Weimers Woche

Sieben Gründe für die Drachme

Griechenland taumelt am Abgrund, die Menschen plündern ihre Bankkonten, das Finanzsystem kollabiert, die Neuneu-Wahlen spitzen sich auf die Frage “Euro oder Drachme” zu. Dabei wäre die Rückkehr zur Drachme nicht nur aus linksradikaler Sicht die beste Lösung des Problems.
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Wolfram Weimer

Wolfram Weimer war Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“, des Politik-Magazins „Cicero“ und des „Focus“. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

Griechenland wird seine Neuneuwahlen womöglich gar nicht mehr geordnet erreichen. Die Banken melden panikartige Bargeldabhebungen, Ratingagenturen haben Griechenlandanleihen auf Kollapsniveau herabgestuft, jeder versucht sein Erspartes noch irgendwie zu retten, die Zentralbank in Athen schlägt Alarm.

Inzwischen sind die politischen Eliten Europas mehrheitlich der Meinung, Griechenland sollte aus dem Euro austreten – offiziell sagen sie das nur in behutsamen Hinweisen, aber hinter den Kulissen formiert sich ein klarer Trend. Die Notfallpläne für den Euro-Austritt werden ausgearbeitet.

Was vor einigen Monaten noch als Schreckgespenst durch Europa geisterte – inzwischen wäre es die Erlösung. Die rasche Wiedereinführung der Drachme wäre aus sieben Gründen die beste Lösung:

1. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Die Griechenlandkrise dauert immer länger, wird immer teurer, drückt das Land in immer verzweifeltere Situationen. Es braucht einen Befreiungsschlag. Die Rückkehr zur eigenen Währung wäre das.

2. Griechenland bekäme schlagartig die Möglichkeit, seine Schuldenlast über einen Währungsschnitt zu reduzieren. Da das Land offensichtlich weder die Kraft noch den Willen hat, seine Schulden zu bedienen, wäre der Austritt aus dem Euro wie ein finanzieller Neuanfang.

3. Griechenland bekäme endlich wieder ein Instrument in die Hand, sich über Abwertungen der Drachme und eine flexible Wechselkurspolitik Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das Land ist im festen Euro-Korsett viel zu teuer und unflexibel, um sich auf den Weltmärkten je zu behaupten.

Exit ist billiger als Durchhaltepolitik
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41 Kommentare zu "Weimers Woche: Sieben Gründe für die Drachme"

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  • Eine Einführung einer neuen Drachme würde an dem eigentlichen Desaster in Griechenland nicht viel ändern. Die Kernprobleme sind ein nicht funktionierender Staat, ein nicht leistungsfähiger Angebotssektor, Korruption und Vetternwirtschaft, Wirtschaftskriminalität.

    Mit der Drachme käme dann noch Schwarzmarktwirtschaft und ein illegaler Handel auf Basis von Euro hinzu.

  • Natürlich - er tut das, um in GR Angst und Schrecken zu verbreiten. Der Euro quasi als Ende des Daseins... Klappt ja auch schon ganz gut, wie man an den neuesten Umfragen sieht: die althergebrachten Parteien sind schon wieder im Aufwind.

  • Sehr geehrte Damen und Herren,
    die E U ist zu einem Erpressungsverein auf Gegenseitigkeit mutiert.
    Was mit der Währung abläuft ist “ Wechselreiterei “ zu Lasten Deutschlands .
    Wieso findet sich kein Staatsanwalt der diese Sache zur Anklage bringt ?
    .....wer 2+2 zusammenzählen kann weiß, daß so unterschiedlich leistungsfähige Volkswirtschaften auf Dauer nicht in einer Gemeinschaft zu halten sind.
    Mich erinnern die Parolen zur Eurorettung an die Parolen der Nationalsozialisten , die zwar auf dem Rückzug waren aber immer noch vom Endsieg und Glück im Osten träumten.

  • @Verfasser. Bis auf Grund Nr.4 sind alle Gründe richtig wiedergegeben – denn DAS haben schon vor Ihnen die allermeisten Kommentatoren geschrieben. War ja auch nicht so schwierig.
    Aber mit Grund 4 stellen Sie die vorher und nachher genannten Gründe ad absurdum, denn wenn diese 6 Gründe GUT sind für die Drachme, warum sollte es dann plötzlich eine negative Entwicklung in GR (siehe Grund 4) geben? Sie behaupten, die anderen betroffenen Länder seien dann durch diese negative Entwicklung gewarnt und würden sich besonders anstrengen, um in der Eurozone zu bleiben…
    WENN die anderen 6 Gründe richtig sind (ich bin überzeugt davon), dann wird es auch eine POSITIVE und keine negative Entwicklung in GR geben. GR wird es jedenfalls mittelfristig besser gehen. Und die anderen betroffenen Länder werden sich in diesem Fall NICHT besonders anstrengen, im Euroraum zu bleiben. Sondern sie werden das einzig Richtige tun: sie werden sich in ihre eigene Währung verabschieden. Gut so. Da wäre dann der 8. Grund, die Drachme zurück zu holen.

