Weimers Woche: Die SPD hat keine Alternative

Weimers Woche
Die SPD hat keine Alternative

Peer Steinbrücks Start als Kanzlerkandidat gerät zur Pannenserie. Vor dem SPD-Parteitag kursieren schon wilde Gerüchte um seine Abberufung. Doch ein Kandidatenwechsel würde das Desaster erst perfekt machen.
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BerlinSo einen Fehlstart hat ein Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik selten hingelegt. Peer Steinbrück, im Sommer noch strahlender Hoffnungsträger der deutschen Politik, ist binnen weniger Wochen zum Problembär der SPD mutiert. Er tapst von einem Missgeschick zum nächsten. In dieser Woche war es der peinliche Rücktritt seines gerade erst berufenen Online-Beraters. Mit dem schillernden Unternehmer Roman Maria Koidl hatte Steinbrück einen Mann ins Willy-Brandt-Haus geholt, der dort so hinpasste wie ein Hip-Hopper ins Altersheim von Wanne-Eickel.

Koidl ist ein cooler Österreicher, der in der steuerfreundlichen Schweiz wohnt, schon mal ein Kaffeehausimperium aufgebaut und versilbert hat, der dann eine Konfisseriekette kaufte, sanierte, ruinierte und wieder zurückkaufte. Er ist ein Freund von Hedgefonds und Heuschrecken und Autor des Buches „Scheißkerle – Warum es immer die Falschen sind“. Just dieser Titel gibt nun dir Frage vor, die sich in der SPD viele stellen, wenn es um das Personalgeschick der Partei geht.
Dabei ist die Affäre Koidl nur grotesker Höhepunkt einer Pannenserie, die unter Sozialdemokraten inzwischen Fassungslosigkeit auslöst. In Parteikreisen wird nun sogar diskutiert, ob man den Kandidaten nicht wieder los werden könnte. Eigentlich ist für den 9. Dezember die Krönungsmesse anberaumt, doch im Moment werden hinter den Kulissen Enthauptungsszenarien durchgespielt.

In der SPD wirft man Steinbrück vor, dass die peinliche Serie von Enthüllungen einfach nicht aufhört und man nur defensiv damit beschäftigt sei, Skandälchen niederzukämpfen anstatt endlich den politischen Gegner anzugreifen. Es begann mit der Sponsorenwerbung für ein privates Schachturnier auf dem Briefbogen des Bundesfinanzministers, dann tauchten ungewöhnlich gut dotierte Nebentätigkeiten auf, schließlich offenbarte der Kandidat Sondereinnahmen von insgesamt 1,25 Millionen Euro von teils peinlichen Auftraggebern und stritt sich mit den Bochumer Stadtwerken um ein Honorar von 25.000 Euro, das er nach allerlei Gezänk doch für den guten Zweck spendete. Am Ende kam auch noch heraus, dass er zu den lukrativen Vorträgen auf Staatskosten mit einer Sonderbahnkarte angereist war.
Während die Medien sich an diesen Affären satt weiden, verliert Steinbrück für seine Kandidatur etwas viel wichtigeres: die strategische Perspektive. Denn in den Wochen der Selbstverteidigung haben sich die tektonischen Platten der Parteienrepublik verschoben. Sah es im Sommer noch so aus, als habe Angela Merkel nur noch eine Überlebenschance (in der Großen Koalition), so hat das Steinbrückdesaster ihr neue Trümpfe in die Hand gespielt. Inzwischen räsoniert die Republik offen über eine schwarz-grüne Zukunft.

Steinbrück konnte persönlich mit den Grünen noch nie besonders gut, nun droht er sie aber auch machtpolitisch zu verlieren. Umgekehrt ist es ihm nicht gelungen, die FDP (was im Sommer auch noch eine Option schien) näher an sich zu binden und eine Ampelregierung anzuvisieren. Damit haben sich die strategischen Vorzeichen umgekehrt, jetzt scheint die Steinbrück-SPD nur noch eine Überlebenschance zu haben – eben die Große Koalition.

