Weimers Woche

Merkel ist kein Bond-Girl

Sein Name ist Bond. Euro-Bond! Seine Mission: Deutschland zahlen zu lassen. Seine Idee: Die Schulden der Euro-Staaten werden sozialisiert und Deutschland bürgt. Seine Helfer: Ganz Südeuropa. Sein Feind: Angela Merkel.
51 Kommentare
Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Wolfram Weimer ist Handelsblatt-Kolumnist („Weimers Woche“) und Buchautor. Zum 50. Jahrestag will er eine Sonderausgabe des legendären Satiremagazin "Pardon" herausgeben.

Die deutsche Bundeskanzlerin kämpft in diesen Tagen eine reichlich tapfere Verteidigungsschlacht gegen die Eurobond-Agenten - und sie wird zusehends einsam dabei. Nur noch Finnland, Österreich und Holland stehen zaghaft hinter ihr. Frankreichs Solidarität in dieser Frage hat eher den Charakter eines flüchtigen Handkusses. Sogar im eigenen Land ist ihr die Opposition schon in den Rücken gefallen, auch Wirtschaftsexperten,  Kommentatoren und die EU-Führung wanken.

Nun, da sein Heimatland Portugal zahlungsunfähig geworden ist, hat sich selbst EU-Kommissionschef Barroso so dreist für die Eurobonds stark gemacht, dass ihm die Bundeskanzlerin in aller Öffentlichkeit die Note "bekümmerlich" (ein wenig tantenhaft) und "unpassend" (das sitzt) ausstellte. Das Verhältnis zwischen "Chère Angela" und dem "lieben José Manuel" ist seither auf dem emotionalen Niveau einer Ramschanleihe angekommen. Agent Euro-Bond zerstört selbst alte Allianzen.

Die Befürworter erhoffen sich von den Eurobonds eine Art lässig-spektakulären Befreiungsschlag aus der Schuldenkrise - so als würde ein Geheimagent einen Waldbrand mit einem Glas Gin Tonic löschen. Da Deutschland über die Eurobonds für die Schulden aller anderen Staaten letztlich bürgte, könnten sich alle wieder günstig Geld besorgen. Die Party ginge weiter. Das Problem ist nur dreierlei: Erstens würden die Zinsen für Deutschland und die Nordstaaten deutlich steigen. Der Preis für die Eurobonds ginge sofort in die Milliarden. Ausgerechnet die solideren Staaten würden für die Haushaltssünden der Hallodris bestraft. Eurobonds wären also ungerecht.

Zweitens würden Eurobonds schlagartig den Spardruck von den unsoliden Staaten nehmen. Da es keinem dieser Staaten bislang gelingt, auch nur ansatzweise einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, dürfte das schamlose Schuldenmachen hernach munter weitergehen. Das eigentliche Problem der Schuldenkrise würde sich verschlimmern anstatt sich zu verkleinern. Die Schuldsumme, für die Deutschland am Ende haftete, wäre gigantisch. Eurobonds wären also riskant und unseriös.

Drittens würde die Europäische Union endgültig zur Schuldenunion mutieren. Es gäbe kein Regulativ der Märkte mehr über differenzierte Zinssätze echte Risiken abzubilden. Das EU-Europa wäre nurmehr ein Schuldenmoloch, der sich so lange frisches Geld besorgen könnte, wie Deutschland noch stark erschiene. Kurzum: Eurobonds schadeten Europa.

Dass Europa eine Transferunion geworden ist, mag angehen. Reichere helfen Ärmeren - das ist ein vertretbares Prinzip auch in kontinentaler Dimension. Darum zahlt Deutschland seit Jahrzehnten mehr in die EU-Kassen als es herausbekommt. Viele Milliarden Aufbauhilfen sind so in den Süden geflossen. Auch der Rettungsfonds ist noch vernünftig, denn man hilft Partnern in einer Krise und stabilisiert das gemeinsame Finanzsystem. Die Eurobonds aber wären der Schritt in den Schuldensozialismus, der Europa mehr schaden als nützen würde.

