Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Dabei sein ist doch nicht alles

Die Spitzensportler bei den Olympischen Spielen stoßen mittlerweile an ihr Limit. Da haben manche jahrelang trainiert und landen vielleicht doch nur auf Platz 20. Dann versinken sie im Nichts.

Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf: Quälende Minuten. Quelle: dpa
Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf: Quälende Minuten. Quelle: dpa

Die Stiftung Warentest, gewiss eine verdienstvolle, verbraucherfreundliche Erfindung, ist die Nummer eins der deutschen Werbebranche. Wie das? Ihr Testlabor und Punktesystem bringt Produkte ganz nach vorn oder macht sie zum Ladenhüter. Gegen ihre Zensur ist kein PR-Kraut gewachsen. Schon ein Befriedigend macht jahrelange Entwicklungsarbeit zunichte.

Anzeige

Anders bei den Olympischen Spielen - sollte man meinen. Denn: "Dabei sein ist alles." Als aber die deutschen Athleten statt des geschuldeten Medaillenregens in den ersten Tagen der Spiele fast nur Nulllösungen präsentierten, welkte dieses Sommermärchen dahin. Die Fähnchen standen auf Halbmast oder wurden eingerollt.

Da haben junge Sportler jahrelang geträumt und trainiert. Da haben sie harte Vorrunden absolviert. Da haben sie sich bis zur Erschöpfung abgerackert, und nun dies: Sie landen auf Platz 20 oder zehn oder vier. Egal. Zwei Hundertstelsekunden zu langsam, und alles war vergeblich.

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.
Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Stolz waren sie doch einmarschiert zum großen Fest der Völker. In einer rauschenden Inszenierung waren sie doch die Stars. Im Widerschein der olympischen Flamme tropften die Begrüßungsreden der Funktionäre des Olympischen Komitees von Amphetaminen wie "Fairness", "Teamgeist", "Friedenswillen".

Aber dann kamen die Tatsachen: Wenn du nicht bei den drei Besten bist, gehörst du zu den namenlosen Schlechten. Nach dem verlorenen Kampf wirst du nicht interviewt, sondern "zur Rede gestellt". Woran lag es? Wer ist verantwortlich? Der Trainer, die Tagesform, die mangelhafte Talentrekrutierung? Du stammelst - noch atemlos. Es nutzt dir nichts. Du bist angeklagt.

Aber auch dieses System hatte seinen Augenblick der Wahrheit: Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf müsste bei den Gewinnern sein, aber die Anzeige verzögert sich. Quälende Minuten vergehen. Dann sickert durch: Sie ist disqualifiziert. Punktrichter reden auf sie ein. Sie blickt hilflos um sich, schüttelt den Kopf. Sie ist jetzt der einsamste Mensch auf dem Platz - im Angesicht der Welt. Ein ganzes Sportlerleben, vernichtet im Moment seines erträumten Höhepunkts.

Der Werber-Rat

Absurd: Aus der Tragödie wird eine Posse. Die allmächtigen Richter haben sich verguckt. Man hat sie mit einer Rivalin verwechselt. Jene hat mit ihrem Fuß die weiße Linie touchiert. Schwarzkopf bekommt ihre Silbermedaille. Die andere versinkt im Nichts. Nicht nur die Sportler, auch die Spiele sind am Limit. Dabei sein ist viel, aber doch nicht alles.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • 13.08.2012, 12:21 UhrNo-Bail-Out

    Bodo Hombach war Leiter der Wahlkampf-Kampagne von Gehard Schröder, und im allgemeinen halte ich von Herrn Hombach genauso wenig wie von Gerhard Schröder.

    Man muss aber auch anerkennen, dass Andere in gewissen Punkten recht haben können. Diesen Artikel von Herrn Hombach würde ich so unverändert unterschreiben.

    Die Bestandsaufnahme trifft also den Punkt. Lösungesvorschläge hat Herr Hombach jedoch nicht geliefert. Bessere Sportförderung? Modell Sportsoldat/in? Staatliche Zuschüsse für Arbeitgeber, die Sportler in Teilzeit beschäftigen? Sportgymnasien, Sportberufsschulen und Sportuniversitäten? Vorschläge wären erwünscht gewesen!

  • 13.08.2012, 09:26 Uhrjerecoba

    Sorry, aber der Beitrag ist ziemlich inhaltsleer. Warum sollen die Spiele am Limit sein und was ist das Limit? Aus dem Thema hätte sicherlich mehr werden können ...

  • Kommentare
Kommentar: Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

„Dieser Krieg muss ein Ende haben“: Obama ruft die Wende im Kampf gegen den Terror aus. Weniger Drohnenangriffe, das Aus für Guantanamo – der Präsident scheint es ernst zu meinen. Er arbeitet an seinem Vermächtnis.

Kommentar: Die neue Generation der Alten

Die neue Generation der Alten

Spielekonsolen müssen sich im Konkurrenzkampf mit Smartphones und Tablets ihre Daseinsberechtigung neu verdienen. Microsoft geht dabei mit der neuen Entertainmentmaschine Xbox One eine heiße Wette ein.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Der Euro-Gruppen-Chef setzt sich ins Fettnäpfchen, vielleicht mit Absicht? Der Pampershersteller macht seinen alten Chef zum neuen Chef. Mit China droht ein Handelskrieg und Fahrradfahrer dürfen auch nicht länger betrunken fahren. Der Tagesbericht.

Weimers Woche: Ins linke Knie geschossen

Ins linke Knie geschossen

Die Grünen fallen in den Umfragen immer weiter zurück. Die strittigen Steuerpläne und die quälende Kinderschänderdebatte belasten die Partei vordergründig. Das eigentliche Problem sitzt aber viel tiefer.

Handelsblog Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen... Von Frank Wiebe. Mehr…

  • Gastbeiträge
SPD feiert Geburtstag: Große Marke ohne Kern und Vision

Große Marke ohne Kern und Vision

150 Jahre mit einem gefühlten Marktanteil von 30 Prozent im Markt ist eine Meisterleistung. Mannesmann oder Quelle könnten ein Lied davon singen, wenn es sie noch gäbe. Glückwunsch für die SPD - und ein Marken-Check.

Gastbeitrag: „Die SPD hat sich nie verleugnet“

„Die SPD hat sich nie verleugnet“

Politik sei das langsame Bohren harter Bretter, sagte Max Weber. In 150 Jahren hat die SPD tatsächlich viel hartes Holz gebohrt und viel erreicht. Für die Zukunft muss sie sich eines bewahren: ihren Mut.

Gastkommentar Lafontaine: Plädoyer für ein neues Währungssystem

Plädoyer für ein neues Währungssystem

Das Eurosystem ist falsch konstruiert und kann nicht funktionieren. Ein Haus, dessen Statik nicht stimmt, bricht irgendwann zusammen. Deshalb brauchen wir ein stabileres neues europäisches Geldsystem.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.