Neben dem Ansehensverlust des Kandidaten ist also die strategische Positionsverschlechterung gravierend. Man wusste, dass es für den aufbrausenden, Beinfreiheit brauchenden Steinbrück gegen die ausgleichende Kanzlerin schwer würde, bei Frauen und Alten zu punkten. Dass er aber die Grünen zur Mitte hin und die jungen Wähler zu den Piraten verlieren könnte, dass schmerzt die SPD an ungewohnter Stelle.

Trotzdem wird das Geraune über die Aktion „Kandidatenwechsel” bald verstummen. Denn weder Hannelore Kraft noch Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel wollte sich nun die Steinbrücktrümmer aufschultern und losmarschieren. Eine spektakulär gescheiterte Kandidatur würde jeden anderen Kandidaten ebenfalls schwer belasten. Die SPD wird Steinbrück also zähneknirschend folgen auf dem Weg von einem Fettnapf in den nächsten.

 

Kommentare zu " Weimers Woche: Die SPD hat keine Alternative "

Alle Kommentare
  • Die SPD muß endlich wieder zu ihren Wurzeln zurückfinden und sich mal wieder an Bebel und Lasalle erinnern, sonst geht die älteste Partei Deutschlands unter

  • APO-Mann
    Hannelore Kraft wird völlig zu Unrecht so hochgepuscht.
    Die hat hier noch nicht einen einzigen Tag zum Wohle der Bürger regiert. Regieren tun die Grünen und Krft macht jeden Scheiß von denen mit.
    Die Hype um Kraft wird so langsam unerträglich.
    Hier zeigt sich auch mal wieder, dass schon lagne kein wirklicher inverstigativer Journalismus mehr gemacht wird, der mal hiterfragt. Sondern eine Zeitung schreibt es von der anderen ab.
    Kraft ist nur das kleine Mädchen aus dem Ruhrpott, was sie ja immer so gerne spielt, aber sie ist es auch tatsächlich
    Zum Regieren gehört ein bißchen mehr als immer nur grinsen und jede Politik im Budnesrat blockieren, wie sie es ja jetzt tut

  • Rath
    ich glabue auch, dass das genau den Punkt trifft.
    Die Grüne und Merkel sind sich im sozialistischen Geiste ja viel näher, als es die Merkl mit der SPD ist.
    Und diese Göring-Eckardt immer als Realo zu bezeichnen,ist ohnehin der Witz schlechthin.
    Die sit eine stramme Sozialistin, steht extrem für Agenda 20 10, also untern verarmen und sich selbst die Taschen vollstopfen, DDR eben.

  • SyaTheTruht
    Das müssen Sie verstehen, Focus ist absolut politisch korrekt
    Vor vielen Jahren mal angetreten mit FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN, ist Focus in den letzten 10 Jahren auf abslut politisch korrekte und vor allem auch MultiKulti-Schiene gegangen.
    Den Focus heute kann man in die Tonne kloppen

  • Ihren Vorschlag finde ihn gut. Er erinnert mich aber an Paul Kirchof.

    Sobald die anderen realisieren, dass sie mit ihrer Unfähigkeit bloß gestellt werden, ist es vorbei. Da geht der Eigennutz wieder über das Parteidenken.

    Ich finde auch, dass Frau Kraft für die SPD-Basis etwas ausrichten könnte. Sie hat all das, was Merkel fehlt.

  • Und wenn Sie das alles nicht glauben:

    Dann müssen Sie täglich ARD & ZDF schauen und sich erziehen lassen--denn nichts anderes ist das willige Staatsbürger zu formen.

  • Die SPD ist praktisch schon eine Partei die eigentlich seit 20 Jahren nicht mehr existiert--nur noch die Gehaltskonten der Partiagenossen, ein Verein der in sich selbst ruht um sich gegenseitig zu versorgen (Schenkel-Klopfer-Verein) eben leistungslos (eine kleine EU eben --ein Versogungswerk auf kosten der Allgemeinheit) --aber darüber muß man eben die Fresse halten.

