Weimers Woche

_

Weimers Woche: Sieger und Verlierer der Wirtschaftspolitik

Das Jahr 2012 war wirtschaftspolitisch so turbulent wie selten. Die Schuldenkrise des Westens setzt Politiker, Notenbanker und Ökonomen unter Druck. Wer beendet das Jahr als Sieger, wer als Verlierer?

Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.
Wolfram Weimer: Der Journalist war Chefredakteur der Tageszeitung Die Welt, des Politikmagazins Cicero und des Focus. Er bezeichnet sich selbst als wertkonservativ.

In normalen Zeiten sind Wirtschaftspolitiker und Notenbanker dann besonders gut, wenn man nichts von ihnen mitbekommt. In diesem Jahr hörte die Welt im Stundentakt von ihnen. Die Schuldenkrise des Westens hat vor allem Ben Bernanke und Mario Draghi zu unfreiwilligen Superstars der Weltpolitik werden lassen. Beide haben die Schuldenkrise mit großer Präsenz und Handlungsmacht geprägt und den Kollaps des Weltwährungssystems verhindert. Selbst ein zweiter Absturz der Konjunktur wie nach der Lehman-Pleite konnte dank der Notenbanken abgewendet werden. Sowohl die Fed als auch die EZB haben ihren Einfluss und ihre Macht erheblich erweitert, und Bernanke wie Draghi machten dabei politisch gute Figuren.

Anzeige

Und doch sind sie keine Sieger der Geschichte. Denn der Preis für die Rettungspolitik ist gewaltig: die Geldmengen eskalieren, die Notenbanken politisieren sich, sie werden Konjunkturgestalter und die Risiken für Inflation wie Vertrauensschocks steigen mit der Geldflut. Kurzum: Im Jahr 2012 sind die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt zu Sanatorien der Schuldenpolitik degeneriert.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann sieht sich nicht als Nein-Sager

Er lehnt das Anleihekaufprogramm der EZB als Krisenbewältigungsmaßnahme konsequent ab.

Genau umgekehrt verhält sich die politische Bilanz von Jens Weidmann. Die Bundesbankpräsident ist ein Sieger des Jahres - wenn um Prinzipientreue und Seriosität geht. Er hält mittlerweile fast alleine das Fähnlein der Gelwertstabilität und einer unabhängigen Notenbankpolitik hoch. Er hat sich damit den wirtschaftspolitischen Tapferkeitsorden des Jahres verdient. Zugleich aber schwindet der Einfluss der Bundesbank in der EZB dramatisch. Die deutschen Positionen werden inzwischen derart übergangen als sei Deutschland das neue Malta.

Zu den Glücklosen des Jahres zählt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler. Er hat kein klares Profil erkennen lassen, wechselte seine Positionen in der Griechenlandfrage jeweils zu laut vom Zuchtmeister zum Versöhner und konnte sich in keiner ordnungspolitischen Frage von Rang durchsetzen. Zudem entgleiten ihm seine Partei und die Akzeptanz in Wirtschaft wie Bevölkerung. Er wirkt mit Blick auf 2013 wie ein Spitzenpolitiker auf Abruf.

FDP-Chef Rösler will nicht harmlos sein

Philipp Rösler erkennt in sich ein preußisches Naturell.

Wolfgang Schäuble hat es hingegen wieder einmal geschafft. Er steht als großer Sieger am Ende des Jahres da, sein Einfluss ist in ganz Europa groß wie nie. Er wirkt wie der Steuermann durch die Euro-Krise. Und auch seine Reputation im Wahlvolk bleibt hoch. Dabei hat er seine wichtigste Aufgabe wieder einmal verfehlt – denn Deutschland hat immer noch keinen ausgeglichenen Bundeshaushalt. Dabei wäre das im Aufschwung und mit Rekordsteuereinnahmen möglich gewesen.

  • 21.12.2012, 13:50 UhrSayTheTruth

    Klickt mal stern.de spiegel.de focus.de welt.de hintereinander durch - was da für ein Müll drinsteht. Und alle Artikel und Überschriften (abgestimmt) überall vorhanden.

