Weimers Woche
Ansichten eines Clowns

Steinbrück blamiert sich mit Clownerien, die Piraten verjuxen ihre Zukunft, und die FDP spielt Theater. Angela Merkel muss gar keinen Wahlkampf führen. In Anbetracht der Konkurrenz reicht schon ihre Seriosität zum Sieg.
  • 14

Erst droht Peer Steinbrück der Schweiz im Steuerstreit mit dem Einsatz der “Kavallerie”, dann hält er Zypern für eine “Geldwaschanlage”, die man in piratenmanier mal ausheben sollte (“So'n kleiner Störtebeker, der da mal rüberschippert von der Ostsee ins Mittelmeer”). Und nun verunglimpft er Italien als einen Zirkus, der “Clowns” zu Spitzenpolitikern wähle. Die Frechheit wird ihm selber zur Blamage: Italiens Staatspräsident Napolitano lädt Steinbrück nach dieser Beleidung aus und nutzt die präsidiale Bühne mit Joachim Gauck dazu, den Kanzlerkandidaten der SPD vor der Weltöffentlichkeit zu maßregeln. Selbst Gauck kommentiert kopfschüttelnd, dass sich so etwas selbst entlarve. Und der italienische Wahlaufsteiger Beppe Grillo nennt Steinbrück nurmehr “schwachköpfig und arrogant”.

Eine derartige Serie von Eklats wie Peer Steinbrück hat noch kein Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik verursacht. Immer wenn man gerade denkt, nun beruhige sich der Fettnäpchentanz, spritzt er schon wieder was Neues hoch. Die SPD müht sich gequält bis verzweifelt das Irrlichtern ihres Spitzenmannes als “Klartext reden” zu verbrämen. In Wahrheit sind die Genossen nur noch entsetzt.

Denn sowohl die unsägliche Störtebecker-Attacke als auch die Herabwürdigung Italiens als Clownvolk offenbaren, dass Steinbrück kaum zum Kanzler taugt. Gerade weil er ein Django des Politischen ist, fehlt ihm die diplomatische Kunst. Die Wortwahl des Clowns fält daher auf Steinbrück selbst zurück. Offensichtlich gefällt er sich immer noch in der Rolle des lustigen Normenbrechers. Doch der schwarze Humor, den er dabei offenbart, disqualifiziert ihn als Staatsmann. Wenn sich einer anschickt, Deutschland zu verkörpern, dann sollte er nicht andere Länder herabwürdigen, herumwitzeln und verbal attackieren. Sein loses Mundwerk war erfrischend, als er noch mit hoch bezahlten Reden seine Nebeneinkünfte aufbesserte. Als Spitzenpolitiker Deutschlands ist es fatal. Nicht einmal im Wahlkampf dürfte ihm das helfen.

Kommentare zu " Weimers Woche: Ansichten eines Clowns"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • In Anbetracht der Konkurrenz reicht schon ihre Seriosität zum Sieg
    -----------------------
    Mein Gott, Herr Weimer, werden Sie von Merkel bezahlt? Man hat ja fast den Eindruck
    Diee Vasallen-Treue hat doch sonst nur noch Pofalla.
    Wo ist diese Frau denn seriös? Und lassen Sie das doch mal mit Pfarrerstochter. Pfarrer war Merkels Vater erst in 2. Linie, ansonsten war er guter Nachrichtenüberbringer an die SED, ein sog. Verbindungsglied
    Merkel ist eine stramme DDR-Frau mit bester Schulung bei der FDJ. Nicht umsonst ist unser Staat der ehemaligen DDR ja immer ähnlicher

  • verus
    das ist eine tolle Geschichte und so wahr

  • umismatiker
    dem stimme ich voll zu.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%