  • Zum Thema gesunder Menschenverstand: Das physische Handelsblatt vom 10.01.2011 enthielt einen Artikel von John Kay zum Thema Experten. Darin wies er auf eine Untersuchung des amerikanischen Politologen Philip Tetlock hin. Dieser hatte 20 Jahre lang 30.000 Prognosen von 300 Experten beobachtet und auf ihr Eintreffen ausgewertet. Dabei stellte er fest, dass die Auguren zwar Schimpansen schlugen, die nach dem Zufallsprinzip vorgingen, nicht aber erfolgreicher waren, als politisch interessierte, eifrige Leser von Tageszeitungen. Für und gegen alles Mögliche gibt es Experten. Also: Lassen wir uns von den sogenannten Experten nicht mehr für dumm verkaufen! Interessieren wir uns nicht mehr für die veröffentlichte Meinung, sondern für die öffentliche Meinung. Danke Handelsblatt, dass Ihr diese in Eurem Onlineforum zulasst - auch wenn sie manchmal daneben ist. Aber das reguliert sich von selbst...

  • @Rolfi

    Zitat:"wenn andere diese Beiträge als das bezeichnen was sie letztendlich sind: Das Ergebnis einer jahrzehntelang verfehlten Bildungspolitik in Verbindung mit genetisch bedingten Hirnstörungen."

    Nein. Das ist das Ergebnis einer jahrzehntelang verfehlten Gehirnwäsche in Verbindung mit genetisch bedingter Fähigkeit logisch zu denken.

  • @ magritt: Richtig, Weimars Beitrag trifft den Kern. Der Zusammenbruch ist gewollt, da die Einführung des Euros ( welches an sich ja die Gelegenheit war, Schulden abzubauen) von den Pappnasen vergeigt wurde. Jetzt gibt es nur noch das rettende Ufer des Neuanfangs. Der wird allerdings sozialistisch sein. Erst wenn alles am Boden liegt kann die Neidgesellschaft ( da Sie nichts mehr hat), der Gleichmacherei fröhnen. Auch hier haben Sie recht, das alles ist gewollt, von Anfang ( 1989/90) an. Das Volk wird dann die Sozialisten/ Kommunisten freiwillig wählen. wir haben dann die DDR auf europäischer Ebene

  • Alle diese Gründe waren schon vor 2 Jahren gültig.
    Man hätte damals aussteigen müssen.
    Die Griechen über diese 2 Jahre lang durchzufüttern war völlig umsonst.
    Sie haben das Geld verkonsumiert und nichts für ihre Zukunft investiert.
    Wer zahlt jetzt dafür? Der Schaden beläuft sich auf mehr als 200 Mrd.
    Tritt die EU-Kommission geschlossen zurück?
    Werden die EU-Finanzminister verklagt?

  • Hallo Rainer,
    hier ist der Horst, der von der EUdssr bezahlte Schreiberling. Wenn Sie mir Ihre Klaranschrift mitteilen bin ich bereit von meinem Honorar Ihre Arztrechnungen zu bezahlen. Ich bin sicher, dass das EUdssr-Sekretariat auch Ihren Daueraufenthalt in der Psychatrie übernehmen würde. Also keine falsche Scham lieber Rainer outen Sie sich und alles wird gut.

  • Rainer_J

    Forennamen und die jeweiligen, sich immer wiederholenden Inhalte lassen durchaus auf eine "geschlossene Gemeinde Gleichgesinnter" schliessen. Seit einigen Wochen "wühle" ich mich durch die HB-Foren und stosse immer wieder auf die selben Namen und die gleichen Schuldzuweisungen. Schuld sind - wie hier einmal bereits erwähnt wurde - immer Merkel oder Schäuble; besser aber beide; unterlegt auch immer mit persönlichen Beleidigungen (Pack, bekanntester AOK-Rollstuhlfahrer, usw.usw.)
    Und die gleichen anonymen Schreiberlinge reiben sich dann daran, wenn andere diese Beiträge als das bezeichnen was sie letztendlich sind: Das Ergebnis einer jahrzehntelang verfehlten Bildungspolitik in Verbindung mit genetisch bedingten Hirnstörungen. Insofern kann sich das Handelsblatt rühmen einer (wie bereits erwähnt) in sich geschlossenen, bildungsfernen Forengemeinschaft eine Mitteilungsplattform zu bieten und deren abstrusen Brechreize öffentlich zu machen. Die Sache hat aber auch etwas Gutes, mir bereiten die Beiträge - vor allem die geäusserten Wutausbrüche - jedesmal viel Vergnügen. Da können sich manche TV-Comediens Anregungen holen.
    Also Leute, bitte weitermachen. Und wenn sich mal jemand gegen euch Vollpfosten wendet, nicht ärgern, der Onkel hat dann sich auch nur Spass gemacht.
    Bis die Tage, Euer Rolfi

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