Weimers Woche

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Weimers Woche: Die SPD hat keine Alternative

Peer Steinbrücks Start als Kanzlerkandidat gerät zur Pannenserie. Vor dem SPD-Parteitag kursieren schon wilde Gerüchte um seine Abberufung. Doch ein Kandidatenwechsel würde das Desaster erst perfekt machen.

Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

BerlinSo einen Fehlstart hat ein Kanzlerkandidat in der Geschichte der Bundesrepublik selten hingelegt. Peer Steinbrück, im Sommer noch strahlender Hoffnungsträger der deutschen Politik, ist binnen weniger Wochen zum Problembär der SPD mutiert. Er tapst von einem Missgeschick zum nächsten. In dieser Woche war es der peinliche Rücktritt seines gerade erst berufenen Online-Beraters. Mit dem schillernden Unternehmer Roman Maria Koidl hatte Steinbrück einen Mann ins Willy-Brandt-Haus geholt, der dort so hinpasste wie ein Hip-Hopper ins Altersheim von Wanne-Eickel.

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Koidl ist ein cooler Österreicher, der in der steuerfreundlichen Schweiz wohnt, schon mal ein Kaffeehausimperium aufgebaut und versilbert hat, der dann eine Konfisseriekette kaufte, sanierte, ruinierte und wieder zurückkaufte. Er ist ein Freund von Hedgefonds und Heuschrecken und Autor des Buches „Scheißkerle – Warum es immer die Falschen sind“. Just dieser Titel gibt nun dir Frage vor, die sich in der SPD viele stellen, wenn es um das Personalgeschick der Partei geht.
Dabei ist die Affäre Koidl nur grotesker Höhepunkt einer Pannenserie, die unter Sozialdemokraten inzwischen Fassungslosigkeit auslöst. In Parteikreisen wird nun sogar diskutiert, ob man den Kandidaten nicht wieder los werden könnte. Eigentlich ist für den 9. Dezember die Krönungsmesse anberaumt, doch im Moment werden hinter den Kulissen Enthauptungsszenarien durchgespielt.

Kanzlerkandidatur Steinbrück poltert zurück

Trotz des suboptimalen Starts: Steinbrück hat keine Zweifel an seiner Kanzlerkandidatur.

In der SPD wirft man Steinbrück vor, dass die peinliche Serie von Enthüllungen einfach nicht aufhört und man nur defensiv damit beschäftigt sei, Skandälchen niederzukämpfen anstatt endlich den politischen Gegner anzugreifen. Es begann mit der Sponsorenwerbung für ein privates Schachturnier auf dem Briefbogen des Bundesfinanzministers, dann tauchten ungewöhnlich gut dotierte Nebentätigkeiten auf, schließlich offenbarte der Kandidat Sondereinnahmen von insgesamt 1,25 Millionen Euro von teils peinlichen Auftraggebern und stritt sich mit den Bochumer Stadtwerken um ein Honorar von 25.000 Euro, das er nach allerlei Gezänk doch für den guten Zweck spendete. Am Ende kam auch noch heraus, dass er zu den lukrativen Vorträgen auf Staatskosten mit einer Sonderbahnkarte angereist war.
Während die Medien sich an diesen Affären satt weiden, verliert Steinbrück für seine Kandidatur etwas viel wichtigeres: die strategische Perspektive. Denn in den Wochen der Selbstverteidigung haben sich die tektonischen Platten der Parteienrepublik verschoben. Sah es im Sommer noch so aus, als habe Angela Merkel nur noch eine Überlebenschance (in der Großen Koalition), so hat das Steinbrückdesaster ihr neue Trümpfe in die Hand gespielt. Inzwischen räsoniert die Republik offen über eine schwarz-grüne Zukunft.

Peer Steinbrück

Steinbrück konnte persönlich mit den Grünen noch nie besonders gut, nun droht er sie aber auch machtpolitisch zu verlieren. Umgekehrt ist es ihm nicht gelungen, die FDP (was im Sommer auch noch eine Option schien) näher an sich zu binden und eine Ampelregierung anzuvisieren. Damit haben sich die strategischen Vorzeichen umgekehrt, jetzt scheint die Steinbrück-SPD nur noch eine Überlebenschance zu haben – eben die Große Koalition.

Neben dem Ansehensverlust des Kandidaten ist also die strategische Positionsverschlechterung gravierend. Man wusste, dass es für den aufbrausenden, Beinfreiheit brauchenden Steinbrück gegen die ausgleichende Kanzlerin schwer würde, bei Frauen und Alten zu punkten. Dass er aber die Grünen zur Mitte hin und die jungen Wähler zu den Piraten verlieren könnte, dass schmerzt die SPD an ungewohnter Stelle.

Trotzdem wird das Geraune über die Aktion „Kandidatenwechsel” bald verstummen. Denn weder Hannelore Kraft noch Frank-Walter Steinmeier oder Sigmar Gabriel wollte sich nun die Steinbrücktrümmer aufschultern und losmarschieren. Eine spektakulär gescheiterte Kandidatur würde jeden anderen Kandidaten ebenfalls schwer belasten. Die SPD wird Steinbrück also zähneknirschend folgen auf dem Weg von einem Fettnapf in den nächsten.

 

  • 24.11.2012, 14:41 Uhrmargrit117888

    Die SPD muß endlich wieder zu ihren Wurzeln zurückfinden und sich mal wieder an Bebel und Lasalle erinnern, sonst geht die älteste Partei Deutschlands unter

  • 24.11.2012, 14:36 Uhrmargrit117888

    APO-Mann
    Hannelore Kraft wird völlig zu Unrecht so hochgepuscht.
    Die hat hier noch nicht einen einzigen Tag zum Wohle der Bürger regiert. Regieren tun die Grünen und Krft macht jeden Scheiß von denen mit.
    Die Hype um Kraft wird so langsam unerträglich.
    Hier zeigt sich auch mal wieder, dass schon lagne kein wirklicher inverstigativer Journalismus mehr gemacht wird, der mal hiterfragt. Sondern eine Zeitung schreibt es von der anderen ab.
    Kraft ist nur das kleine Mädchen aus dem Ruhrpott, was sie ja immer so gerne spielt, aber sie ist es auch tatsächlich
    Zum Regieren gehört ein bißchen mehr als immer nur grinsen und jede Politik im Budnesrat blockieren, wie sie es ja jetzt tut

  • 24.11.2012, 14:31 Uhrmargrit117888

    Rath
    ich glabue auch, dass das genau den Punkt trifft.
    Die Grüne und Merkel sind sich im sozialistischen Geiste ja viel näher, als es die Merkl mit der SPD ist.
    Und diese Göring-Eckardt immer als Realo zu bezeichnen,ist ohnehin der Witz schlechthin.
    Die sit eine stramme Sozialistin, steht extrem für Agenda 20 10, also untern verarmen und sich selbst die Taschen vollstopfen, DDR eben.

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