Weimers Woche

Das Kabinett Merkel III

Die Mehrheit der Deutschen wünscht sich eine Große Koalition. Mangels mehrheitsfähiger Alternativen dürfte es wohl auch so kommen. Schon malt man sich in Berlin aus, wie das dritte Kabinett Merkel aussehen könnte.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Der Stotterstart von Peer Steinbrück als Kanzlerkandidat hat die Perspektive auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr verfestigt. Kaum jemand glaubt derzeit ernsthaft an eine Ablösung der Beliebtheitskanzlerin Angela Merkel. Aber sehr viele erwarten eine Wiederauflage der Großen Koalition. Selbst innerhalb der SPD hält man Steinbrück – und zwar jenseits der Nebenverdienst-Skandälchen – nur für einen Vizekanzler-Kandidaten. Insgeheim bereiten sich auch die Sozialdemokraten auf ein Kabinett Merkel III vor, in dem sie Schlüsselpositionen erobern dürften.

Die personale Perspektive sieht derzeit so aus: Von den bestehenden Kabinettsmitgliedern werden neben sämtlichen FDP-Ministern auch Ilse Aigner (weil sie nach Bayern zurückkehrt, um Horst Seehofer zu beerben), Kristina Schröder (weil ihr die gesellschaftliche Akzeptanz fehlt) und Annette Schavan (weil sie kein Landesverband mehr stützt) wohl nicht mehr in der Regierung bleiben.

Als gesetzt können hingegen die „Merkelianer“ Ursula von der Leyen (die sozialdemokratischste Konservative aller Zeiten), Thomas De Maiziere (der superstrukturierte Preuße) und Peter Altmaier (der umarmende Rheinländer) gelten. Die CSU dürfte hingegen neues Personal ins Merkel III-Kabinett schicken, wahrscheinlich müsste sich die Hauptstadt sogar an Markus Söder (eine Art fränkischer Chuck Norris) gewöhnen.

Die Schlüsselfrage aus Unionssicht liegt in der Person Wolfgang Schäubles. Er ist der wichtigste Minister in Merkels Kabinett, und er steht für die Verlässlichkeit und Seriosität bürgerlichen Regierungshandelns. Ihm aber dürfte die SPD das Finanzministerium streitig machen – und das Außenministerium, mit dem Schäuble durchaus liebäugelt, ebenfalls. Wohin also mit Schäuble? Der Architekt der Einheit und Machtstratege der Kohl-Ära hat ein politisch-sentimentales Ziel – Europa zusammen halten. Er könnte daher in ein europäisches Spitzenamt wechseln, dann aber fehlte der Kanzlerin die zentrale Säule ihrer deutschen Machtarchitektur. Eine offene und zugleich gefährliche Partie für die Kanzlerin.

Bei der SPD sind die Personalfragen schon traditionell gefährlich. Peer Steinbrück hat sich mit seiner Ankündigung, nicht noch einmal als Minister unter Merkel zu dienen, ganz scharf an die Kante der politischen Bühne gestellt. Er dürfte daher ziemlich rasch nach der Wahl in die Wirtschaft zum weiteren Geldverdienen wechseln. Dann könnte der allseitig respektierte Thomas Oppermann (eigentlich ein idealer Innenminister-Kandidat) neuer Finanzminister werden.

Das Außenministeramt ist auf Frank-Walter Steinmeier wie zugeschnitten
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17 Kommentare zu "Weimers Woche: Das Kabinett Merkel III"

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  • Diese Art zu regieren nennt man Korporativismus.
    Warum auch nicht. Dann würde der Vorhang vor der Bühne weggezogen, und man sieht das Stück so wie es gemeint ist und wie es gespielt wird.
    Heute sieht man den Vorhang auf den nette Bildchen von "Parteien" gemalt und gestickt sind und das Publikum befindet sich im Glauben, was auf dem Vorhang abgebildet ist, sei das eigentliche Stück auf der Bühne.
    Theater wird allerdings immer gespielt ob mit oder ohne Vorhang.

  • holzie, das wäre aber auch ein Horrorszenario. Von der Leyen Kanzler, bitte nicht. Sie mag zwar ganz sympathisch sein, aber es benötigt jemand, der sich wirklich mit der Materie auskennt. Nur Töchterlein sein von und mal in Brüssel gewohnt haben, ist viel zu leicht für die zu bewältigende Aufgabe. Das wird genauso schief gehen.

