Weimers Woche

Die „Folterfrau“ sagt, was Sache ist

Der Verteilungskampf in Europa bekommt eine ideologische Note: linker Schuldensozialismus gegen bürgerliche Stabilitätsunion. Angela Merkel wehrt sich tapfer, doch die Sozialdemokraten fallen ihr in den Rücken.
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Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Der Ton gegen Angela Merkel wird gemein. Von Athen bis London schimpft man sie im günstigen Fall Spar-Oma, eiserne Lady oder Domina. Inzwischen hört man aber auch Nero, Terminator oder “das gefährlichste deutsche Staatsoberhaupt seit Hitler” (so das britische Magazin “New Statesman”). Sie malen ihr in Karikaturen das Hitlerbärtchen an, kleiden sie in Wehrmachtsuniform und überschütten sie mit wüsten Beleidigungen. Vor allem linke Medien verfluchen sie als Folterfrau, werfen mit braunem Schlamm und vergiften das Klima in Europa. Dabei sagt die Bundeskanzlerin nur, was die Stunde geschlagen hat: der Schuldensozialismus muss ein Ende haben, und Deutschland kann nicht für alles zahlen.

Genau das aber sieht die europäische Linke unter Führung ihres neuen Herolds Francois Hollande (jener irrlichternden Mischung eines betagten Finanzbeamtenspießers mit dem jungen Lenin) ganz anders – und also machen sie Stimmung gegen Angela Merkel.

Der Verteilungskampf wird nicht nur härter, er bekommt damit auch eine ideologische Note (linker Schuldensozialismus gegen bürgerliche Stabilitätsunion). Ausgerechnet Merkel, die nie eine konsequente Konservative und schon gar keine klare Wirtschaftsliberale gewesen ist, kommt plötzlich in die Rolle der Lordsiegelbewahrerin bürgerlicher Werte.

Ihre Geradlinigkeit in Sachen Fiskalpakt verblüfft zwar auch Frankreichs neuen Ministerpräsident Jean-Marc Ayrault. Der frühere Deutschlehrer fordert trotzdem von Berlin ziemlich dreist das Quartett des schuldensozialistischen Programms auf deutsche Kosten:

Erstens die kollektivierte Einlagensicherung von Banken mitsamt Banklizenz für den Rettungsfonds ESM. Zweitens: Eurobonds, Eurobills und Projektanleihen unter deutscher Bürgschaft. Drittens die Sozialisierung der Altschulden (Schuldentilgungsfonds) und viertens ein milliardenschweres Konjunktur- und Wachstumsprogramm mit neuen, gerne von Deutschland garantierten Schulden.

Schluss mit der Wegelagerei
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31 Kommentare zu "Weimers Woche: Die „Folterfrau“ sagt, was Sache ist"

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  • Sorry, die Antwort hätte zum Artikel:"Die griechischen Einkommen sind zu hoch" der Wirtschaftsweisen Buch gesendet werden sollen.
    Mein Fehler!

  • … mahnte Buch zudem, dass die spanischen Banken jetzt rasch gerettet werden müssten. „Die Rekapitalisierung der spanischen Banken muss sehr schnell gehen
    Na, dann empfehle ich zur Lektüre mal den folgenden Artikel:
    ifo-Präsident Hans-Werner Sinn hat vor einer Bankenunion in Europa gewarnt und hält Deutschland und sein Bankensystem für außerstande, die marode Bankenlandschaft Südeuropas zu retten. Das übersteige die Finanzkraft des Landes und der Banken bei weitem. ……„ Zusammengenommen lagen die Bank- und Staatsschulden der Krisenländer brutto bei etwa 12,5 Billionen Euro.“
    http://www.wiwo.de/politik/europa/finanzkrise-sinn-deutschland-kann-europas-banken-nicht-retten/6786460.html
    Bei Frankreichs Banken lauern auch noch große Gefahren …….
    Es muss ja grundsätzlich immer ganz schnell gerettet werden. Binnen Tagen. Wir sollten bei der ganzen Retterei mal an die Absicherung denken, es handelt sich schließlich um deutsche Steuergelder. Fragen Sie in Finnland nach.
    Die (sozialdemokratische!) Finanzministerin Finnlands hat sich geweigert, weiter finnisches Geld im griechischen Fass ohne Boden zu riskieren. Um nicht am finnischen Widerstand das ganze Rettungspaket zu gefährden, überschrieb die griechische Regierung daraufhin dem finnischen Staat erstrangig besicherte Pfänder.

