Weimers Woche
Gelbe Karte für Ukraine

Joachim Gaucks Ukraine-Boykott: Der richtige Eklat zu richtigen Zeit. Jetzt sollten alle Politiker den Druck erhöhen, um die Menschenrechte einzufordern. Die Europameisterschaft könnte so zum Fest der Freiheit werden.
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Es ist der erste politische Paukenschlag von Joachim Gauck. Der neue Bundespräsident zeigt der Ukraine mit seiner Absage zum Präsidententreffen auf der Krim die kalte Schulter und blamiert sie vor der ganzen Welt als das, was sie ist: ein autoritäres Regime, das Recht und Freiheit mit Füßen tritt. Das ist erfrischend undiplomatisch. Und wenn vor kurzem noch einige gelästert haben, was dieser Gauck denn immer mit seiner Freiheit habe, jetzt wissen sie es. Er zeigt den angepassten, opportunistischen Leisetretern, was ein freiheitsliebender Demokrat zu tun hat – nämlich offen eintreten für die Menschenrechte.

Die Ukraine ist ein europäischer Riesenstaat und ein zugleich ein demokratischer Zwerg. Ihre Polizei benimmt sich zuweilen wie eine Schlägertruppe, die Gefängnisse sind Kerker, Oppositionelle werden drangsaliert, Gerichte sind nicht frei, Menschen haben Angst. In wenigen Wochen findet dort die Fußball-Europameisterschaft, und alle Welt wollte sportlich hin und politisch wegschauen. Wäre da nicht der unbequeme Herr Gauck, der das umfassende Hinschauen von allen nun erzwungen hat. Der Eklat ist da, und die EM wird nun zum gewaltigen Politikum.

Die Uefa und ihr eleganter Präsident haben bislang gelächelt und kassiert und geschwiegen, wenn es um die skandalösen Zustände in der Ukraine ging. Nun sollte auch Michel Platini seine Macht einsetzen, dass die schwerkranke und misshandelte Julia Timoschenko endlich aus der Haft entlassen wird. Sieben Jahre Haft, Martyrium inklusive, hat die Rachejustiz ausgesprochen, nur weil sie es wagte, dem selbstherrlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch politische Opposition zu bieten.

Julia Timoschenko ist die Heldin der orangefarbenen Revolution, mit der sich so viel Hoffnung auf eine demokratische, europäische Zukunft in Freiheit verbunden hatte. Mit ihr foltert das Regime nun das Freiheitsgefühl aller Europäer. Das muss aufhören. Und damit es aufhört, sollten möglichst viele dem Beispiel Gaucks folgen. Er weiß aus eigener DDR-Erfahrung wie empfindlich autoritäre Regime reagieren, wenn sie auf ihren Massenspektakel-Bühnen der Selbstdarstellungen blamiert werden.

Die Chance ist einmalig. Europa hat ein Druckmittel in der Hand, Kiew endlich zur Einhaltung der Menschenrechte zu zwingen und die Opposition nicht länger zu unterdrücken. Denn Julia Timoschenko steht nur stellvertretend für viele, die im Schatten der glänzenden Fußballarenen zum Schweigen gebracht worden sind.

Kommentare zu " Weimers Woche: Gelbe Karte für Ukraine"

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  • Was sagt man dazu Gauck und Merkel zusammen haben sie Kritik an die Ukraine , wegen Timoschenko . Ach Gauck wie wäre es wenn du doch mal über die Millarden € Reden würdest , die uns Griechenland gekostet hat . Und was war mit deinen Vorgänger Hr Wulff ? hatt uns ja auch Millionen gekostet . Und von den 100 Millionen € im Jahr alls Ehren Soll , ich sage nur dazu Deutschland dein Skandal Land ( hier dürfen Politiker Gelder von den Normal Bürgern unterschlagen . Und brauchen keine Angst vor Strafen zu haben Gegenteil sie werden noch dafür Belohnt

  • Ach Gauck, gibt er jetzt wieder den Gaukler ?

    Es wird wohl nicht mehr lange dauern da wird Gauck nach USA reisen und dort seinen Antrittsbesuch machen.
    Dann kann er da ja mal den Demokraten machen.

    Mal sehen ob er den Amerikanischen Präsidenten auf die Menschenrechtsverstöße in Guantanamo hin weist.
    Denke eher nicht, könnte nicht gut an kommen.



  • Hat Gauck und Merkel auch einen Boykott gegen die USA unternommen, wegen den Inhaftierten in Guantanamo?NEIN, das ist ja alles rechtsmäßig. Timoschenko ist eine Kriminelle die wegen Veruntreuung und betrug zum persönlichen Vorteil verurteilt wurde.Im Volk ist sie unbeliebt,obwohl die hiesigen Medien was anderes den Volk weiß machen . Milliarden.Diese Frage sollten sich die Befürworter mal stellen. Zu den Kommentar von @ Bietchekoopen, gibt es nichts
    hinzuzufügen. Aber die hiesigen Politiker mischen sich wieder
    in die inneren Angelegenheiten eines Landes ein.Selbst verbietet man sich das.Aber wieder einmal kann Gauck sich ins
    Rampenlicht stellen.Auch ohne der Reise von Gauck in die Ukraine wird die Welt nicht untergehen, wen interessiert das.
    ES ist nicht mehr verwunderlich der deutschen Politiker, dass sie sich vor Kriminellen stellen.

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