Weimers Woche
Ude verliert die Bundestagswahl

Die SPD hat nur noch eine Chance – ein Stimmungsumschwung in letzter Minute. Die Wahlen in Bayern am wären die perfekte Bühne für den Last-Minute-Swing. Doch der droht zum Last-Minute-Killer zu werden – dank Ude.
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Es schien alles so gut zu passen: Christian Ude war ein beliebter Bürgermeister in München, die CSU hatte ihre Probleme, eine Verwandtschaftsaffäre kam auf und damit schien die Landtagswahl in Bayern der perfekte Anlass für den Last-Minute-Swing einer bundesweit angeschlagenen SPD. Wenn die CSU vom Bayernthron gestoßen würde, dann bekäme auch Merkel große Schwierigkeiten.

Doch es ist anders gekommen, ganz anders. Nach neuen Umfragen winkt der CSU sogar die absolute Mehrheit der Mandate, Seehofer wirkt so souverän landesväterlich wie nie und die Bayern-SPD rutscht auf klägliche 18 Prozent in der Wählergunst ab. Es droht den Sozialdemokraten das schlechteste Ergebnis der Geschichte. Unter Genossen heißt es inzwischen: „Ude versemmelt die Wahl.“ Bitter ist das auch für die Bundes-SPD, denn aus dem Last-Minute-Swing droht nun ein Last-Minute-Killer zu werden. Am Ende könnte es sogar heißen: Ude verliert die Bundestagswahl.

Der politische Absturz des Christian Ude hat verblüffende Parallelen zum Schicksal Peer Steinbrücks. Beide sind als populäre Querköpfe gestartet, aber im Wahlkampf spekaktulär gescheitert. Beide blamieren sich regelmäßig mit unbedachten Äußerungen, beide fremdeln mit ihrer eigenen Partei und beide schlagen sich nur in der jeweiligen Hauptstadt gut. Wie Steinbrück auf dem Berliner Parkett bestens ankommt, so hat Ude in München freundlichen Rückhalt. Doch in der Provinz verhält es sich bei beiden genau umgekehrt.

Ude leidet darunter, dass Münchner Oberbürgermeister im Bayernland grundsätzlich so beliebt sind wie Keuchhusten. Er tut sich in Ober- und Niederbayern ebenso schwer wie bei Franken oder Schwaben; überall dort vermutet man in ihm einen eitlen Kandidaten, der nur München bevorzugen wolle. Wenn er dann auch noch Erzgebirge (Sachsen) und Fichtelgebirge (Bayern) verwechselt oder wenn sein Personalreferent es für eine Zumutung hält, dass Münchens Beamte im oberfränkischen Hof „nahe der tschechischen Grenze“ ausgebildet werden, dann ist die versammelte Provinz verärgert über die Münchner Arroganz.

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Zu alt für den Generationenwechsel

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  • Die Fr. Scheswig ist viel schlimmer. Noch nie nen Euro verdient, erklärt aber allen, wie sie es am liebsten auszugeben gedenkt.

  • Da irren sie sich gewaltig. Münchens wirtschaftliche Stärke hängt an der Wirtschaftspolitik des Landes. Und die meisten Unternehmen wandern seit Jahren aus München ins Münchener Umland ab...München ist nicht Dank, sondern trotz Ude wirtschaftlich stark, noch.

  • Ich wohne in München seit über 40 Jahren und bin sehr zufrieden.

    Das München so beliebt ist, hat sehr viel mit der Lage der Stadt, dem wirtschaftlichen Erfolg von Bayern im allgemeinen und der offenen und freundlichen Art der Bewohner zu tun.

    Mit der SPD oder dem hier genannten lächerlichen Gockel hat der Erfolg aber so rein gar nichts zu tun. Das verhält sich eher diametral: Man wählt die Rote Schnapsnase, wie man sich eben auch ein Haustier hält. Kann man sich jederzeit auch wieder von trennen.

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