen, das Schlimmste sei vorbei. In Wahrheit greift nur das gewagte Manöver der Europäischen Zentralbank.

Wolfram Weimer, Journalist, Buchautor und Gründer des Politik-Magazins Cicero.
Wolfram Weimer, Journalist, Buchautor und Gründer des Politik-Magazins Cicero.

BerlinGeldanlage ist derzeit so vergnüglich wie ein Zahnarztbesuch. Was immer man tut, es droht weh zu tun. Die Zinsen für die beliebtesten Anlageklassen der Deutschen (von der Bundesanleihe über das Festgeld und Spareinlagen bis zu Geldmarktfonds) liegen unterhalb der Inflationsrate.

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Wer hier investiert, vernichtet also sehenden Auges Kapital. Wir treiben damit in ein System schleichender Enteignungen der Sparer zugunsten maroder Staaten. Dieser neue Schuldensozialismus schafft sich seine Mechanik, und die jüngsten Negativzinsen für deutsche Schuldtitel sind dafür ein Fanal.

Anleiheauktionen Italien und Spanien lassen Euro-Anleger jubeln

In der europäischen Schuldenkrise gibt es neue Hoffnung. Ohne jede Probleme nahmen Italien und Spanien am Anleihemarkt Milliarden auf – und das deutlich billiger als gedacht. Dax und Euro treibt das nach oben.

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Sucht man als Anleger höhere Renditen und wagt sich auf riskantere Märkte, drohen - mehr denn je - Rückschläge oder gar Ausfälle. Anleihen europäischer Staaten, die bis vor zwei Jahren noch als solide galten wie deutsche Eichen, sind zu Hochrisikopapieren verkommen.

Und wer sich in Gold sicher gewähnt hat, erlebt seit einigen Monaten ebenfalls scharfe Kursverluste. Auch Platin hat sich binnen Jahresfrist um 17 Prozent verbilligt. Die Rohstoff-Notierungen für Zink, Zinn, Nickel, Kakao, Kupfer und Blei sind um knapp 20 Prozent gefallen. Und wer vor einem Jahr in Weizen investiert hat, kann jetzt 24 Prozent abschreiben, bei Zucker 28 Prozent und bei Baumwolle sogar 33 Prozent.

Doch nicht nur die Renditen sind brüchiges Eis. Auch die Bewältigung der Staatsschuldenkrise macht nur Scheinfortschritte. Die gelungenen Auktionen für italienische und spanische Staatsanleihen haben in dieser Woche den Optimismus keimen lassen, das Schlimmste sei vorbei. In Wahrheit greift nur das gewagte Manöver der Europäischen Zentralbank, einerseits selber Staatsanleihen aufzukaufen (eine Kardinalsünde des Schuldensozialismus), andererseits Europas Banken derart mit billigem Geld zu überschwemmen, damit auch diese die neuen Staatsanleihen kaufen.

Staatsfinanzierung Der Billionenhunger europäischer Staaten

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Diese Strategie funktioniert wie ein Methadonprogramm für Drogensüchtige. Es beseitigt die Krankheit der Schuldensucht nicht, sondern lindert nur den Entzugsschmerz der Märkte. Tatsächlich aber wächst der wankende Schuldturm gefährlich weiter. Woche für Woche. Das Zentralbankmethadon hat nur einen Effekt - es kauft uns Zeit. Die Staaten sollten diese Zeit dringend nutzen, endlich ausgeglichene Haushalte zu schaffen; das tun sie aber nicht. Es wird daher nicht lange dauern, dann kehrt die Angst zurück.

Daher bleibt für Anleger die Notwendigkeit akut, sich über Sachwerte abzusichern. Neben den Immobilien kommen dabei zusehends Aktien wieder in den Blick der Deutschen. Zur allgemeinen Verblüffung stieg die Zahl der Aktionäre - im zweiten Halbjahr 2011 alleine um 356.000 auf nunmehr 8,7 Millionen Anleger. Sie flüchten vor dem Schuldensozialismus und treiben so die Aktienkurse (entgegen vieler Prognosen) langsam wieder herauf.

Die Sorge vor einer Rezession verblasst, denn im Moment sieht es danach aus, dass der Abschwung sanft ausfallen könnte. China, Indien und nun auch die USA senden Signale einer positiven Wirtschaftsentwicklung. Und da die deutsche Industrie im Welthandel prächtig positioniert ist, die Aktien aber nur mit moderaten Kurs/Gewinn-Verhältnissen bewertet scheinen, macht ein Investment in dieser Position für viele Sinn. Zumindest bis die Schuldensozialisten über neue Börsen-, Aktien- und Finanztransaktionssteuern auch hier zugreifen.

  • 16.01.2012, 01:15 UhrAnonymer Benutzer: Zunker

    Das ist meine Devise. Ich habe im September, als alle panisch verkauft haben, hinzugekauft. Aber es hat auch eine Menge Mut gekostet, die fallenden Kurse von Anfang August bis Mitte September zu beobachten. Aber ich bin mir sicher, das richtige getan zu haben.

  • 14.01.2012, 12:34 UhrAnonymer Benutzer: bobi

    das stimmt nicht. wenn der staat die maroden schuldner in schutz nimmt, so ist das sehr wohl sozial. solche markteingriffe kennt man von der sovietunion und nicht von dem westen.
    solange das wort "rezession" negativ besetzt ist, wird der markt nicht wieder ins gleichgewicht kommen. wenn die ezb bei jeder negativmeldung in den markt eingreift, wird das nur funktionieren bis der politik die macht ausgeht. und dann wird der fall viel mehr weh tun.

  • 14.01.2012, 06:52 Uhrkaiserbubu

    Weimer verwechselt den Schuldensozialismus" mit dem Schulden Kapitalismus. Die Staatsverschuldungen sind seit der Finanzkrise explodiert. Und Weimer macht gerne den Verklärer. Immerhin ist ein Verdienst der Lobby und Medien die Banken und Finanzkrise in eine "Staatsschulden Krise umzuwandeln. Und die dreiste Politik macht auch noch mit und erfindet saudumme "Schuldenbremsen". Das Ergebnis der politischen " Interventionen" ist ja das alles schlechter geworden ist.

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