Weltwirtschaftsforum: Der Krieg der Worte

Weltwirtschaftsforum
Der Krieg der Worte

Nachdem US-Finanzminister Geithner China der Währungsmanipulation bezichtigt hatte, nutzte der chinesische Regierungschef Wen Jiabao die Davoser Bühne, um zurückzuschlagen und dem Westen übermäßigen Konsum und laxe Kontrollen vorzuwerfen. Beide haben Recht – aber es wäre besser, die eigenen Fehler zuzugeben, als sich gegenseitig zum Sündenbock zu stilisieren.

Zwischen China und den USA ist ein Krieg der Worte entbrannt, aus dem beide Seiten eigentlich nur als Verlierer hervorgehen können. Tim Geithner, der neue US-Finanzminister, hat China in der vergangenen Woche vorgeworfen, seine Währung zu manipulieren - starke Worte auf der politischen Bühne. Der chinesische Regierungschef Wen Jiabao hat während des Weltwirtschaftsforums in Davos mit bissigen Bemerkungen zurückgeschlagen, mit denen er die verschwenderische Haltung und die laxen Kontrollen "einiger Länder" anprangerte. Beide Parteien haben Recht. Aber anstatt sich gegenseitig zu bezichtigen, sollten sie sich lieber zu ihren eigenen Fehlern bekennen.

Die China-Kritiker beklagen, dass die Politik, den Renminbi nur in Trippelschritten an Wert gewinnen zu lassen, den Handel verzerrt, die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Hersteller eliminiert und zum Handelsbilanzdefizit der USA beiträgt. Doch dieses Problem ist nicht mehr so groß wie es früher einmal war: Die US-Importe aus China sind im November um einen Rekordwert von 5,7 Mrd. Dollar bzw. 17 Prozent gefallen, da die amerikanischen Verbraucher den Gürtel enger schnallen. Aber es stimmt schon, dass der schwache Renminbi dazu geführt hat, dass die chinesischen Exporte zu lange zu billig waren - worüber die US-Verbraucher nur allzu glücklich waren.

Die USA können China nicht zu einer Aufwertung zwingen und bisher gibt es auch noch keine Anzeichen dafür, dass das Land über voreilige Vergeltungsmaßnahmen wie das Erheben von Importzöllen auf chinesische Waren nachdenkt. Dennoch war Geithners rhetorischer Ausfall taktlos. Wenn sich der Kongress erst einmal in die Sache hineinsteigert, dann besteht die Gefahr, dass die Protektionisten Rückenwind erhalten. Die jüngsten interventionistischen Maßnahmen, wie die staatliche Unterstützung für die kränkelnde US-Automobilbranche und die Rettung der Banken, haben den Grundsatz des freien Handels ohnehin bereits beschädigt. Wenn dem weltweiten Fluss an Waren und Kapital schleichend ein Ende gesetzt wird, dann könnte sich die globale Rezession ganz schnell in einen Absturz verwandeln.

Wer von China fordert, seine Landeswährung abzukoppeln, übersieht zudem, dass die beiden Staaten voneinander abhängen. Um den Wechselkurs aufrecht zu erhalten, kauft die chinesische Zentralbank in erheblichem Ausmaß Vermögenswerte, die auf US-Dollar lauten, so dass sie den Renminbi an die richtige Anzahl von Dollar anpassen kann. Diese stetige Nachfrage bedeutet, dass das US-Finanzministerium die Renditen der Schatzwechsel nicht künstlich aufbessern muss, um andere Käufer anzulocken. China saugt ohnehin nicht mehr so viele US-Papiere auf wie früher. Wenn man diesen Prozess nun auch noch beschleunigen wollte, würden die Kosten dafür, neue Schuldtitel zu begeben, markant steigen.

Letztendlich ist eine Aufwertung des Renminbi ohnehin wahrscheinlich - vielleicht sogar um bis zu 40 Prozent, wie einige Volkswirte prognostizieren. Verrückt wäre es allerdings zu glauben, China würde eine solche Verlagerung jetzt forcieren, während das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bereits hinter dem Ziel der Regierung von acht Prozent hinterherhinkt. Ein schneller Wandel würde beiden Seiten Schaden zufügen.

Aber langfristig würde ein teurerer Renminbi dazu beitragen, dass sich aus dem Ausbeuterbetrieb der Welt eine stabile, von den Verbrauchern getragene Volkswirtschaft entwickeln kann - und er würde die US-Verbraucher einer wichtigen Motivationsquelle für ihre vergangene Verschwendungssucht berauben. Beide Parteien sollten konstruktiv daran arbeiten, dieses Ziel zu erreichen, und die rhetorische Schwertfechterei sein lassen.

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