Weltwährung
Der Euro wankt ins Rampenlicht

Das Kursniveau des Euro zeigt mit 1,50 US-Dollar - dem höchsten Stand seit Jahresbeginn 2009 - wie schwach der Dollar gegenwärtig ist. Ein Zeichen für die Stärke der Gemeinschaftswährung ist es dagegen weniger. Die starke Währung verschärft die Spannungen, die die Region zurzeit belasten. Die EZB könnte versuchen, den Euro schwach zu reden. Aber wirkliche Erleichterung kann nur von jenseits des Atlantiks kommen. Dann nämlich, wenn die Fed wieder davon spricht, dass die Zinsen steigen werden.
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Wie sich die Zeiten für den Euro verändert haben. Lange Zeit galt er als ein zum Scheitern verurteiltes Experiment. Jetzt, wo der Dollar Schwäche zeigt, steigt er auf schwindelerregende Höhen. Die 1,50-Dollar-Marke hat er schon erreicht. Aber hat er den Starruhm auch verdient. Die unerfreuliche Antwort lautet "wahrscheinlich nicht".

Im Oktober 2000 lag die Einheitswährung noch bei 0,84 US-Dollar. Damals wurde das "kritische Niveau" in vielen Kommentaren diskutiert. Die Nachrufe lagen schon fertig in den Schubladen. Aber der Euro starb nicht. In den folgenden neun Jahren stieg er um 79 Prozent. In den dunklen Zeiten Euro zu kaufen, hätte sich wahrlich gelohnt.

Jetzt schreiben Investoren schon am Nachruf auf den Dollar. Fast scheint es, als spräche rein gar nichts für die US-Währung. Der Leitzins der Federal Reserve liegt beinahe auf Null. Das US-Haushaltsdefizit ist in stratosphärische Höhen gestiegen. Und die Zentralbanker reden, als würden die Zinsen nie wieder steigen. Und gute Nachrichten vom amerikanischen Wirtschaftswachstum regen Dollarverkäufe an. In einer Welt, die sich von der Rezession erholt, braucht niemand eine Reservewährung, die keinen Ertrag bringt.

Aber der Euro hat seinen gegenwärtigen Star-Status nicht verdient. Im Jahr 2000 gab es keine ernst zu nehmenden Spannungen innerhalb der Eurozone. Aber heute. Deutschland und Italien müssen sich darauf gefasst machen, dass ihr Sozialprodukt um 5 Prozent sinkt - doppelt so stark wie in den scheinbar hoffnungslosen USA. Und Deutschlands Arbeitslosenquote sieht mit 8,2 Prozent noch gut aus, wenn man sie mit Belgiens oder Irlands 12 Prozent oder gar Spaniens erschreckenden 19 Prozent vergleicht.

Die Eurozone braucht eine proaktive Wirtschaftspolitik und eine konkurrenzfähige Währung. Zieht man allerdings die Kaufkraftparitäten heran, dann ist der Euro fast 30 Prozent überbewertet. Für Länder wie Spanien, Griechenland, Italien und Irland, wo die Löhne in den guten Jahren kräftig anzogen, ergibt sich eine noch höhere Überbewertung - bei noch düstereren Konjunkturaussichten.

Wie kann Europa reagieren? Jean-Claude Trichet, der europäische Zentralbankpräsident, kann versuchen, den Euro schwächer zu reden. Wirksamer wären allerdings Nachrichten, dass das Gerede vom Tod des Dollars übertrieben ist. Und solche Schlagzeilen werden kommen, sobald die US-Fed andeutet, dass die Wirtschaft wieder wächst - und sie demnächst die Zinsen wird anheben müssen.

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