    Das wird einem nur noch schlecht beim lesen.

  • 21.12.2012, 13:08 UhrSayTheTruth

    Das Polit-Theater ist in Deutschland eine reine "Unterhaltungs-Fassade". Die Politiker halten den Deutschen den Hintern hin und raus klackert nur Mist.

    Die "System-Presse" ist zur Verteilung der täglichen Schei..e verantwortlich und natürlich auch das zwangs-bezahlte GEZ-TV lebt prächtig vom Verteilen und der Erzeugung von Müll und Verdummung.

  • Kommentare
Kommentar: Wir brauchen radikaleren Schutz vor Cyberkriegern

Wir brauchen radikaleren Schutz vor Cyberkriegern

Die Politik will Stromversorger, Banken und Telefonanbieter in die Pflicht nehmen: Sie müssen sich künftig gegen Cyberattacken schützen. Die Wirtschaft klagt über die Kosten – doch die Risiken rechtfertigen sie.

Politik der Eskalation: Der Irrweg des Westens (Ложный путь Запада)

Der Irrweg des Westens (Ложный путь Запада)

Regierung und Medien schalten angesichts der Ereignisse in der Ukraine von besonnen auf erregt um. Aber die Politik der Eskalation schadet deutschen Interessen. Ein Essay auf Deutsch, Russisch und Englisch.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Ratlosigkeit pur

Ratlosigkeit pur

Ein US-Journalist wird im Irak brutal hingerichtet, der Bund bleibt der Commerzbank treu. Ebola in Afrika wird bedrohlich, Fußball zum wirtschaftlichen Erfolg und der Euro schwächelt. Der Tagesrückblick.

Der Ver(un)sicherer: Negative Kosten? Geschenkt!

Negative Kosten? Geschenkt!

Mehr Durchblick bei der Altersvorsorge – das hätte die Bundesregierung gern. Schon bald sollen Versicherer ausweisen, wie teuer ihre Produkte sind. Doch wie die Kostenziffer jetzt definiert ist, ergibt sie keinen Sinn.

Der Werber-Rat: 40 ist das neue 60

40 ist das neue 60

Manche Werber wollen nicht akzeptieren, dass sie älter werden und geben sich immer noch jugendlich. Dabei wächst, fast unbemerkt, eine neue, unkonventionelle Generation von Kreativen heran.

  • Gastbeiträge
Gastbeitrag: Warnung vor dem Tarifkartell

Warnung vor dem Tarifkartell

Die Koalition will die Streikmacht kleiner Gewerkschaften begrenzen. Dagegen regt sich Widerstand. CDU-Wirtschaftspolitiker Metzger warnt davor, am hohen Gut der grundgesetzlich geschützten Koalitionsfreiheit zu rütteln.

Was ist verdient?: Der große Streit um den gerechten Lohn

Der große Streit um den gerechten Lohn

In der vergangenen Woche trafen zwei Gastkommentare den Nerv unserer Leser. Ein Manager und ein Rettungssanitäter diskutierten: Wie misst man den Wert von Arbeit? Wie die Debatte verlief.

Gastbeitrag: Sind Frauen in der Türkei Menschen zweiter Klasse?

Sind Frauen in der Türkei Menschen zweiter Klasse?

Immer wieder fällt der türkische Premier Erdogan durch seine diskriminierenden Äußerungen gegen Frauen auf. Das beunruhigt viele Frauen in der Türkei. Wie eine Istanbulerin die Geschehnisse vor der Wahl erlebt.

  • Presseschau
Presseschau: Standard Chartered bleibt unbelehrbar

Standard Chartered bleibt unbelehrbar

Wegen unzureichender Vorkehrungen gegen Geldwäsche muss Standard Chartered schon wieder 300 Millionen Dollar Strafe zahlen. Die neuen Vergehen haben die gleiche Wurzel wie die alten, findet die Wirtschaftspresse.