Weimers Woche: Vier Gründe für die Krise der Grünen

Weimers Woche
Warum die Grünen so grau werden

Vier Gründe für die Krise der Grünen

Für die grüne Krise gibt es vier Gründe:

Der erste liegt just in Angela Merkels Atomausstieg. Ihre Kehrtwende hat den Grünen ein Kernstück ihrer Legitimation aus der Hand geschlagen. Sie haben sich damit nach dem Motto zu Tode gesiegt: Mission erfüllt, abtreten bitte. Das gilt neben der Kernkraft für viele Fragen des ökologischen Wandels. Die Forderungen der Grünen sind schlichtweg Konsens geworden in der Republik.

Der zweite Grund liegt darin, dass die Grünen mehr als jede andere Partei ein Generationenprojekt gewesen sind – eine postideologische Wärmestube der 68er. Die aber werden langsam alt. Die Grünen ergrauen daher in ihren Themen, ihrer Sprache, ihrem Politikstil mit. Vor allem durch ihre Technikfeindlichkeit wirken sie plötzlich wie aus der Zeit gefallen. Piratige Computernerds wirken neben Öko-Naturwollfreunden wie flinke Enkel neben störrischen Omas.

Der dritte Grund ist personaler Natur. Das Führungspersonal der Grünen – von Jürgen Trittin bis Claudia Roth, von Renate Künast über Bärbel Höhn und Steffi Lemke bis Sylvia Löhrmann – wirkt steinern. Sie erwecken den Eindruck seit 20 Jahren nichts Neues mehr zu sagen. Vor allem die gefühlte Dominanz älterer, meckernder Frauen lässt die Partei neben den Piraten tantenhaft erscheinen. Merkwürdigerweise setzen sich die interessanten und mehrheitsfähigeren Persönlichkeiten wie Boris Palmer, Rezzo Schlauch, Marianne Birthler, Katrin Göring-Eckhard  gegen die Keifer-Clique nicht durch.

Der vierte Grund liegt in einem Etikettenschwindel der Partei, der jetzt auffliegt. Die Grünen wurden viele Jahre auch deshalb gerne gewählt, weil sie vermeintlich gegen das Establishment, gegen verkrustete Strukturen, gegen Machtseilschaften standen. Als ein Protest gegen Obrigkeit an sich. Da sie inzwischen aber seit Jahren selber Teil der Obrigkeit geworden sind, funktioniert dieser Reflex nicht mehr. Und mit dem Aufkommen der Piratenpartei fliegt die Sache vollends auf. Das ist auch der Grund, warum sich der Niedergang der Grünen so rasch vollzieht.

Kurzum: Die Grünen brauchen eine völlig neue Perspektive. Zumal mit dem Aufsplittern des Parteieinsystems rot-grüne Regierungen immer unwahrscheinlicher, große Koalitionen aber immer wahrscheinlicher werden. Sie fallen damit zwischen die Stühle der Machtpolitik auf der einen und der kritischen Avantgarde auf der anderen Seite. Es sieht alles nach der politischen Verliererstraße des Jahres aus.

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Kommentare zu " Weimers Woche: Warum die Grünen so grau werden"

Alle Kommentare
  • Viel erschreckender ist doch, dass das Handelsblatt bereits das CI der Piraten übernommen hat...:-)

  • ...........................................................
    FAZIT
    .....
    .....
    DIE BLÜTENTRÄUME SIND ZERSTOBEN
    ..
    DIE BLÄTTER WERDEN WELK UND FALLEN
    ..
    DIE PARTEI HAT SICH ÜBERLEBT OHNE
    ES BEREITS ZU BEMERKEN..
    ..

  • @RB

    "geissler"

    Uh, den habe ich gehasst, als er damals meinte, die Pazifisten seien schuld am NS System ... heute ist er ein weiser Mann, wie ich Mitglied bei attac.

    Er hat etwas verstanden, was mit seinem christlichen Weltbild zu tun hat und wofür Sie offensichtlich noch nicht "reif" genug sind.

    Er braucht sich also nicht "anzubiedern", der versteht sich mit Trittin wahrscheinlich schon seit Jahren hervorragend - nur Sie, sie haben das und einiges andere wohl auch, irgendwie nicht so recht mitbekommen undleben noch Ende der 70er.

  • So und jetzt setze ich ein ganz praktisches Bild oben drauf.

    Nehmt bitte ein Blatt, macht fünf Spalten, CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne.

    Dann schreibt Ihr in jede Spalte alle Verurteilungen wegen Vorteilsannahme, Korruption, Bestechlichkeit etc zu den jeweiligen Parteien. Und dann guckt Ihr da mal drauf, Ihr heldenhaften Grünenfresser ... Verstanden?

