Weltwirtschaft
IWF: Wieder im Rampenlicht

Nachdem der IWF von den politisch Verantwortlichen in den USA Jahre lang links liegen gelassen worden war, findet er sich jetzt plötzlich im Zentrum der Pläne Obamas zu einer internationalen Wirtschaftserholung wieder. Amerika will den multinationalen Kapitalgeber mit Geld ausstatten und verlangt von ihm sogar, die Länder anzuprangern, die ihm bei der Ankurbelung der Konjunktur als zu knauserig erscheinen. Welch eine Wende des Schicksals.
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Die Regierung von US-Präsident Barack Obama will den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Königin des G20-Balls küren. Nachdem der multinationale Kreditanbieter von den politisch Verantwortlichen der USA Jahre lang links liegen gelassen worden war, findet er sich jetzt im Zentrum der Pläne Obamas zu einer internationalen Wirtschaftserholung wieder.

Die USA wollen den IWF mit zusätzlichen Kapazitäten über 500 Mrd. Dollar ausstatten - zu denen sie selbst rund 20 Prozent beisteuern würden -, und ihn dazu einsetzen, die Länder "anzuprangern", die nach IWF-Einschätzung bei den Konjunkturanreizen zu knauserig sind. Dass der IWF wieder zu solcher Beliebtheit - die gepaart ist mit der Erwartung, dass er in diesem Jahr mit Hilfe seines wachsenden Kreditportfolios solide rentabel arbeiten wird - zurückfindet, stellt eine dramatische Wende des Schicksals dar.

Der US-Finanzminister Tim Geithner will bei dem Treffen der G20-Finanzminister am Ende der Woche auf den Tisch hauen, um andere Länder dazu zu bewegen, ihre Konjunkturpakete aufzustocken. Seiner Ansicht nach ist ein Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts angemessen, auch wenn der IWF berichtet, dass sich nur vier weitere Länder auf diesen Betrag zu bewegen, und die Europäer sich bei der Diskussion lieber auf die Koordinierung der Aufsichtsbehörden konzentrieren als auf zusätzliche Ausgaben. Zudem will Geithner, dass der IWF Quartalsberichte über die jeweiligen Fortschritte der einzelnen Länder bei den Ausgaben zur Ankurbelung der Wirtschaft erstellt.

Damit könnte der IWF, der von den sich entwickelnden Ländern oft dafür kritisiert wird, anderen den Willen Washingtons aufzuzwingen, in die seltsame Lage geraten, dass ihn dieses Mal die Industrienationen aus demselben Grund kritisieren. Allerdings ist Geithners Wunschliste, die am Mittwoch vorgestellt wurde, nur ein kleiner Teil der anhaltenden Debatten mit anderen G20-Mitgliedsstaaten. Es wurde noch nichts beschlossen. Aber es scheint so, als ob der IWF, ganz gleich, was bei dem Treffen herauskommt, immer mehr an Bedeutung zurückgewinnt.

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