Weimers Woche: Privatisiert den Flughafen in Berlin!

Weimers Woche
Privatisiert den Flughafen in Berlin!

Das Desaster um den Flughafenbau schadet nicht nur Berlin und seinen Politikern. Das Ansehen Deutschlands, seine Ingenieurskunst und Zuverlässigkeit bekommen international Kratzer. Es wird Zeit für die private Vernunft.
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Berlin„Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu eröffnen“, witzeln die Berliner inzwischen in Anspielung auf DDR-Parteichef Walter Ulbricht und dessen Lügen zum Mauerbau. Unter den Hauptstädtern hat ihr „ProblemBER“ inzwischen sogar den „ProblemPeer“ der SPD als Spottobjekt überholt. „Ich versteh nur Flughafen!“ wird zum geflügelten Wort für Chaos an sich. Doch während die einen noch Witze machen, ist den meisten das Lachen längst vergangen.

Der neue Großflughafen ist ein Desaster – baulich, wirtschaftlich, politisch. Immer wenn man auf den Gedanken kommt, nun gehe es nicht mehr schlimmer, schafft Berlin noch eine Groteske mehr. Dass Klaus Wowereit vor dem Hintergrund dieses milliardenschweren Schadens nicht zurücktritt, spottet allem, was an Restbeständen von preußischem Ehrgefühl in Berlin noch verhandeln sein müsste.

Die systematische Inkompetenz, mit der die Berliner dieses nationale Großprojekt versemmeln, trübt inzwischen das Ansehen Deutschlands und seiner Kernkompetenzen: Zuverlässigkeit, Ingenieurskunst und planerische Intelligenz. Der Schaden, der damit angerichtet wird, geht über die sumpfig-glucksenden Gestade der Spree weit hinaus. Der Telegraph in London lästert: „Ein Projekt, das sich zur Peinlichkeit für ein Land gewandelt hat, das sich sonst für seine Effizienz und Pünktlichkeit schmückt“.

Die „New York Times” befindet: „Dieser Flughafen untergräbt Deutschlands Ansehen”. Die britische „Financial Times“ meint: „Deutschlands Hauptstadt hat ihr Image als chaotischste und un-germanischste Stadt im Land weiter aufpoliert”. „Libération“ in Paris bilanziert: „Deutschlands Schiffbruch“ und der „Economist“ ohrfeigt: „So viel dazu, dass die fleißigen Deutschen alles pünktlich hinkriegen.“

Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung in diesem masochistischen Kabarett eingreift und für einen Neuanfang sorgt. Und zwar einen privaten. Denn vieles von den Pannen beim Flughafen hat seinen Grund in der Verstaatlichung und Politisierung eines Projekts, bei dem keiner weiß, was eigentlich los ist und bei dem es nie wirklich Verantwortliche gibt, denn alles ist irgendwie politisch und wird am Ende vom Steuerzahler bezahlt. Wenn Politiker anstatt Profis am Werke sind, dann wird nicht nach wirtschaftlicher oder technischer Vernunft gebaut, sondern nach inszenatorischer Lust und machtorientierten Seilschaftsinteressen.

Letztlich ist dieser Nicht-Flughafen ein Fanal für staatssozialistischen Größenwahn. Die ordnungspolitische Dimension dieses Themas gehört auf die Tagesordnung, sonst kommt die Politik noch auf die Idee, Tegel zu schließen und Berlin aus klimapolitischen Gründen zur ersten flughafenfreien Hauptstadt der Welt zu erklären.

Privatunternehmen sollten endlich den Flughafen zu einem Flughafen werden lassen. Der Fraport-Konzern zum Beispiel zeigt in Frankfurt wie man professionell hochmoderne Flughäfen baut, betreibt und gutes Geld damit verdient anstatt Steuergelder zu verschwenden.

Die börsennotierten Frankfurter (das Land Hessen hält nur noch eine Minderheit) haben im Schatten des Berliner Desasters mal schnell ihren Flugsteig A-Plus und damit die Kapazität des Flughafens Hannover hinzugebaut – inklusive Brandschutzgenehmigung. Aber am Main bestimmen auch keine öffentlichen Politiker und Parteien und Popanzgelüste die Szenerie, sondern die private Vernunft.

Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

Kommentare zu " Weimers Woche: Privatisiert den Flughafen in Berlin!"

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  • Sehr geehrter Hr. Weimer,
    bevor Sie Fraport als das glühende Vorbild darstellen, sollten Sie mal besser recherchieren. Der Ausbau des Frankfurter Flughafens ist schon von seiner Lage her (ein Innenstadtflughafen) ein Desaster. Täglich werden Hunderttausende kurz vor 5 Uhr aus dem Schlaf gerissen. Nur wenige kommen in den "Genuß" von Lärmschutzmaßnahmen (Lärmschutzfenster etc.), die sie nicht selbst bezahlen müssen. Das Paket "Passiver Lärmschutz" unter der Führung des Landes Hessens hat ein Volumen von 335 Mio Euro. Von den Kosten trägt der Steuerzahler 75% !!!, das sind 250 Mio Euro!!, die Fraport als Verursacher aber nur 25%!! (Quelle: Hessischer Landtag, 02.05.11) So werden Steuergelder zum Fenster rausgeschmissen. Die Lage der Nordwestbahn hat sich inzwischen als völlige Fehlplanung erwiesen. Es gab schon Beinah-Crashs, die die Gewerkschaft der Fluglotsen auf das komplizierte Verfahren der An- und Abflüge zurückführt, welche mit der ungünstigen Lage der Bahn begründet wird. Ein effektives Bahnensystem hätte nur mit Abriß der Startbahn West gebaut werden können, was politisch nicht gewollt war. Also auch hier wurde Sachverstand hinten an gestellt. Die Gewerkschaft der Fluglotsen hält aus diesem Grund auch die geplante Ausweitung der Flugbewegungen auf 750 000 für nicht realisierbar. Bisher gibt es nach über einem Jahr keine Steigerung der Flugbewegungen, lediglich die Passagierzahlen sind gestiegen mit gleichzeitig besserer Auslastung der Flugzeuge. Seit der Eröffnung der neuen Landebahn im Oktober 2010 gehen jeden Montag tausende Bürger zur Demo am Frankfurter Flughafen. Von einem gelungenen Projekt in einvernehmlicher Nachbarschaft kann also nicht im Geringsten die Rede sein. Bitte das nächste Mal die Fraport-Propaganda besser hinterfragen. Mfg

  • der64leser
    ein sehr guter Beirag
    Ja, wo ist Deutschland hin gekommen?
    Armselig was aus unserem mal schjönen Land geworden ist.
    Überall nur Abzocke, totales Unwissen und Unkentnisse. Solch Leute, meit in der Politik beheimatet, reißen aber ihre Mäuler immer bis zum Anschlag auf.
    Es sind erbärmlifche Figuren, die uns regieren und eigentlich Verantworung für unser Land hätten. Aber dieser Verantwortung kommen sie schon lange nicht mehr nach, sie wissen gar nicht, was Veratwortung ist

  • Diesen Flughafen hat nie jemand wirklich gebraucht.
    Er war ein Prestigobjekt. Da wollten sich Wowereit und Platzek ein Denkmal setzten und die Trulla Merkel machte mit.
    Wowereit wollte Tempelhof nicht, denn da sind deutsche Erinnerungen und deutsch ist bekanntlich pfui.
    Gegen den Widerstand der Bürger machte er Tempelhof dicht um dieses neue Monstrum zu bauen
    Und nun ging es gewaltig in die Hose.
    Wer legt unseren Politkern im Bund und Berlin und überall endlich das Handwerk? Wer nimmt ihnen endlich die Macht über unsere Gelder selbst zu bestimmen.
    Das wird nämlich höchste Zeit.
    Denn o einen Abschaum von Politikern hatten wir tatsächich noch nie in diesem Land.
    Meine Güte, hätte es 45 solche Politiker gegeben, würden wir wohol heute noch in Häuern wohnen mit Einschußlöchern

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