Weimers Woche

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Weimers Woche: Das billige Bankenschlachten der Politik

Die Politik will Banken spalten und das verteufelte Investmentbanking isolieren. Was in Brüssel und Berlin zusehends mehrheitsfähig wird, ist in Wahrheit linke Symbolpolitik – zum Schaden des Wirtschaftsstandorts.

Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinDas Image der Banken ist so ramponiert wie das von RTL-Dschungelcampern. Man beäugt sie wie Halbwilde, lästert über sie und ergeht sich in kollektiver Schadenfreude, wenn wieder mal etwas schief läuft. Sie werden mit einem Furor zu Sündenböcken der Gesellschaft abgestempelt, der langsam groteske Züge annimt. Vor allem die Politik befördert eine Hatz auf die Branche, weil damit prächtig von der eigenen Schuldensucht und desolaten Finanzpolitik abgelenkt wird.

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Was immer passiert – Griechenlands Pleite, Euro-Krise, kalter Winter, saure Milch – die Banken werden schon irgendwie Schuld sein. Und weil das so ist, gibt es jetzt auch eine Partei übergreifende Bewegung, die Banken “endlich zu zerschlagen”.

Regulierung Manager und Banker sollen persönlich Haften

Bei schwerem Fehlverhalten müssen sie nun mit einer Geld- oder Gefängnisstrafe rechnen.

Offiziell geht es um die Trennung des Investmentbankings und der Handelsgeschäfte vom Einlagen- und Kreditgeschäft. Die Großbanken sollten aufgespalten werden, um Risiken einzudämmen. Steinbrück, dessen Selbstbild als forscher Dompteur ohnedies vital ist, spricht dabei gerne von “Bändigung” der Banken. Schäuble verkündet im Tonfall eines Staatenlenkers den “neuen, stabilen Ordnungsrahmen” und der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen, dessen Experten-Kommission die Trennbanken europaweit einführen will, glaubt gar, “systemische Risiken endlich einzuhegen”. Die öffentliche Meinung ist schnell mobilisiert, denn kleine Banken gelten gefühlt als ungefährlicher als große. Das Dschungelcamp soll sich lichten.

Die Politik betreibt mit diesem Vorstoß reine Schaufensterdekoration. In Wahrheit wissen auch die Experten in Berlin und Brüssel, dass ein Trennbankensystem kein einziges Risiko mindert. Im Gegenteil – ein ausgewogenes Universalbankenssystem mildert einseitige Risikogänge sogar ab. Deutschland hat darum über Jahrzehnte mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht, wohingegen die USA mit ihrem Trenbankensystem eine negative Bilanz gezogen und dieses dann auch wieder variiert hat.

  • 08.02.2013, 14:12 Uhr

    Ein wirklich sehr schön geschriebener Artikel.
    Von mir:

    100% Zustimmung.

  • 08.02.2013, 14:36 Uhr

    Sehe ich auch so, sehr guter Artikel.

    Die Summe aller eingegangenen Kapitalmarktrisiken ist und bleibt konstant an der Geldmenge ausgerichtet. Daran wird ein Trennsystem nichts ändern. Das Risiko, das Menschen mit Geld eingehen, bestimmt sich danach, was es ihnen wert ist und das wiederrum bestimmt sich nach der Geldmenge.

    Wir haben zuviel Geld im Markt und das führt immer zu einer erhöhten Risikobereitschaft. Für die Geldmenge aber sind die EZB und Konsorten verantwortlich.

    Und gerade in der Frage der Eigenkapitalunterlegung haben gerade die Sparkassen so einiges nachzuholen. Die Sparkassen gehören aber den Kommunen. Auch für diese zeichnet die Politik direkt verantwortlich.

  • 08.02.2013, 14:39 Uhr

    Nur die Aussage, dass Europa handlungsfähige Kapitalsammelstellen braucht, ist richtig. Aber gerade dafür ist es nötig, die Funktion der Kapitalsammelstelle von sonstigen Aktivitäten der Banken zu trennen. Heute nutzen einige Universalbanken die grosse Haftungssumme ihrer Bilanz (= der "Kapitalsammelstelle"), um damit zu spekulieren, riskante Geldanlagen zu tätigen oder auch um ihr Beratungsgeschäft mit einer hohen Haftungssumme zu hinterfüttern.
    Damit missbrauchen sie das Geld, das ihnen Sparer und Anleger anvertraut haben. Wenn die Geschäfte schief laufen, muss der Staat sie retten. Wenn es gut läuft, wird der Ertrag als Bonus oder Dividende ausgeschüttet.
    Auch die Lehmann-Pleite hat vorallem wehgetan, weil dort viele Universalbanken Geld ihrer Anleger spekulativ angelegt hatten. Hätte Lehmann nur mit dem Geld der eigenen Aktionäre gearbeitet, wäre die Pleite kein Problem gewesen.
    Die Auftrennung der Banken ist daher völlig richtig! Am besten wären sogar drei Teile:
    1 - Kapitalsammelstelle - Anleger und Kreditgeschäft
    2 - spekulatives Geschäft, Eigenhandel, Beteiligungen
    3 - Beratungsgeschäft (dies führt regelmässig zu Interessenskonflikten mit den anderen Aufgaben der Banken)

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