    Tatsache ist, dass wir in Deutschland mit der Retterei nicht mehr so weitermachen können wie bisher. Schauen Sie sich den aktuellen Haftungspegel der Euroländer an:

    http://www.cesifo-group.de/ifotools/print?_language=d&_link=http%3A%2F%2Fwww.cesifo-group.de%2Fportal%2Fpage%2Fportal%2FifoHome%2FB-politik%2F_Haftungspegel
    Deutschland muss jetzt endlich für sich was fordern und zwar eine Absicherung der Target2-Forderungen, der bereits bewilligten/ausgezahlten sowie der noch zu leistenden Rettungsgelder/Haftungssummen. Vorher gibt es keine weiteren Verhandlungen.

  • Das war eine Antwort für Liberal

  • der Schuldensozialismus muss ein Ende haben, und Deutschland kann nicht für alles zahlen.
    --------------------
    da hat ja Weimar Recht, das hat Merkel gesagt. Nur Merkel hat diese Rettung ja begonnen. Die erste Rettung zusammen mit Steinbrück war die HRE und von Europa-Rettung sprach auch Merkel als erste.
    Und ihr Konjunkturprogramm, die Abwrackprämie hat dazu geführt, dass noch sehr gute Autos auf den Müll kamen, bzw. in andre Länder transportiert wurden
    Also diese Dame ist nicht so unschuldig.
    Schröder und die Grünen haben den Zockern Tür und Tor geöffnet, Griechenland in den Euro geholt wider besseren Wissens.
    Den Lissabon-Vertrag gezimmert, der höchst undemokratisch ist, explicit Angriffskriege erlaubt
    unser Studium abgeschafft zu Gunsten des dümmlichen Bachelor, gegen den heute mehr und mehr Profs Sturm laufen. Bachelor-Absolventen finden enorm schwer eine Stelle, weil sie eben nur Halbbgebildete sind.
    Den Privatisierungswahn eingeleitet mit allen Nachteilen für die Bürger, Deutschland verraten udn verkauft
    Diese ganzen Verwerfungen müssen auf den Tisch und endlich beendet werden
    Die EU bzw. Brüssel neu ordnen ist vorrangig.
    Kohl war ein Provinzler und EU-hörig. In seiner Zeit hat sich Brüssel so aufgebläht und wurde mehr und mehr diktatorisch
    Europa braucht einen Neuanfang

  • gute Idee, aber ich glaube dann haben wir wieder ein drei Fronten Krieg zu befürchten.

    Es geht der City of London und der Fed um die hegemoniale Herrschaft über die Weltleitwährung. Der Euro war zu erfolgreich und musst zerstört werden, das ist der Masterplan.

    Haben sie sich noch nie gefragt warum ausgerechnet von amerikanisch Banken finanzierte Ratingagenturen fein dosiert alles abstufen wenn nur die geringste Erholung in Sichtweite ist. Warum sind es Drecksäcke wie Sorros usw. die Ratschläge geben und die Meinung verbreiten, die Deutschen sind die "Bösen" und an allen Schuld.

    Das haben sie schon 2x mal geschafft, mit dem Ergebniss das wir zum Zahlmeister der Welt degradiert wurden.

    So wird es wieder kommen verfolgen sie engl/amerikanische Presse, es ist ungeheuerlich...

  • Okay er hätte den Vergleich besser mit Harris, Churchill, Keynes und Morgenthau, Georges Clemenceauund David Lloyd George machen sollen.
    Jeder einzelne dieser Herren hätte es verdient im gleichen Atemzug genannt zu werden.

  • Ich schließe mich an

  • okay wenn sie angeblich so ein Menschenfreund sind, dann finanzieren Sie mir morgen ein neues Auto, ich gebe ihnen auch die Zusicherung, dass sie eventuell mal damit fahren dürfen und ich bezahle es bestimmt wieder zurück.
    Aber da ich kein Geld mehr habe bräuchte ich auch Deckungszusage von Ihnen, dass sie auch meine Versicherung und das Benzin übernehmen.

    Wenn nicht sind sie einfach ungerecht....

  • Ich denke die rot-grünen und die schwarz-gelben Politiker geben sich nichts, beide haben sie ungerührt Schulden über Schulden aufgehäuft in guten und in schlechten Zeiten.

    Allerdings muss man sich schon im klaren sein, dass die von Herrn Weimer sogenannte "bürgerliche Stabilitätspolitik" unweigerlich zum Zusammenbruch des Euro und zur schlimmsten Wirtschaftskrise aller Zeiten führen wird.

    Wem es das wert ist, der möge Frau Merkel weiterhin loben und ihr alles Gute wünschen.

  • Die meisten Schulden wurden in der Vergangenheit immer noch von Konservativen in der Regierung gemacht. Wo war denn Weimers Aufschrei, als Frau Merkel 2009 ein saftiges schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm zur Rettung der Banken auftischte? Nö, da war das natürlich ok, war ja für die Banken.
    Und jetzt sollen die Sozen Schuld sein? Dass ich nicht lache. Er soll mal Deutschlands Schuldenstand vor und nach Helmut Kohl (CDU) vergleichen.

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