Weltwirtschaftsgipfel in London
G20 verdienen bessere Proteste

Die globale Misswirtschaft im Finanzsystem führte zu einer tiefen Rezession, riskanter Politik und intellektueller Lähmung. Es gibt viel Platz für schlüssige alternative Weltentwürfe. Die kleine Schar der Demonstranten in London bot aber nur die sinnlosen Sprüche eines Hippiefestivals.
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Ein großes Protestzeitalter sollte anbrechen. Die globale Misswirtschaft im Finanzsystem führte zu einer tiefen Rezession, die Verantwortlichen wurden von intellektueller Lähmung erfasst, und ihre politischen Antworten waren riskant. Nach einem solchen Versagen verdienen die in London zur G20-Konferenz versammelten politischen Führer eine ernsthafte Kampfansage. Leider bekommen sie nur die sinnlosen Sprüche einer Hippiefeier.

Das Manifest der G20-Meltdown-Gruppe, die am Mittwoch ein schräges Häuflein einiger tausend Unzufriedener versammelte, leiht sich etwas zeitgenössische rhetorische Leere von US-Präsident Barack Obama. Ihr "Yes we can" beantwortet allerdings Fragen von deprimierender Naivität: "Können wir jedem Arbeit, ein Heim und eine Zukunft garantieren?" oder "Können wir den Kapitalismus zur Geschichte machen?" Der Kühnheit der Hoffnungen stand keine entsprechend bedeutungsvolle Diskussion gegenüber.

Natürlich sind Demonstrationen nicht die natürliche Heimat intellektueller Präzision, doch diese Bemühungen waren besonders fragmentiert und närrisch. Das ist eine Schande, denn die Führer der Welt müssen tatsächlich eine große ideologische Lücke füllen. In den zwei Jahrzehnten seit dem Ende des Kommunismus folgten sie mehrheitlich dem selbstgestrickten Slogan "Vertraue den Finanzmärkten" Heute klingt dies fast so platt wie der Plan der Protestler, "alle Grenzen abzuschaffen und Patrioten unseres Planeten zu sein".

Die G20 haben nicht die Zeit, während ihres Treffens große Ideen zu entwickeln. Es gibt zu viele Desaster abzuwenden, ganz zu schweigen vom kleinlichen Gezänk über die Regulierung von Hedgefonds und Vorstandsbezügen. Die nächste Führungsgeneration muss die Finanzen in Ordnung und die Weltwirtschaft ins Gleichgewicht bringen, und sie muss die Entwicklungen auf dem richtigen Weg halten. Das erfordert einen neuen intellektuellen Rahmen.

Protestler, die so wirken, als wollten sie ein Straßenfest feiern, werden sich dieser Herausforderung kaum stellen können. Leider scheint auch die intellektuell weiter entwickelte politische Linke kaum in die Bresche springen zu können. Jeder Demonstrant, die eine schlüssige Alternative zu den ramponierten Vorstellungen der alten Eliten formulieren kann, könnte wirklich die Welt verändern.

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