Weimers Woche

Die Schuldenstaubsauger vom Main

Die Europäische Zentralbank will Staatsanleihen kaufen und so Eurobonds durch die Frankfurter Hintertür einführen. Deutschland wehrt sich nur noch halb. Dahinter steckt ein linkes Kalkül und eine ganze Reihe Motive.
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Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer

Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politikmagazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Mario Draghi hat den großen Befreiungsschlag angekündigt und ein Patschehändchen geliefert. Der EZB-Präsident wollte die Notenbank nach amerikanischem Vorbild in einen gigantischen Schuldenstaubsauger verwandeln. Doch Deutschland zieht ihm den Stecker und verhindert den massenhaften Aufkauf von Staatsanleihen – vorerst. Denn der Widerstand bröckelt. Die Bereitschaft wächst, aus der Zentralbank eine Gelddruckmaschine für Schuldenstaaten zu machen. In Südeuropa sowieso, da sieht man im Schuldenstaubsauger vom Main die bequemste Lösung für die Krise. Anstatt zu sparen, seriös zu wirtschaften, sich endlich zur Wettbewerbsfähigkeit zu quälen, könnte man einfach auf die anrollenden Geldlaster aus Frankfurt warten.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi will Staatsanleihen kaufen, doch Deutschland wehrt sich. Quelle: dapd

Der Präsident der Europäischen Zentralbank Mario Draghi will Staatsanleihen kaufen, doch Deutschland wehrt sich.

(Foto: dapd)

Aber auch bei uns finden Linke, Sozialdemokraten und Grüne zusehends Gefallen an der Idee – die Eurobonds kämen dann nämlich durch die Hintertür in deutsche Haus. Es gehört zu den Unbegreiflichkeiten dieser Krise, dass Rot-rot-grün sich gegen nationale Interessen und gegen die Geldwertstabilität positioniert. Die jüngsten Umfragen zeigen bereits, dass diese Strategie SPD und Grünen eher schlecht bekommt. Und trotzdem fallen sie der Kanzlerin und der Bundesbank in deren Widerstand gegen den EZB-Putsch in den Rücken. Dafür gibt es vier Motive:

Erstens - das naive Motiv: Es gibt es unter Linken ein sympathisches Solidaritätsgefühl, das man die armen Südeuropäer nicht fallen lassen dürfe. Daher lässt man sich immer wieder voreilig auf Hilfspakete ein, auch wenn die in Wahrheit Raubzüge an deutschen Sparern darstellen.

Zweitens - das Verschleierungsmotiv: Rot-grün will vergessen machen, dass es just ihre Entscheidung war, ein völlig unreifes Griechenland in die Euro-Zone zu lotsen, obwohl man wußte, dass die Bedingungen dazu hinten und vorne nicht stimmten. Es war ein Akt der Gutmenschenpolitik, die sich heute so bitter rächt.

Wahltaktische und ideologische Motive
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13 Kommentare zu "Weimers Woche: Die Schuldenstaubsauger vom Main"

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  • Zustimmung, nur dass das linke Lager alleine den Weg in den Schuldensozialismus will ist ein fataler Irrtum. Unsere Sozi Mutter Merkel will es höchstpersönlich. Schliesslich hat sie es nicht anders gelernt. Und so ist sie immer erst dagegen und dann marschiert sie Seit an Seit mit den Sozis und die alten Lieder klingen. Brrrr.

  • Selbstverständlich wird von der Griechischen Notenbank seit
    Wochen still u. leise Geld gedruckt(ELA Programm), sonst
    wären bei den Eigenkapitalausstattungen der griech. Banken alle
    Geldautomaten schon längst leer. Wenn unsere Nullnummern
    dem Fussvolk nicht mal erklären können, was das ELA Programm
    für ein Schaden in Europa anrichtet; wer traut sich?
    Wir, das Volk werden nur vera. . . !
    MfG
    Walter Schmid

  • Die Frage aller Fragen ist doch,warum investieren Banken nicht mehr in Staatsanleihen dieser Länder und bauen diese unter Verlust sogar weiter ab,obwohl der Zins und Zinseszins gerade sehr gut ist? Rechnen sie insgeheim mit einem weiteren Schuldenschnitt a´la Griechenland,nun auch für Spanien und Italien ?
    Warum akzetieren sie lieber niedrige Zinsen für Deutschland und die USA,die nicht einmal die eigenen Kosten decken,siehe Negativzins in Deutschland?
    Warum funktioniert der Interbankenmarkt nicht mehr?
    Warum bekam z.B. eine SocGen letztes Jahr kaum noch frisches Geld am Interbankenmarkt,obwohl die Bank als solide gilt?
    Warum leihen sich die Banken erst Milliarden von der EZB,um diese dann als Übernachteinlage doch wieder unter Zinsverlust bei selbiger anzulegen?
    Fragen über Fragen,solange die Banken sie selber nicht glaubwürdig beantworten können,bleibt uns die Bankenkrise mit Gewinnwarnungen,wie kürzlich bei der DBK erhalten.

