Weimers Woche: Das billige Bankenschlachten der Politik

Weimers Woche
Das billige Bankenschlachten der Politik

Die Politik will Banken spalten und das verteufelte Investmentbanking isolieren. Was in Brüssel und Berlin zusehends mehrheitsfähig wird, ist in Wahrheit linke Symbolpolitik – zum Schaden des Wirtschaftsstandorts.
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BerlinDas Image der Banken ist so ramponiert wie das von RTL-Dschungelcampern. Man beäugt sie wie Halbwilde, lästert über sie und ergeht sich in kollektiver Schadenfreude, wenn wieder mal etwas schief läuft. Sie werden mit einem Furor zu Sündenböcken der Gesellschaft abgestempelt, der langsam groteske Züge annimt. Vor allem die Politik befördert eine Hatz auf die Branche, weil damit prächtig von der eigenen Schuldensucht und desolaten Finanzpolitik abgelenkt wird.

Was immer passiert – Griechenlands Pleite, Euro-Krise, kalter Winter, saure Milch – die Banken werden schon irgendwie Schuld sein. Und weil das so ist, gibt es jetzt auch eine Partei übergreifende Bewegung, die Banken “endlich zu zerschlagen”.

Offiziell geht es um die Trennung des Investmentbankings und der Handelsgeschäfte vom Einlagen- und Kreditgeschäft. Die Großbanken sollten aufgespalten werden, um Risiken einzudämmen. Steinbrück, dessen Selbstbild als forscher Dompteur ohnedies vital ist, spricht dabei gerne von “Bändigung” der Banken. Schäuble verkündet im Tonfall eines Staatenlenkers den “neuen, stabilen Ordnungsrahmen” und der finnische Notenbankchef Erkki Liikanen, dessen Experten-Kommission die Trennbanken europaweit einführen will, glaubt gar, “systemische Risiken endlich einzuhegen”. Die öffentliche Meinung ist schnell mobilisiert, denn kleine Banken gelten gefühlt als ungefährlicher als große. Das Dschungelcamp soll sich lichten.

Die Politik betreibt mit diesem Vorstoß reine Schaufensterdekoration. In Wahrheit wissen auch die Experten in Berlin und Brüssel, dass ein Trennbankensystem kein einziges Risiko mindert. Im Gegenteil – ein ausgewogenes Universalbankenssystem mildert einseitige Risikogänge sogar ab. Deutschland hat darum über Jahrzehnte mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht, wohingegen die USA mit ihrem Trenbankensystem eine negative Bilanz gezogen und dieses dann auch wieder variiert hat.

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Die Deutsche Bank wurde viel gescholten, ist aber recht solide

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  • Ich stimme dem Artikel auch zu 100 % zu. Es ist schlimm, jeden Tag mit anhören zu müssen, wie die Leute, die (nicht negativ gemeint) nun mal nur wenig in diesem Bereich wissen, ständig schlecht über das ganze System reden. Dazu möchte ich auch Teile der breiten Bevölkerung zählen (inkl. Frisör etc.), die sowas nunmal nicht studiert haben und einfach nur den dicken fetten Schlagzeilen hinterherrennen. Es hat sich so ein riesiger Aufklärungsbedarf in den letzten Jahren angesammelt, dem in der nächsten Zeit nur schwer zu begegnen sein wird. Danke für diesen ersten Versuch!

  • Es gibt auch bei uns in D bzw. in Europa keine kostenlosen Überweisungen - sei es von einem Staat in den anderen, von einer Bank zur anderen (Inland) oder auch nur eine simple Umbuchung innerhalb einer Bank; es stellt sich nur die Frage wer diese Kosten trägt: Kann die Bank die Kosten der Buchung/Überweisung an den Kunden weitergeben (oder sogar evtl. Gewinn damit erzielen) - oder trägt sie die Kosten der Überweisung aus Konkurrenzgründen selbst (und versucht über Cross-Selling aus der Kundenverbindung anderweitig Profit zu ziehen).

  • stimme dem Artikel 100% zu, ganz abgesehen davon dass es hierzulande nur noch eine weltweit agierende Großbank mit angeblich "spekulativem" Kapitalmarktgeschäft gibt, die DBK, auf welche Vielzahl deutscher Banken bezieht sich der Peer eigentlich noch?

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