    Ja, wir hatten zwei, die Rabattmarken (Bonusmeilen) eingelöst haben und - schreck! - eine, die einen Killer beauftragt hat, ihren Mann umzulegen.

    Das, werte Freunde, das nagt wirklich an Euch - daß Ihr es hasst, daß man vor Eurer Nase zeigt, daß man eben 30 Jahre lang nicht zu einer korrumpierbaren Brut von Gangstern verkommen kann. Ihr hasst die Grünen, weil Ihr auch schon immer die Streber in der Schule gehasst habt, weil Sie Euch zeigen, daß man klug und fleissig sein kann, wo Ihr doch lieber Eurem inneren Schweinehund die Zügel lassen würdet und da nervt es Euch halt, daß da jemand den Beweis angetreten hat, daß es eben doch geht.

    Bevor Ihr mich für naiv haltet: Grüne sind auch nur _Menschen_ und natürlich wird sich "meine" Spalte auch noch füllen.

    Aber im Moment ist sie so, wie sie ist.

    Und _Ihr_, ihr seht ganz schön alt aus <gd&rvvvvf>

  • @MKlank

    Ich habe das weiter oben ja schon gesagt: Das ist alles der peinliche Versuch, eine längst verlorene Schlacht neu aufzuführen und zu glauben, sie sei doch noch zu gewinnen.

    Was aber _wirklich_ peinlich ist, alle arbeiten sich an ihrem BILD von den Grünen - aber nicht an den Grünen selbst - ab. Sie verwechseln das, was in ihrem Kopf ist mit dem, worum es dem Grünen ging: Ich bin in einem Land aufgewachsen, in dem ich drei mal am Tag hörte "So was wie dich hätte man früher vergast", es den Nachbarn nicht störte, wenn nebenan ein Kind schrie, weil es den Gürtel des Herrn Papa spürte.

    Keiner der hier "triumphierenden" würde auch nur einen Tag in dieser Welt aushalten ... oder sich eben umgehend der Partei anschließen, die dieses Land zu einem freundlicheren Ort gemacht hat.

    Ich lasse ihnen im Grunde diesen Spaß und gucke ihnen einfach zu, wie sie ihre Vorurteile in einer endlosen Suada immer wieder neu reproduzieren. Die Welt ist so ein fremder Ort für sie geworden, diese ganze "political correctness" (wo kommen wir denn da hin, wenn man nicht mehr Neger, Zigeuner, Bastard, Mongo etc sagen darf!) und all diese ganzen "neumodischen" Sachen.

    Die sind halt von der Gegenwart herzlos in der Vergangenheit zurückgelassen worden und heulen einen fernen Mond an, unerreichbar weit entfernt, stellen sich vor, wie schön das war, als Schwule noch Schwule waren und nicht heiraten durfte, früher ... und je weniger sie wirklich wissen, was war, um so lauter plärren sie - erfreuen sich aber ungeniert an allen Dingen, die _wir_ für sie frei geräumt haben.

    Ach ja: Das eigentliche Geheimnis ist übrigens die Rockmusik - heute sprechen alle Menschen auf der Welt Rock'n'Roll ... hail, hail, rock'n'Roll, deliver us from the days of old (chuck berry).

    Dieser Geist ist aus der Flasche und selbst die, die knarzig daherkommen, lieben, wie ich erinnere, Mark Knopfler ... während wir ja wissen, er hat's bei JJ Cale geklaut ;-)

  • @energieelite

    Also, ich sehe das ganz entspannt, weil mir ja unlängst ein Pirat erklärt hat, worum es im Kern geht. Als der gefragt wurde, was er denn machen würde, wenn sich am Ende alle anderen Parteien die Themen der Piraten angeeignet hätten: "Oh, geil. Dann kann ich mich zur Ruhe setzen und wieder nur zocken!"

    In diesem Sinne sind wir Grüne, zumindest die klügeren unter uns, denen es um die Sache (die VERÄNDERUNG DER WELT!) geht und nicht um einen Posten, ganz entspannt - in diesem Land hat eine Revolution stattgefunden - und keine Sau hat es bemerkt, weil wir sie "Evolution" getauft haben.

    Wir haben unser Thema in jede Partei gepflanzt, wir haben ein Gesetz verabschiedet, dass Kinder nicht mehr geschlagen werden ... Den Rest sollen mal die "jungen" machen und das sind eben die Piraten.

    Wenn mich vor Jahren meine Kinder animieren wollten, an einer Demo teilzunehmen, habe ich immer entgegnet "Ach, echt? Meine letzte war nach dem Tianmen-Massaker, das sollen jetzt ma' die Jungen machen ..."

