Weimers Woche
Gipfeltreffen der Sünder

Die Chefs der Notenbanken treffen sich in Jackson Hole. Was früher ein Treffen solider Stabilitätsexperten war, ist heute ein Gipfeltreffen der Geldbeschaffer: Sie sollen den Schuldenrausch der Politik finanzieren.
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Jackson Hole ist ein entlegenes Tal in den hohen Bergen Wyomings. Bisons, Elche, Wapiti-Hirsche und auch Grizzlybären fühlen sich da noch wohl wie in guten alten Zeiten. Notenbanker ebenfalls. Alljährlich treffen sie sich am Fuße der Rocky Mountains, um über die globale Geldpolitik zu beraten. Doch wie in guten alten Zeiten ist bei ihnen gar nichts mehr.

Denn seit dem Ausbruch der Schuldenkrise stolpern die Zentralbanken von einer Krisenpanikrettungsaktion zur nächsten. Weil die Politik der westlichen Staaten nicht in der Lage ist, endlich solide Staatsfinanzen zu organisieren, geraten die Notenbanken in die Rolle der Geldfeuerwehr. Die Regierungen zwingen sie zusehends dazu, die Geldspritzen einfach laufen zu lassen - und immer größere Schläuche herbeizuschaffen. Mit jedem Monat gehen die Geldhüter dabei höhere Risiken ein und geben ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit nach dem anderen auf.

Jackson Hole wirkt darum diesmal wie das Gipfeltreffen der Sünder. Vor zwei Jahren hatte just dort der US-Zentralbankpräsident, Ben Bernanke, einen berüchtigten Auftritt. Er kündigte mit technokratischen Worten das zweite, milliardenschwere Anleihekaufprogramm an, das Amerikas schwächelnde Konjunktur retten sollte.

Die Bernanke-Rede gilt seither als Blaupause für alle Verfechter einer enthemmten Politik des leichten Geldes. Mit insgesamt zwei Billionen Dollar flutete die Fed schließlich die Kapitalmärkte, die Notenbank kaufte – entgegen aller Grundsätze einer soliden, unabhängigen Zentralbank – gigantische Summen der Staatsschulden einfach selber auf. "Quantitative Easing” nannten sie dieses Prinzip, was eine verniedlichende Umschreibung der Tatsache ist, das fehlende Staatsgeld einfach selbst zu drucken. Vor allem in Europa wollen sich nun auch viele nach dem Jackson-Hole-Modell raus-“easen”.

Kommentare zu " Weimers Woche: Gipfeltreffen der Sünder"

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  • Herr Weimer, Sie sollten dem Leser immer Lösungsmöglichkeiten
    anbieten um sehen zu können ob Sie das Geldsystem wirklich durchschauen. Was nützt nur ein Kommentar? Hier im Blog
    werden so viele unnütze Kommentare abgegeben, dass man
    fast keine Lust mehr hat zu antworten. Ich bin kein Ökonom,
    aber was bleibt der EZB anders übrig genauso wie die FED
    Staatsanleihen am Sekundärmarkt über die Rettungsschirme
    aufzukaufen. Die FED hingegen agiert ja direkt am Primärmarkt, d.h Geld drucken und direkt die Staatsanleihen in die Bilanz
    nehmen. Die US- amerikanischen Ratingagenturen stört dies
    wenig. Fakt ist, dass der Euro geschwächt werden muss, und der
    Dollar nach wie vor die Weltleitwährung sein will. Die hohen
    chinesischen Devisenreserven lassen grüßen. Die Chinesen
    kaufen auch nur wenig Euro- Staatsanleihen, weil sie dem Euroraum nicht trauen. Solange in den Südstaaten die Steuereintreibung nicht so erfolgt wie in DL, solange wird auch
    kein Vertrauen geschaffen. Man versucht in der Eurozone
    reiche Bevölkerungsschichten zu schonen. Das sieht man daran,
    dass Zwangsanleihen keine Chancen haben, mit der Begründung,
    es käme zu wenig zusammen. Es passiert zu wenig, viel Diskussionen und am Ende kommt nicht heraus als plumpes
    Gelddrucken, was jeder Schuljunge kann. Goldresrerven abbauen, Tafelsilber verscherbeln, Zwangsanleihen einführen,
    unbewohnte Inseln verkaufen, Staatseigene Betriebe privatisieren,
    Haushalte zu sanieren, hohen
    Subventionen abbauen und die Umverteilungsmachinerie stoppen. Politiker aller Länder fangt endlich an die die Hausaufgaben zu machen.
    MfG
    Walter Schmid

  • an sozialarbeiter und nedshadow, sie haben beider Recht. Es ist nur die Frage, wer war zu erst Schuld, das Ei oder das Huhn.

    Die Politiker haben die Gesetzte frisiert, Margaret Thatcher, Clinton und auch Schröder usw. haben erst den Weg frei gebombt um diese unglaublichen Betrugs-Geschäfte der Banken zu ermöglichen - Stichwort "glass steagall act".
    In wieweit schon damals die Banken aber ins Ohr geflüstert haben und Dreckskerle wie Ackermann und IIF den Politikern "Ihre Gesetzte" geschrieben haben, werden sie nie erfahren.

    Beide Seiten gehören mit der grösstmöglichen chinesischen Strafe bestraft.

  • Danke fuer die Korrektur, bin echt zu wenig im deutschen Gefilde unterwegs. Heuchlerisch waere in der Tat der richtige Begriff gewesen :)

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