    Denn als SPD-Funktionär oder Gewerkschsftsfuhrwerker kann man den , den man angeblich vertritt nicht erzhählen.

    [...].

    Und die Königin leitet Ihr Imperium von der anderen Partei aus .

    Das ist Deutschland und seine Zukunft.Welche Zukunft ???
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • warten wir auf den Anstoß--woher er kommen wird ? Vielleicht aus den USA ? EURO und Dollar ist das Selbe System vom Geldman Sachs-Umfeld vor 60 Jahren kreiert um den Dollar-raum liquide zu halten--aber diese Zeit geht nun zu Ende --sie könnte apprupt enden, sollte ein Ereignis in der EU oder den USA eintreten und deshalb tut man alles um solche Ereignisse mit Milliraden Subventionen abzuwenden.

    Doch abwenden wird man Sie nicht können das zeigen die Kapitalerträge auf Guthaben. Die Staaten ertrinken förlich in Ihren Schulden + Rettungsschirmen--bis das große reinemachen beginnt und davon betroffen sind auch die europäischen Eliten. Auch die Meinungsmacher/ Propagander-Verbreiter bei Handelsblatt & WIWO.

    Das System ist schon gestorben-Die Führer der EU / USA zeigen nur noch einen sich bewegenden Leichnahm.

  • Wenn das Zinssystem zusammenbricht, heißt die Geldpumpe von unten nach Oben zu den Geldguthaben nicht mehr funktioniert, dann werden erst mal alle intelligenteren Partia-Genossen aller Parteien auch der Herr Gysie --einfach sich in Sicherheit gebracht haben, irgendwohin weit weg --Grss wachsen lassen und hoffen das die Bevölkerung vergessen wird.
    Was wird der der Apotheker; Manager; Arzt ,der eine Jagt hat, machen wenn alle diese Leistungslosen auf das Zinssystem Ihre Altersversorgung auf ein Wertversprechen in die Zukunft in Papierform um Ihre Altersversorgung enteignet werden von heute auf morgen ? wie in der CCCR, meinen Sie die werden still sitzen oder Gröhlen wir sind das Volk ?
    Sie werden sagen--wenn ich keine Zukunft habe , dann werde ich soviele von denen mitnehmen , die mir eine Zukunft vorgegaukelt haben, in Parteien ; Behörden überall sind diese Parasiten zu finden. Quasie Parteilos mit Parteibuch.

    Es wird eine Hatz auf Parteibuchbesitzer beginnen und die öffentliche Verbrennung von Parteibüchern aller Parteien wird beginnen-jeder will dann dabei gewesen sein und sich reinwaschen.
    Jeder will der erste sein.
    Man wir eine Frau Merkel-- sich winden sehen wie Sie Ihr Parteibuch ins feuer wirft und nichts damit zu tun gehabt zu haben, ein Gabriel wird dabei sein; Staatssekretäre werdenm sich anbiedern in Beteuerungs-Litaneien.

    Laßt mich bur am leben--obwohl ich das Geld von Dir Deinem Opa und Deinem Uropa mit der EU-Idee veruntreut habe.

    Es wird dann nur noch unter einer Einheitspartei unterschieden werden

    CDU/SPD/CSU/FDP/GRÜN/LINKE = Merkel = Kohl = Weigel

    Der gemeine Bürger wird nicht mehr unterscheiden

  • Die SPD braucht keine Alternative. Hartz4 und Agenda 2010 werden als die zukunftsichernden Massnahmen in die Geschichte eingen. Massnahmen, die notwendig waren und zu denen sich die anderen Parteien nicht durchringen konnten. Und solche Schritte nach vorn werden jetzt wieder gebraucht. In der Europapolitik, in der Energiepolitik, in der Sozialpolitik und auf dem Bankensektor. Nur plant Steinbrück noch zu klein-klein.

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