    Nur - da gab's die noch nicht, da waren die mit dem Kauf von Chucks und kleinen Daddelmaschinen beschäftigt, fanden HipHop geil und die Grateful Dead öde und langweilig. Heute berichtet mir mein Stiefsohn, daß die "Sugaree"-Version vom 1972-05-25 @ Strand Lyceum "grandios schön" sei und beschwert sich, ich hätte ihm "Dark Star" immer verheimlicht ... und wie öde es ist, nach einem Tag mit den Dead Hip Hop zu hören.

    Ich gönne Herrn Weimar ja sein dümmliches Gestotter, das er wahrscheinlich für triumphales Gehabe hält - aber es ist wie das Gezetere über DIE 68er nur der peinliche Versuch eine längst verlorene Schlacht noch einmal nachspielen zu wollen .. ganz so, als ob sie doch noch zu gewinnen sei.

    Das ist so was von _peinlich_.

    Wir sind den ersten Schritt gegangen, den nächsten gehen die Piraten.

    Der Geist von FJS, Filbinger, Wehner ist nur noch Asche und wir tanzen auf ihren Gräbern.

    Wie gesagt, ganz entspannt im hier und jetzt ...

  • Nur Bares ist Wahresoder Feedback

    Die vier Gründe sind nicht der Wahre Grund, Herr Weimer. Vorsichtig und zusammenfaßend ist die Machtbalance der der neuen Einheitspartei des Deutschlands (NDE) der Grund :/

  • Ich kann mich noch mehr oder weniger gut an eine der unsäglichen Politiker-Runden im öffentlich Rechtlichen erinnern - nach einem für die FDP wieder mal katastrophalen Wahlausgang -, als der altersweise Heiner Geißler schon den Abgesang auf die FDP intonierte und sich dem vor Wohlbehagen schier platzenden Vertreter der Grünen in Person von Jürgen Trittin ganz unverhohlen anzubiedern versuchte. Schien klug, sehr klug, möglicherweise zu klug.

    Interessanterweise hat er nicht gesehen, dass eigentlich die Grünen programmatisch, ideologisch und personell ausgebrannt sind.

    Die Forderung nach dem Lebensrecht für den Borkenkäfer mag eben nicht mehr recht verfangen.
    Spaß beiseite.
    Das sog. Grüne wurde von der Regierungs-Koalition weitgehend absorbiert.
    In der Euro(pa)-Politik fallen die Grünen vor allem durch die Forderung nach Eurobonds auf, die bei den Deutschen etwa so beliebt sind wie Zahnschmerzen oder Hämorrhoiden.
    In anderen Politikfeldern agiert man eher unauffällig oder ist nicht in der Lage eigene Akzente zu setzen.
    Und dann ist da noch der skurrile Amoklauf der NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens gegen die E-Zigarette. Keine Ahnung welcher Gaul sie da reitet.
    Sehr attraktiv wirkt der ganze Mix nicht gerade auf den wenig geneigten Wähler.
    Von den Führungsriege rede ich erst gar nicht.

  • Warten wir's mal ab. In französischen & anderen Kernreaktoren gibt's weiterhin einen schweren Störfall nach dem anderen. Die Agrarlobby verseucht immer noch munter das Grundwasser, die Wetterextreme nehmen dank fortschreitendem Klimawandel weiter zu. Eine alternde Bevölkerung verweigert sich der Verjüngung und die Preise für fossile Brennstoffe kennen langfristig nur eine Richtung. Grüne Themen sind nicht tod - im Gegenteil. Aber offensichtlich interessieren sich momentan weniger Leute für die Erhaltung ihrer natürlichen Lebensgrundlagen. Das kann sich auch wieder ändern - und da braucht man nicht auf den nächsten Super-GAU zu warten. Ob es dann die GRÜNEN sein werden, die diese Themen voranbringen - das steht auf einem ganz anderen Papier. Die Themen brennen weiter auf den Nägeln - aber ggf. sehen wir andere Protagonisten!

  • Spätestens seit Stuttgart21 und der Abwahl von Mappus, sollte jeder Grünen-Wähler verstanden haben, dass die Grünen auch nichts an der trägen deutschen Politik ändern. Die Grünen wollen es sich nicht mit Frau Merkel verscherzen. Man bewundert sie, dass sie sich solange mit ihren leeren Worthülsen an der Macht hält. Und wer an der Macht ist, mit dem möchte man gerne zusammen aus dem goldenen Futtertrog fressen. Schon unter Schröder haben die Grünen gezeigt, dass man zu brutaler Bevölkerungsschwächender Politik bereit ist, wenn man nur ein bisschen in der Regierung mitmischen darf. Wer Grüne wählt, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann.

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