Welthandel
Japan-Exporte als globaler Hauptindikator

Der Rückgang der japanischen Exporte um 46 Prozent im Januar spiegelt nicht allein die eigene Schwäche des Landes wider; die Ausfuhren anderer asiatischer Länder sind in vergleichbarem Ausmaß gesunken. Wirft diese Entwicklung einen Schatten voraus auf eine ernste Verschlechterung des Welthandels?

Der Rückgang der japanischen Exporte spiegelt nicht allein die eigene Schwäche des Landes wider; die Ausfuhren anderer asiatischer Länder sind in vergleichbarem Ausmaß gesunken. Wirft diese Entwicklung einen Schatten voraus auf eine ernste Verschlechterung des Welthandels?

Die japanischen Ausfuhren sind also im Januar um 46 Prozent zurückgegangen und die Zahlungsbilanz des Landes wies ein umfangreiches Defizit auf. Die Exportzahlen anderer asiatischer Länder legen allerdings nahe, dass dieses Ungleichgewicht der Zahlungsbilanz vorwiegend auf den überaus starken Yen zurückzuführen war. Die Exporte aus Korea und Taiwan, deren Währungen sich gegenüber dem Dollar entweder schwach zeigten oder stagnierten, sind genau so stark rückläufig gewesen wie die japanischen. Aber da die Importe jener Länder gleichermaßen sanken, sind ihre Handelsbilanzen nicht tangiert worden.

Die Handelsdaten aus Asien vom vergangenen Monat hatten nahe gelegt, dass der jähe Exportrückgang zwischen September und Dezember aufgrund des Fehlens von Handelsfinanzierungen zustande gekommen sein könnte. Doch die Zahlen für Januar waren beträchtlich schlechter als die für Dezember, während sich jedoch die Konditionen auf den globalen Kreditmärkten leicht entspannt hatten. Daher sieht es so aus, als ob die fortgesetzte Schwäche bei asiatischen Exporten eher fundamentaler Natur wäre.

Es gibt mindestens zwei Erklärungsmöglichkeiten. Die eine ist, dass die Lieferkette an die US-Verbraucher blockiert ist, so dass ein Überhang bei den Lagerbeständen auf der Ebene der chinesischen Zulieferer hervorgerufen wurde und noch größere Überhänge in Ländern entstanden, die chinesische Montagewerke mit Fertigungsteilen versorgen. (Die japanischen Exporte an China selbst waren im Januar um 45,1 Prozent rückläufig). Damit hätten die USA ihr Lagerbestandproblem, das durch die Rezession entstanden ist, ausgelagert und die höhere asiatische Liquidität ausgenutzt, um die Lagerbestände dort zu finanzieren.

Die andere Möglichkeit besteht darin, dass der Rückgang der asiatischen Exporte die erste Etappe einer umfassenden Verschlechterung des Welthandels repräsentiert, der möglicherweise so drastisch ausfallen könnte, wie der Einbruch um 65 Prozent, der in den dreißiger Jahren verzeichnet worden war. Das wäre sehr schlecht für die Weltwirtschaft.

Die Handelsdaten, die in den kommenden Monaten aus Asien gemeldet werden, könnten für größere Klarheit sorgen. Wenn das Problem in einem Rückstau der Lagerbestände besteht, dann sollte es an Schärfe verlieren, wenn sich die US-Nachfrage auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert. Aber wenn sich das Exportbild Asiens weiter eintrübt, dann droht uns wohl die unheilvollere Variante.

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