  • Gott bewahre uns vor einer 3. Legislaturperiode mit Fr.Merkel.
    Da gehe doch sofort nach Altötting zum Wallfahren.

    Wir bitten Dich erhöre uns.

  • So könnte es kommen!

    Aber sind wir ehrlich. Für die angedachten Positionen ist keiner der Kandidaten geeignet. Die Besetzung der Positionen würde den Verdruss des Wahlbürgers nur noch weiter schüren.

    Die Parteien sollten endlich einmal dazu übergehen, dem Wahlvolk geeignete und nicht Parteisoldaten zu offerieren. Die Welt ist zu kompliziert geworden als das wir uns weiter die "Praktikanten" leisten zu können.

    Um diesen Prozess zu beschleunigen sollte als bald das Antikorruptionsgesetz unter Einschluss der Abgeordnetenbestechung im Strafgesetzbuch auch vom deutschen Bundestag ratifiziert werden. solange dies nicht erfolgt ist, darf man nicht davon ausgehen, dass es die Abgeordnetenbestechung nicht gäbe sondern man muss eher vom Gegenteiligen als Normalfall ausgehen.

  • Die große Koalition wurde im Wesentlichen von der SPD gestaltet. Man hat es am Handlungsdefizit der Schwarz-Gelben Koalition gemerkt. Frau Merkel haben die Treiber und die Themen gefehlt. Warum also jetzt trotzdem wieder Merkel wählen?

  • Leute, lasst uns doch mal Nägel mit Köpfen machen. Warum sollen wir denn Politiker oder Parteien wählen? Viel direkter könnten wir mitregieren, wenn wir gleich Lobbyisten oder deren Konzerne wählen. Dann könnten z. B. "Pharma" und "Lebensmittel" koalieren. Somit wäre nicht nur Antibiotika und Pflanzengift in unserer Nahrung, sondern auch gleich diverse Mittel gegen Bluthochdruck und Cholesterin. "Energie" säße in der Opposition und käme nur dran, wenn die Preise für Strom, Gas und Öl gewaltig sinken würden. Den teueren Regierungsapparat könnten wir uns schenken. Eigentlich die optimale Lösung, oder denke ich da irgendwie falsch?

  • Wieso SED? Die Einheitspartei ist doch schon existent.
    CDU/CSU/FDP/Grüne/Linke es muss nur noch die Umbenennung vollzogen werden DEP = Deutsche Einheits Partei.
    Die Mitglieder sind abgeleitet vom Namen, die Deppen.

    Tutto Klaro?

  • Die Blockpartei ist zwar nicht Staatsziel, aber gesamtdeut-sche und gesamteuropäische Wirklichkeit.Die Blockpartei ist alternativlos.Die Gruppenegoismen der politischen Akteure sind der Heilige Gral der postdemokratischen Diktatur von Finanzoligarchie und basisferner Partei-akrobaten. Gott ist tot. Die Partei lebt. Und hat immer recht.Wie Merkel es schon bei der FDJ gelernt hat.

  • Ob die Deutschen sich eine große Koalition wünschen, sei einmal dahin gestellt,das bürgerliche Lager wohl eher nicht, der Rot-Grün Block wohl auch nicht. Trotzdem ist sich aus Wahlarithmenischen Gründen ziemlich wahrscheinlich. Die FDP wird nicht mehr im Parlament vertreten sein und Rot-Grün bekommt wohl keine Mehrheit, wenn es die Piraten schaffen sollen.
    Also große Koalition mit Merkel als Kanzler falls sich die Kanzlerin nicht ganz entscheidenede Fehler bis zur Wahl leisten sollte.
    Umso wichtiger ist, dass im nächsten Bundestag eine echte Opposition zu den fundamental- Eurologen-Parteien CDUSDP
    vertreten ist. Die "Freien Wähler" haben die Chance im Wahlkampf beweisen zu können, dass sie genügend politische Potenz besitzten, um eine echte Alternative anbieten zu können.

  • die Aussage, dass es nach der Bundestagswahl eine Grosse Koalition gibt, ist realistisch, ob aber merkel Kanzlerin bleibt ist fraglich, den mit von der Leyen steht eine sozialdemokratische Alternative zur Verfügung und Peer Steinbrück könnte als Finanzminister und Vizekanzler dem Kabinett angehören..

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