Weimers Woche
Woher kommt Bayerns Stärke?

Am Sonntag wählt der Freistaat Bayern. Das Land strotzt vor Kraft und Selbstbewusstsein. In Bayern ist alles spitze! Woher kommt diese verblüffende Stärke eines Landes, das einst hinten lag?
  • 20

Wenn unter Deutschlands Stämmen die Rollen verteilt werden, dann gibt es alte Klischees (die Schwaben sind fleißig, die Rheinländer lustig, die Berliner frech) und neue Images (die Hamburger sind cool, die Sachsen clever, die Niedersachsen nachhaltig und die Hessen schnell). Die stimmen zuweilen, oder auch nicht. Nur eine Rolle ist wirklich gesichert - die der Bayern: Das sind die besten. Immer und überall, so dass es alle anderen langsam nervt.

Ob Elite-Universitäten oder Fußball, Milchqualität oder Patentanmeldungen. Während sich der Norden und Osten mit allerlei Widrigkeiten herumquälen, strotzt Bayern immer vor Kraft: Wohlstand? Wirtschaftswachstum? Forschung? Bildung? Staatsfinanzen? Alles spitze! Lästige Angelegenheiten wie Jugendarbeitslosigkeit sind in Bayern so selten geworden wie Gamaschen. Kein Wunder also, dass in den letzten Jahren rund 700.000 Menschen aus anderen Teilen Deutschlands nach Bayern gezogen sind.

Selbst die Biergärten, Backstuben und Blumenläden wirken im „Vorhof zum Paradies“ (Horst Seehofers Kurzbeschreibung Bayerns) einfach besser, opulenter, reicher. Noch 1960 lag Bayern weit hinter dem Bundesdurchschnitt im Pro-Kopf-Einkommen, heute punktet es weit davor. Aber warum eigentlich? Ist doch der katholische Süden keineswegs die Heimstatt der protestantischen Arbeitsethik, wie sie Max Weber als Urquell kapitalistischen Erfolges ausgemacht hat. Bayern wird auch von Lage und Ressourcen nicht begünstigt, so dass der Erfolg weder auf Öl, Gold oder Kohle noch auf Seehäfen oder Handelsschnittstellen basiert. Es gibt hier keine tradierte Macht des Geldes wie an Börsen- und Kaufmannsplätzen noch eine der Politik, aus der man hauptstädtisches Kapital schlagen könnte.

Das Argument, Bayern sei halt Gewinner der deutschen Teilung geworden, hätte auch für Bremen oder Nordrhein-Westfalen oder das Saarland gelten können. Hat es aber nicht. Bayern war vielmehr bis 1989 Zonenrandgebiet und in mancher Hinsicht benachteiligt. Dass es heute – im Jargon des Standortmarketings - „Powerhaus“, „Leuchtturmregion“ und „Wachstums-Cluster“ ist, hat mit historischen Zeitläuften wenig zu tun.
Eigentlich haben die Bayern nichts - außer sich selbst. Doch genau da beginnt die Sache interessant zu werden. Das Erfolgsgeheimnis des Südens ist nicht materieller oder zufälliger, es ist kultureller Natur. Bayern haben nämlich etwas, das man sich nicht kaufen kann, das aber Kaufenkönnen langfristig erst ermöglicht: Identität. Sie sind geborgen in dichten Sozialstrukturen, in starken Familien und Vereinen, in tradierten Denk- und Verhaltensweisen.

Seite 1:

Woher kommt Bayerns Stärke?

Seite 2:

„Keine Zukunft ohne Herkunft“

Kommentare zu " Weimers Woche: Woher kommt Bayerns Stärke?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • DIE IDENITÄT UND IHRE FEINDE

    >>Bayern haben nämlich etwas, das man sich nicht kaufen kann, das aber Kaufenkönnen langfristig erst ermöglicht: Identität. Sie sind geborgen in dichten Sozialstrukturen, in starken Familien und Vereinen, in tradierten Denk- und Verhaltensweisen.<<

    Sehr richtig. Und genau das alles, was Bayern seine Stärke verleiht, ist es, was Linke und globalistisches Wirtschaftslobby* gleichermaßen angreifen, bekämpfen und zu zerstören versuchen.

    Von der F a m i l i e bis hin zum V o l k als Herkunfts- und Kulturgemeinschaft wird alles, was der Gesellschaft, Halt Solidarität und Gemeinschaftlichkeit gibt, bekämpft.

    * Siehe beispielsweise Peter Sutherland:
    http://korrektheiten.com/2012/06/23/peter-sutherland-un-migration-ethnische-homogenitaet-multikulturell/

  • 1. Abgesehen davon, daß die Amerikaner nicht die Nazis bombardiert haben, sondern unsere Städte, haben die im Norden und im Westen gelegenen davon am meisten abbekommen, am wenigsten hingegen das weit von den alliierten Bomberbasen entfernte Bayern. Bayern hat hingegen abbekommen die in bombensicherere Regionen verlagerten Industriebetriebe, die dann nach dem Krieg angesichts zerstörter Heimatstandorte auch häufig dort geblieben sind.
    2. Bayern profitiert davon bis noch in die 60er Jahre ein Agrarland gewesen zu sein. Es gab dort keine "alten" Industrien, deren Vertreter Neuansiedlungen verhindert haben, um die Löhne niedrig zu halten. Ausnahme Oberfranken: Die Keramikindustrie (die heute auch nicht mehr besteht) hat aus Sorge um Lohnsteigerungen die Ansiedlung von Siemens verhindert.
    3. Neue Industriebetriebe in Bayern entstanden deswegen auch nicht in einer von Klassenkampfideen und sozialistischen Agitatoren verwirrten Arbeiterschaft, sondern unter einer ländlichen Bevölkerung: z.B. ein BMW-Werk in Dingolfing, dessen Belegschaft sich bei Gründung nicht aus Industriearbeitern zusammensetzte, sondern aus (Nebenerwerbs-)Landwirten.
    4. Man betrachte dazu auch das Wahlergebnis am heutigen Abend als Summe von CSU und Freien Wählern und der Abwesenheit der SPD.

  • die Bayern sind vorne weil sie nicht diese typische linke Nehmermentalität haben.
    Sie hassen Schnorrer und packen selber an.
    Sie hatten einen riesen Standortnachteil und haben es nach vorne gebracht.
    Respekt.
    Glückwunsch an die CSU für den prima Wahlsieg.
    Grüße aus NRW

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%