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Weimers Woche: Linksruck? Von wegen!

Die Schuldenkrise weckt bei Linken allerlei Fantasien. Nun könne der Kapitalismus doch noch zusammen brechen, hoffen sie. Doch sie irren auch diesmal. Das ausbleibende Comeback des Sozialismus hat gute Gründe.

Wolfram Weimer, Journalist, Buchautor und Gründer des Politik-Magazins Cicero.
Wolfram Weimer, Journalist, Buchautor und Gründer des Politik-Magazins Cicero.

Jakob Augstein, der letzte sozialistische Intellektuelle Deutschlands, ist von der Schuldenkrise ganz elektrisiert. Er schreibt dieser Tage mit dem Unterton der Vorfreude, die wir sonst nur bei Kindern vor dem Weihnachtsfest kennen: „Linkes Gedankengut greift wieder um sich. 20 Jahre nach der Niederlage des Sozialismus breitet sich eine überwunden geglaubte Philosophie erneut unter uns aus.“ Augsteins Diagnose ist mehr Hoffnung als Wirklichkeit, doch er teilt sie mit manchen Alt-Linken, die endlich rote Morgenluft wittern.

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Wilde Börsen, wankende Banken, taumelndes Großkapital – der Stoff, aus dem sozialistische Märchen sind, wird täglich in der Tagesschau geliefert. Darum kommen sie wie Mumien aus ihren ideologischen Gräbern hervor und wittern noch einmal Klassenkampfstimmung.

Dossier - Krise des Kapitalismus

Und doch irren sie wieder. Denn es passiert nichts, wovon die Linke immer träumt. Weder geht der Kapitalismus unter, noch braut sich eine Revolution zusammen, noch wenden sich die Menschen auch nur linken Parteien zu. Im Gegenteil: In den Ländern, die von der Schuldenkrise am härtesten erwischt worden sind, hat ein politischer Rechtsruck stattgefunden. In Portugal, Spanien, Irland und Griechenland sind sozialdemokratische durch konservative Regierungen abgelöst worden. Überall in Europa punkten sogar Rechtspopulisten. Die Gesellschaften entscheiden sich im Moment der Krise nicht für Revolution sondern für Sicherheit und Ordnung. Die europäische Linke freut sich daher nicht nur zu früh, sie könnte sogar der große Verlierer der Entwicklung werden.

In Deutschland zeichnet sich schon ab, dass die Linkspartei dramatisch an Zustimmung verliert. Seit Monaten sinkt sie in den Umfragen wie Wismut-Erz im Ostseewasser. Nach den jüngsten Zahlen von Infratest-Dimap liegt die Linke zum Jahresende nur noch bei 6 Prozent Wählerzustimmung. Sie muss inzwischen sogar fürchten, bei der kommenden Bundestagswahl an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Noch vor einem Jahr lagen die Umfragewerte bei 10 Prozent, vor anderthalb Jahren sogar bei 12 Prozent. Die Linke hat just in den Monaten der Schuldenkrise also die Hälfte ihrer Anhängerschaft verloren. Wir erleben keinen Linksrutsch sondern einen Rutsch der Linken.

  • 02.01.2012, 01:28 UhrAnonymer Benutzer: Albert

    Im Prinzip zur Hälfte richtig, was aber eher nicht so gesehenwird/werden will: im Allgemeinen nimmt die Kritik an ALLEM zu. Der Liberal Konservative Push endete auch schon vor ein paar Jahren, im Westen jedenfalls. Unideologische Bestrebungen sind wohl eher das Gebot der Stunde. Der oft sehr gu´te Weimer sieht hier nicht, dass "Werte" auch von der Rechten nicht mehr erwartet werden, ausser da wo noch Führer-Mentalität herrscht. Warum auch? Laffi zB, Gott bewahre uns vor seinem Sieg, ist wertestabiler als alle CDemokraten zusammen, die alle nur Fähnlein im Wind sind wie schon seit Jahrzehnten. Das ganze Establishment ist unglaubwürdig, nur weil die Völker nicht offiziell ein Mißtrauens Votum aussprechen können gibt es die Parteienlandschaften überhaupt noch. Eigeninitiative jenseits von Politischen Institutionen und Nationen ist bald wohl eher gefragt. Und Klassenkampf ist auch aktueller denn je, irgendwie muss man sich glaube ich mehr im Internet umschauen als auf die altbekannten Partizipanten in Medien und Politik und Economy zu schielen

  • 01.01.2012, 19:57 UhrAnonymer Benutzer: Beyondmarx

    das Wirtschaftssystem predigt nicht TINA, das haben die nämlich gar nicht nötig, da die Linke zwar gut im Kritisieren ist, jedoch dem Wähler keine plausible Alternative zu bieten hat und auch keine bieten können, da alle linken Träume ausgeträumt sind. Wann werden Leute wie sie bitteschön endlich verstehen, dass das linke Spiel vorbei ist?

  • 01.01.2012, 04:29 UhrAnonymer Benutzer: keeper

    "Er hat die Reichen reicher und die Armen ärmer gemacht."
    ... worin dann auch die eigentliche Ursache der gegenwärtigen Krise liegt:
    aufgrund dieser Ungleichverteilung wurde und wird ein Großteil der Nachfrage zwangsläufig "auf Pump" bezahlt;
    quasi: "Monopoly mit Anschreibenlassen".

    ... und wenn nun -ganz nach brüning'scher Manier- "eisern gespart" werden soll, dann werden (oh, welch Wunder!) eben auch entsprechende Ergebnisse erzielt werden ....

    ... ein Ruck in nationalistischere Gefilde inbegriffen...



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