Wenn Angela Merkel sich also den inzwischen minütlich vorgetragenen Forderungen widersetzt, dann tut sie das nicht nur im nationalen Interesse Deutschlands. Sie tut es auch in Sorge für ein Europa, das endlich solide wirtschaften lernen muss. Eurobonds wären wie Freischokolade für eine Bande überfetteter Kinder. Dabei ist die Stunde der Diät längst gekommen. Man kann nur froh sein, dass Angela Merkel kein Bond-Girl ist.

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51 Kommentare zu "Weimers Woche: Merkel ist kein Bond-Girl"

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  • Excellent !
    Bien trouvé !

    In Frankreich lebende Deutsche.

  • Der Satz »Reichere helfen Ärmeren - das ist ein vertretbares Prinzip auch in kontinentaler Dimension.« aus Ihrer Feder, Herr Weimer, zeigt doch nur, was für ein Wendehals Sie sind.
    Leben Sie doch nach dem Motto »Nimm, was du kriegen kannst!« und schleimen sich derartig durch die Öffentlichkeit, dass Sie eigentlich vor Scham erröten müssten.

    Das ist wohl einer Ihrer opportunistischen Beiträge des Jahres. Selten so gelacht!

  • wen meine sie?

  • Was ist denn jetzt los? Soviel Wahrheit und Deutlichkeit am Stück habe ich ja lange nicht vernommen. Aber welche der sozialistischen Parteien wählt man den nur-in Ermangelung einer Alternative? Ist unter den Blinden immer noch der Einäugige König?

  • seltener Schwachsinn. Weil das Haus schon halb abgebrannt ist, soll man den Rest auch noch herunterbrennen lassen?

  • nostalgiker
    lesen sie einmal die französische presse! danach sind nur noch ein paar küßchen von sarkozy und ein paar schwüre zur stabilität in einem ergänzungspapier zu den europäischen verträgen nötig und dann kippt angela um - und verkündet lauthals im fallen sie habe die deutsche stabilitätskultur in europa verankert. und der quatschkopf kauder wiederholt: europa spricht deutsch.der € stirbt aus angst vor dem tode: wir dürfen keine angst haben pleitiers pleite gehen zu lassen - solche klarheit erkennen auch die finanzmärkte und fassen wieder vertrauen.

  • @Guido
    "dann stellt sich die Frage, ob die EZB dann nicht schon heute massiv Anleihen der Problemstaaten kaufen kann? Damit wäre die akute Krise beendet"
    ...ist nicht plausibel. Die Schuldenstaaten machen weiter Schulden, die Euro Bonds werden langsam aber unaufhörlich im Rhythmus der Entwertung des Euros durch die Notenpresse immer höhere Zinssätze anbieten, um gekauft zu werden, bis nach wenigen Monaten Deutschland zahlungsunfähig sein wird. Und dann ?

    Wer so kurzsichtig und dreist unverschämt die Öffentlichkeit betrügt und unseren Besitz vernichtet wie Barroso gehört in den Knast !

  • Eurobonds bestehen doch schon längst, über die Sterilisierung von Staatsanleihenkäufe. Die Schnelltender von der EZB werden doch zu einem niedrigeren Zins an die Bankenwelt abgeben, als der Zins für Staatsanleihen aus Südländern. Das bereits 200 MioEuro Staatsanleihen gekauft worden sind, erübrigt sich die Frage, ob die EZB kaufen soll oder nicht. Das ist alles schon in den Markt eingepreist. Es gibt hier keine Lösung mehr, die wirkt. Das tiefe Jammertall muss durchschritten werden, es beginnt das verlorene Jahrzent

  • Nichts zu machen. Frau Merkel hat sich mit absoluter Eindeutigkeit festgelegt. Wenn sie kippt, muß sie zurückttreten oder die deutsche Politik ist mutiert zu einer Politik aus dem Witzblatt, wovon eh schon nicht gerade wenige Zeitgenossen überzeugt sind.

  • Einer der dümmsten artikel die ich je gelesen habe. Mutig für was die Deutschen haben soviel Schulden das sie ihre eigenen Schulden abarbeiten sollten, aber nein wir retten andere mit unseren Schulden ergo Hyprinflation. Sorry selten so gelacht ein pleitier rettet einen anderen natürlich mit neuen Schulden.

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