Weimers Woche
Der Staat als Beute der Parteien

Die Sparprogramme entlarven in Südeuropa eine gewaltige Dimension der Vetternwirtschaft. In tausenden Behörden herrscht eine Kultur des Pöstchen-Verschaffens. Dieser Selbstbedienungsladen muss endlich geschlossen werden.
  • 26

Die Sparbemühungen in Südeuropa kommen nur im Zeitlupentempo voran. Doch schon jetzt wird deutlich, dass ein gewaltiges Geflecht aus ineffizienter Bürokratie und überflüssigen Behörden die Schuldenländer überzieht. Sie dienen häufig nur dazu, Gefolgsleuten der Regierungsparteien sichere Pöstchen zu verschaffen. Es entsteht der Eindruck, dass die maroden Staaten zu morschen Gebäuden der politischen Selbstbedienung verkommen – zur Beute ihrer Parteien, ganz nach dem Motto: Früher nannte man es Vetternwirtschaft, heute heißt die Sache Staat.

Griechenland zum Beispiel hat dieser Tage zugegeben, dutzende vollkommen überflüssiger Behörden unterhalten zu haben, wie beispielsweise die Behörde für Technologieforschung der mittelgriechischen Region Thessalien. Oder auch die Organisation der Zentralmärkte sowie 65 verschiedene Jugendschutzbehörden, von denen kaum jemand so genau weiß, was sie eigentlich machen. Parteimitglieder freilich wissen das sehr genau: es geht um Versorgungsposten.

Selbst in Griechenland weithin unbekannt war eine Einrichtung, die sich ominös „Kapital für die Entschädigung von Lastenträgern“ nennt. Und wer da nicht unterkam, der hatte noch Chancen bei der staatlichen Behörde zur Förderung des „Fair Trade”. Und weil das so nett und absurd ist, hat Griechenland von diesem Amt gleich zwei.

Nun endlich beginnt – da Deutschland und der IWF drohen - die Aktion „Weg mit den Frühstücksdirektoren“ . Insgesamt 5256 Stellen sind betroffen. Doch Griechenland wäre nicht Griechenland, wenn diese Staatsvettern nun einfach entlassen würden. Tatsächlich sollen sie in bezahlte Frührente gehen oder in andere staatliche Behörden versetzt werden. Den verblüfften Sparkommissaren wird erklärt, diese Sparmaßnahme bringe also nicht viel.

In diesem Stil pflegt auch Sizilien seine Vettern. Dort gibt es so viele Behörden für Fortbildung wie sonst nirgends auf der Welt. Tausende von „Freunden” des Gouverneurs haben gut bezahlte Jobs darin gefunden, alle bilden sich gegenseitig fort, so dass das skandalös hoch verschuldete Sizilien inzwischen die Region mit den meisten – und bestens fortgebildeten - Staatsbediensteten ist. Bis vor wenigen Monaten kam es sogar zu massenhaften Neueinstellungen im sizilianischen Staatsdienst. Warum? Die Amtszeit des Gouverneurs geht zu Ende, und Freunde wollen versorgt sein.

Kommentare zu " Weimers Woche: Der Staat als Beute der Parteien"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die Folgen können Sie in Kalifornien ansehen.

  • Wieder so ein Träumer !
    Die Mafia ist überall und diese Krake wir weiterhin sehr gut vom Deutschen Steuerzahler leben.

    Und auch bei uns bekommen Sie begehrten Posten nur über die Parteien. In Bayern ist es Pflicht bei der CSU zu sein.Nur dann haben Sie Aussicht auf einen guten "Posten".
    Die Partei, die Partei die hat immer Recht..........

  • Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Staatsanteil am Bruttosozialprodukt ist mit über 50% viel zu hoch und definitiv unbezahlbar. Bisher wurde dieser Mißstand mit immer neuen Schulden, immer weiteren Neuverschuldungen überdeckt.
    Der hohe Staatsanteil vermindert die Kaufkraft der Bürger und die Möglchkeit der Unternehmen zu investieren, und damit letztendlich ein Wirtschaftswachstum.
    Es müßte ein Gesetz geben, daß den Staatsanteil rigoros auf max. 20% absenkte. Dann wäre vielleicht sogar der Euro zu retten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%