Wells Fargo
Nicht völlig daneben

Die Chefs von Wells Fargo hatten ihrer Abneigung gegen die Interventionen der US-Regierung auf dem Finanzsektor laut und deutlich Ausdruck verliehen. Jetzt verweisen sie auf Spitzengewinne, um zu zeigen, dass sie Recht hatten. Doch die Aktionäre machen sich größere Sorgen um den steilen Anstieg zweifelhafter Kredite. Sie hätten Anlass zu noch größerer Nervosität, hätte nicht das Ergebnis des Stresstests Wells Fargo dazu gezwungen, Kapital zu sammeln.
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Die Chefs von Wells Fargo hatten ihrer Abneigung gegen die Intervention der US-Regierung auf dem Bankensektor laut und deutlich Ausdruck verliehen. Wells Fargo-Boss John Stumpf beteuerte, dass die Kapitalspritzen gemäß dem staatlichen Troubled Asset Relief Programme zur Bankenrettung "dem US-Steuerzahler einen Ertrag einbringen - zu beträchtlichen Kosten für das Unternehmen". Der Chairman der Bank, Dick Kovacevich, bezeichnete die Stresstests der Ergebnisse und Bilanzen der Banken als "absolut idiotisch". Doch wenn man sich die Resultate von Wells Fargo zum zweiten Quartal betrachtet, dann lag der Belastungstest gar nicht so weit daneben.

Sicher, die Bank hat bewiesen, dass die staatlichen Prüfer die Ertragskraft des Instituts unterschätzt hatten - mit 3,2 Mrd. Dollar lagen die Gewinne über dem Mittel der Prognosen der Volkswirte. Aber das ist nicht der Punkt, auf den sich die Aktionäre konzentriert hatten. Sie sorgen sich viel stärker um die unerwartete Steigerung zweifelhafter Kredite. Gegenüber dem ersten Quartal sind die Not leidenden Vermögenswerte um etwa 45 Prozent gestiegen. Die in Schwierigkeiten geratenen Vermögenswerte, die im Zusammenhang mit der übernommenen Wachovia stehen, steuerten dazu den Großteil bei, nämlich sage und schreibe 145 Prozent. Aber mit einem Zuwachs um 24 Prozent nehmen sich auch die Unannehmlichkeiten in der eigenen Bilanz von Wells Fargo nicht gerade günstig aus.

Positiv schlägt sich nieder, dass bei Wells Fargo die Ausfallrate insgesamt relativ niedrig geblieben ist. Doch genau dasselbe trifft auch auf die Reserven der Bank zu, die mit 2,86 Prozent der Kredite weit geringer ausfallen als der Betrag, den die Wettbewerber beiseite gelegt haben. Darüber hinaus weist das Institut auch niedrigere Eigenkapitalquoten als viele seiner Branchenkollegen aus. Wenn Wells Fargo nicht, wie nach dem Stresstest gefordert, ihr Kapital über Stammaktien im Wert von 8,6 Mrd. Dollar erhöht hätte, läge das Verhältnis ihres Kernstammkapitals zu den gesamten Vermögenswerten bei nur 3,6 Prozent. Das würde zwar den Wert des Vorquartals übertreffen, läge aber dennoch unter der Zielmarke von vier Prozent, die es nach den Vorgaben des Bankenbelastungstest der US-Regierung bis zum Ende des kommenden Jahres zu überschreiten gilt. Derzeit liegt die Quote von Wells Fargo bei 4,5 Prozent.

Natürlich mag Wells Fargo darauf beharren, dass ihre Gewinne stark genug bleiben sollten, so dass das Ziel ohnehin rechtzeitig erreicht worden wäre. Aber die Kreditkrise hat den Investoren - und den meisten Bankchefs - deutlich gemacht, dass es besser ist, das Geld auf der Bank zu haben, als zu versprechen, dass es in Kürze eintreffen wird.

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