  • @Unwissend
    Zugegeben eine unglückliche Formulierung von mir mit dem "aufkaufen". Die Banken reichen bei der EZB die Staatsanleihen als Sicherheiten ein und besorgen sich dafür bei der EZB "neues Geld". Nun geschieht das nicht in Form von "Gelddrucken", sondern durch Umbuchung. D.h. da geht keiner in den Keller und holt Banknoten. Sie schöpfen es aus dem Nichts. Geld drucken tun weder die EZB noch die Geschäftsbanken; der Begriff ist einfach schon schief. Im Übrigen "kauft" die EZB die Anleihen auf dem Sekundärmarkt,was heißt, dass die Staatsfinanzierung durch die EZB stattfindet, nur darf die über Gewinnmargen der Banken stattfinden. Dieser Unsinn, der erklärt auch, warum die EZB die Staaten nicht gleich direkt finanzieren darf. Die armen Banken sollen anständig verdienen an den Schulden der Staaten. Und man kann damit die Staaten unter neoliberale Kuratel stellen. Diesen finanztechnischen Schwachsinn leistet sich nur die europäische Währungsunion. Darüber lacht sich der Rest der Welt schief.

  • Sehr geehrter Popper,
    bitte erklären Sie mir , warum die EZB Geld bekommt und nicht welches druckt , wenn Sie Staatsanleihen aufkauft.Woher nimmt sie das Geld um die Anleihen zu kaufen.
    Da Sie im übrigen offenbar sehr aktiv im Leserbrief Schreiben un diskutieren sind , habe ich den Verdacht, daß Sie für eine politische Partei im Bereich Meinungsmache tätig sind. Ich freue mich auf Ihre Antwort.

  • An Adenauer
    Die Zentralbankgeldschöpfung beträgt gerade mal 3%. Die anderen 97% Geldschöpfung stammt von den Banken. In Spanien wurde mit den Immobilien eben keine Sachwerte, sondern Spekulationsobjekte geschaffen. Also nichts anderes als Finanzkredite und eben keine Investiionskredite zur Schaffung von neuen Gütern/ Leistungen oder Produktivitätsgewinnen). Im Übrigen wurden auch dort von den Banken durch Kredite Finanzblasen erzeugt und keine Inflation. Wenn Sie sich das anschauen, war dort die Bankgeldschöpfung besonders hoch 25% in Deutschland haben wir 0 - 3%. Dort liegt das Problem. Gott sei Dank haben wir im Gegensatz dazu ein völlig anderes Bankensystem (Sparkassen, Volksbanken). Diese vergeben Kredite an den Mittelstand und nicht für das Fnanzkasino. Denken Sie mal darüber nach, bevor Sie hämische Kommentare abgeben.

  • Zum Verschleierungsmotiv: Ich konnte noch nie verstehen, dass die Regierungsparteien die rotgrünen Täter im Fall Griechenland, nicht schärfer angriffen.
    Sehr gute Analyse von Herrn Weimer.

  • @popper
    Ich finde den Beitrag von Herrn Weimer treffend.
    Schade, daß er nicht in jeder Tageszeitung steht.
    Der deutsche Bürger wir nicht richtig informiert.

    Auch wenn die Opposition es nicht gerne hört. Aber die Regierung kämpft für deutsche Interessen.

    Die Opposition stimmt im Bundestag überall zu und fällt der Kanzlerin gleichzeitig in den Rücken.
    Auch der Dümmste Wähler durchschaut diese verlogene Doppelstrategie und wird sie nicht honorieren.

  • An popper.

    In Spanien wurden viele "Werte" d.h. Immobilien geschaffen,ist das ihre Loesung?
    Wer das Wort Neoliberal verwendet hat doch keine Ahnung von Finanzen,ist eben ein roter.

  • Mensch Weimer, Sie verstehen noch nicht einmal die einfachsten Mechanismen der Finanzwirtschaft. Wenn die EZB Staatsanleihen aufkauft druckt sie überhaupt kein Geld, sondern bekommt welches. Wenn Banken Kredite an die Realwirtschaft weiterreichen, ergibt sich daraus nicht automatisch eine Erhöhung der Geldmenge. Im Übrigen Herr Weimer 3% des Geldes kommt von der Zentralbank und 97% von den Banken. Wie Sie da zu der Feststellung kommen, die EZB würde mit dem Kauf von Anleihen Inflation generieren, müssten Sie dann schon etwas näher erklären. Der eigentliche Prozeß der Geldschöpfung findet primär in den Banken statt. Das heißt aber nicht, dass Geldschöpfung grundsätzlich inflationär ist, da dies von der Verwendung des "Geldes" abhängt. Insofern schreiben Sie mit ihrem reisserischen Artikel schlichten Unsinn, wenn Sie diese Zusammenhänge nicht berücksichtigen und einfach ins Blaue hinein behaupten, das die Ausstattung der Staaten mit Geld (was ja bis dato nicht passiert und auch nicht beabsichtigt ist) führe zu Inflation. Denn, wenn die Staaten dieses Geld für Investitionen verwenden führt das zu Produktivitätsgewinnen. Werden allerdings die Banken mit LITRO gefüttert führt dies zur Vermögenswerteinflation,
    Finanzblasen und Bankenkrisen. Anstatt gegen die sinnvolle Finanzierung von Staaten zu wettern, sollten Sie die Bankenfütterungen der letzten Jahre geißeln. Das würde aber ihre falsche, neoliberale Sicht der Dinge verschieben und müsste Sie zu einem Denken zwingen, das nachhaltig ist.

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