
Joachim Gauck ist ein grandioser Redner, ein Mann mit Haltung und Ethos, ein tapferer Kämpfer gegen DDR-Unrecht und für die Freiheit, er ist über alle Parteien hinweg respektiert. Gauck ist ein wunderbarer Querkopf gegen die verlogene politische Korrektheit, der Mut zur eigenen Meinung hat, und sei es die Verteidigung von Thilo Sarrazin.
Aber genau da beginnt das erste Problem. Gauck ist derart autonom und kantig, dass er im politischen Betrieb wahrscheinlich ähnlich scheitern dürfte wie einst Paul Kirchhof oder Horst Köhler. Die politische Klasse aber braucht nach der doppelten Bundespräsidentenblamage von Köhler und Wulff eine Personalie, die auch über die Zeit funktioniert.
Das zweite Argument, das gegen Gauck spricht, ist das politische Kalkül der Parteien. Die Linkspartei hasst ihn, die SPD mag ihn nur, um die CDU vorzuführen. Inhaltlich ist Gauck so weit von der SPD entfernt wie Heiner Geißler von der CDU. Union und FDP wiederum hätten mit Gauck zwar endlich einen echten Vordenker, doch ist er nun mal der Ex-Kandidat der Opposition. Würde er jetzt Bundespräsident, dann wäre das für Schwarz-gelb eine schwere strategische Niederlage. Die Logik der Machtpolitik spricht also gegen Gauck – zumal es gut sein kann, dass er gar nicht mehr will. Sein hohes Alter und das unwürdige Schauspiel um Wulff könnte dazu führen, dass der weise Freigeist sich diesen Job nicht mehr antun möchte.
Darum kursieren in Berlin bereits alternative Namen. Der erste heißt Norbert Lammert. Der Bundestagspräsident wollte schon beim letzten Mal unbedingt ins Schloss Bellevue wechseln, er ist ein guter Redner, im politischen Konsens-Spiel hoch erfahren, ein Superprofi und vom Karriereverlauf wie der aktuellen Gemengelage geradezu geschaffen für das Amt des Bundespräsidenten. Doch hat er sich nach der letztmaligen Enttäuschung gegenüber Angela Merkel verhalten wie ein enttäuschter Liebhaber – mit eitlen Dauersticheleien. Das dürfte ihm nun den Wechsel verderben.
leber herr weimers
sie schildern zunächst ein ideales profil für das amt des bundespräsidenten, nennen einen passenden kandidaten und enden beim politischen "geschäft", das eine solche lösung nicht zuläßt. alles richtig- nur wer in der bevölkjerung soll dann noch interesse an der politik und ihren handelnden personen haben? die von ihnen erwartete realität ist ernüchternd, enttäuschend und ein armutszeignis für unseren politischen betrieb. dabei steigt die sehnsucht nach unabhängigen und gradlinienigen persönlchkeiten
Allzu sehr hat sich der von mir ansonsten sehr geschätzte Herr Weimer nicht mit den Kandidaten beschäftigt, sonst wäre ihm sicher aufgefallen, dass sich seine SPD-Favoritin MargOt Käßmann rufen läßt.
Bei der, von Gauck mal abgesehen, Gruselshow an Kandidaten, möchte ich doch Alan Posener zustimmen, schafft das Präsidentenamt ab!
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