Wells Fargo
Gigantische Rückzahlung

Well Fargo-Chef John Stumpf hat seine Schimpftiraden gegen die Bankenrettungsgelder der US-Regierung abgeschwächt. Allerdings will er die staatliche Unterstützung über 25 Mrd. Dollar, die seine Bank erhalten hat, "in Kürze" und aktionärsfreundlich zurückzahlen. Stumpf könnte es gelingen, das Unmögliche zu erreichen.
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Well Fargo-Chef John Stumpf hatte sich vor einem Jahr lautstark gegen die Rettungsgelder der amerikanischen Regierung für die US-Banken gewehrt. Die Steuerzahler würden auf Kosten von Wells Fargo profitieren, lautete sein Argument. Doch die US-Regierung ist immer noch im Besitz von Vorzugsaktien seiner Bank über 25 Mrd. Dollar. Stumpf hat zwischenzeitlich zwar seine Schimpftiraden abgeschwächt, dennoch will er die Investition des US-Finanzministeriums im Rahmen des Tarp-Rettungsprogramms "in Kürze" zurückzahlen. Dabei will er gleichzeitig seine Aktionäre vor möglichem Schaden bewahren. Diese beiden Zeile miteinander zu vereinbaren, wird nicht ganz einfach werden.

Der Nachdruck, den Stumpf auf ein aktionärsfreundliches Vorgehen legt, wird von vielen Beobachtern an der Wall Street dahingehend interpretiert, dass er nicht beabsichtigt, neues Stammkapital aufzunehmen, da dies verwässernd wirken könnte. Das würde nahe legen, dass er sich damit abgefunden hat, die Investition aus Washington aus den aufgelaufenen Erträgen zurückzuzahlen. Geht man von der derzeitigen Entwicklung der Bank aus, könnte dies zwei Jahre oder mehr in Anspruch nehmen.

Stumpf mag in Betracht gezogen haben, die Regierung schnell mit Cash abzufinden. Schließlich hatte die Bank durch die Ausgabe von Stammaktien 21,2 Mrd. Dollar eingesammelt, als die Finanzkrise einsetzte. Aber es ist nicht klar, ob dies die Aufsichtsbehörden zufrieden stellt. Außerdem würde das Kapital der Bank dezimiert, wenn sie sich von liquiden Mittel in dieser Höhe trennen würde.

Die Tier 1-Verhältnis von Kapital zu Vermögenswerten der in San Francisco ansässigen Bank würde auf ein Niveau von knapp über acht Prozent sinken - was in den guten alten Zeiten ausgezeichnet war, jetzt aber weit unter den Quoten der Konkurrenten liegt. Die vergleichbare Kapitalkennzahl von JP Morgan etwa liegt bei 10,2 Prozent und die von US Bancorp bei 9,5 Prozent.

Dies impliziert, dass Stumpf seine Tarp-Mittel kurzfristig nicht zurückzahlen kann, es sei denn, er nähme eine Kapitalerhöhung vor - was aber nicht gut für die Aktionäre wäre. Trotzdem könnte es noch einen Mittelweg geben. Denn neue Stammaktien anzubieten und dabei gleichzeitig aktionärsfreundlich zu handeln, schließt sich gegenseitig nicht völlig aus. Mit der Rückerstattung der Tarp-Gelder würden Dividendenzahlungen nach Steuern über 1,25 Mrd. Dollar im Jahr erlöschen, wodurch Erträge für die Stammaktionäre freigesetzt würden. Wells Fargo könnte Aktien über bis zu 8,8 Mrd. Dollar emittieren, ohne den Gewinn je Aktie für die derzeitigen Anteilseigner zu schmälern, rechnet JP Morgan vor.

Ginge Stumpf so vor, und würde der Rest der Tarp-MIttel in bar beglichen, würde damit ein Boden bei neun Prozent unter der Tier 1- Kapitalquote von Wells Fargo eingezogen. Die Portion an neuen Stammaktien würde überdies die enger gefasste Tier 1-Stammkapitalquote auf sechs Prozent anheben. Diese Kennziffer liegt derzeit bei 5,2 Prozent und damit um drei Prozentpunkte unter der Maßzahl der beiden Branchenkollegen der Bank, die von den Tarp-Geldern befreit sind.

Doch selbst diese verbesserten Quoten sehen noch mager aus. Allerdings hatte Wells Fargo für einen zusätzlichen Puffer gegen Kreditverluste gesorgt, als das Institut die Wachovia gekauft hatte. Dadurch würden beide Kapitalquoten noch einmal um 1,5 Prozentpunkte gestärkt. Auf diesem Weg die Quadratur des Kreises zu versuchen, bedürfte schon einer sorgfältigen Erklärung. Sollte sich Stumpf jedoch dazu entschließen, dann wissen wir ja, dass er um klare und laut vernehmliche Worte nicht verlegen ist.

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