Weimers Woche: Steinbrück buddelt „Leiche der Sozialisierung“ aus

Weimers Woche
Steinbrück buddelt „Leiche der Sozialisierung“ aus

Die Politik schaltet in den Wahlkampf-Modus, plötzlich fordert Peer Steinbrück gesetzliche Preisbindungen von Mieten bis Bankenzinsen. Der sozialistische Traum von Befehlspreisen ist populär – und doch barer Unsinn.
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BerlinErst brachte ihn die Nebenverdienstaffäre an den Rand der Kapitulation, dann schwächten Scharmützel um Schachspenden, Billigweine und Heuschreckenberater seinen Wahlkampf, schließlich verlor er eine völlig unnötige Schlacht um Kanzlergehälter. Da nun auch die Hausbesuch- und Eierlikör-Offensive von Peer Steinbrück zu scheitern droht, wird eine Uralt-Waffe aufs Wahlkampfeld geschleift: die sozialistische Dampframme.

Ausgerechnet der Pate der Agendapolitik, Marktwirtschaftsversteher und Bankenfreund Peer Steinbrück fordert plötzlich sozialistische Befehlspreise. Man reibt sich die Augen, aber der SPD-Kanzlerkandidat will auf einmal mehrere Verbraucherpreise staatlich reglementieren. Und zwar immer dort, wo er Volkes schnelle Zustimmung wittert.

Einmal ruft er nach einer “Mietpreisbremse”, damit Wohnen auch für kleine Leute erschwinglich bleibe. Ein anderes Mal fordert er die gesetzliche Deckelung von Dispo-Zinsen bei Banken. Die Linkspartei jubelt ihm zu und Sahra Wagenknecht lobt im saftigen Gestus eines sozialistischen Bruderkusses: Steinbrück zeige, dass “eine gemeinsame Politik von SPD und Linken zum Wohle der Menschen” möglich sei.

Das rot-rote Koalitionsangebot steht damit, denn Steinbrück hat mit seinem Vorstoß das Zentralstück der sozialen Marktwirtschaft angegriffen: die freie Preisbildung.

In seiner Not greift der einst so wirtschaftsorientierte Kandidat einen neo-sozialistischen Trend linker Zirkel auf, die in vielen Branchen weitreichende Preisreglementierungen für Deutschland fordern. Von Energiekosten über das Benzin bis zu Mindestlöhnen und Arzneimitteln wollen sie staatliche Preisregime einführen.

Mit Steinbrücks Vorstoß zu “gesetzlich gedeckelten” Befehlspreisen bei Zinsen und Mieten greift er tief in die ideologische Mottenkiste. Weder Helmut Schmidt noch Gerhard Schröder hätten mit Preisstopp-Forderungen Wahlkampf gemacht, schon weil beide wissen, dass die nicht funktionieren, wohl aber Schaden anrichten können.

Wird nämlich – egal ob bei Mieten, Autos oder Brot – ein Preisstopp bestimmt, so führt das zu Angebotsverknappung, zur Entstehung schwarzer Märkte und zu Qualitätsverschlechterung.

Die SPD-Legende Karl Schiller wehrte sich bereits vor vierzig Jahren gegen solche Ideen aus der linken Ecke und warnte, die „Leiche der Sozialisierung“ wieder auszubuddeln. Schiller lehnte jeden Mietstopp ab, weil er wußte man dass die Zentralmechanik von Angebot und Nachfrage besser nicht außer Kraft setzen sollte – insbesondere nicht, wenn man Wohlstand für möglichst viele schaffen will.

Die Preisbildung ist das Herzstück der Marktwirtschaft, sie sorgt für das ökonomische Informationssystem, macht Knappheiten und Bedürfnisse transparent und steuert Ressourcen zielgenau. Die sozialistische Idee staatlich regulierter Preise schadet letztlich immer genau denen, denen sie helfen sollte.

Das weiß Peer Steinbrück nur zu gut. Er wähnt sich seit Jahren in einer direkten Traditionslinie zu Karl Schiller und Helmut Schmidt, und bis vor kurzem wären ihm solche Vorschläge nie und nimmer über die Lippen gekommen. Insofern ist die sozialistische Dampframme der Befehlspreise weder ein vernünftiger Vorschlag noch ein aussichtsreicher Wahlkampfschlager. Sie ist ein Verzweiflungsakt.

Wolfram Weimer
Wolfram Weimer
Handelsblatt / Gastautor

Kommentare zu " Weimers Woche: Steinbrück buddelt „Leiche der Sozialisierung“ aus"

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  • Der Beitrag beweißt:
    Steinbrück und seine Roten haben keine Ahnung von
    Wirtschaft und Geld.

    Diese Schwachmatiker haben noch nicht erkannt wo das Problem liegt.

    Das Problem hat seinenUrsprung im Umtauschkurs des
    Euro!!

    1:1.95583 war und ist BETRUG mit vatalen und kolossalen
    Auswirkungen und Konsequenzen.
    Hinzu kommt die -teilweise- verkorkskte H4-Reform.

    Und wer es immer noch nicht begrifen hat, der schaue
    nach Berlin und das Drame BER

  • Steinbrück hat nur völlig vergessen, dass Rot-Grün dafür gesorgt hat, dass es keine bezahlbaren Wohnungen mehr gibt.
    Privatisierung war doch das Zauberwort. Das ging so weit, dass Kommunen, Länder etc. ihren gesamten Bestand an Sozialwohnunen an Hedge-Fonds und sonstige Ausländer verkauft haben.
    Die Mieter dürfen es heute ausbaden
    Eine solche Lügerei wie seit der Schröder-Grünen-Regierung hat es wirklich noch nie gegeben.
    Erst verscherbeln sie ganz Deutschland und dann wird gejammert

  • Steinbrück = Kommunist. Und dabei gilt er noch als Rechts innerhalb der Sozialistenpartei.

    Wie kann man sowas seine Stimme geben wollen.
    Ein Pack nee.

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