Weimers Woche
Personale Planspiele in Berlin

Je näher der Wahltermin kommt, desto lauter hört man im politischen Berlin das Stühlerücken. Einige schieben sich in Position, andere wippen munter zum Nachbarn, knüpfen Seilschaften und verhandeln über etwaige Posten.
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Je näher der Wahltermin kommt, desto lauter hört man im politischen Berlin das Stühlerücken. Einige schieben sich in Position, andere wippen munter zum Nachbarn, knüpfen Seilschaften und verhandeln über etwaige Posten. Dabei scheint im Moment nur ein Job halbwegs sicher: der der Bundeskanzlerin. Selbst in der Wahlkampfzentrale der SPD glaubt kaum einer mehr, dass Angela Merkel aus dem Amt gewählt wird. Ob Schwarz-gelb (derzeit am wahrscheinlichsten), eine neue Große Koalition (gut möglich), Schwarz-grün oder Jamaika (inzwischen denkbar) kommen sollte, jetzt gilt es für das Berliner Führungspersonal die Optionen zu sondieren - frei nach dem Karrieristen-Motto: Wer sich zurückhält, kommt nicht voran.

Ursula von der Leyen zum Beispiel dürfte in jeder dieser Konstellationen Ministerin bleiben, sie strebt allerdings aus dem Familienministerium ins Gesundheitsamt und würde – immerhin ist sie Ärztin und „Gesundheitssystemforscherin“– gerne Ulla Schmidt, die wohl selbst bei einer Fortsetzung der Großen Koalition ausscheidet, beerben.

Auch Wolfgang Schäuble ist lange genug - gefühlt sogar ewig - Innenminister und positioniert sich für ein international reputierliches Kommissars-Amt in Brüssel. Ihm würde dann der grundsolide Kanzleramtschef Thomas de Maizière folgen und neuer Innenminister werden. Als Kanzleramtschef wiederum sieht man in den Berliner Machtzirkeln bereits Norbert Röttgen, der von der Kanzlerin seit Monaten als kommende Schlüsselfigur aufgebaut wird.

Vom Publikumsliebling Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) raunt man sich zu, dass er das Amt des Verteidigungsministers anstrebt. Der gelernte Außenpolitiker könnte dort seine Internationalität einsetzen. Und als neue Umweltministerin bereitet sich hinter den Kulissen schon Tanja Gönner vor, derzeit noch Umweltministerin in Baden-Württemberg. Von Annette Schavan wiederum, der feinen Intellektuellen im Bundeskabinett, erwarten viele Unionisten, dass sie die Konrad-Adenauer-Stiftung übernimmt und zu neuem Glanz verhilft. Kurzum: Selbst wenn die Union ihr Wunschergebnis erzielen sollte, steht der Regierung eine gewaltige Kabinettsumbildung ins Haus.

Bei den Liberalen scheint Guido Westerwelle als Außenminister gesetzt, Finanzminister dürfte – im Falle eines schwarz-gelben Wahlsieges – Hermann-Otto Solms werden. Als Arbeitsminister steht Generalsekretär Dirk Niebel bereit – er gilt als Arbeitsmarkt-Fachmann und hat sogar einige Jahre selber beim Arbeitsamt gearbeitet –, im Justizministerium sieht man einem Comeback von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger entgegen, als neue Entwicklungshilfeministerin wird die europäische FDP-Spitzenfrau Silvana Koch-Mehrin gehandelt.

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