Der Werber-Rat

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Der Werber-Rat: Das Alpenland sagt "Stopp"

Wenn die Politik nichts tut, dann müssen es die Bürger richten. Wie so etwas aussieht, zeigen die Eidgenossen in der Schweiz. Sie wollen den Lohnexplosionen im Finanzsektor einen Riegel vorschieben.

Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.
Autor Bodo Hombach ist Jurymitglied für die Verleihung des Deutschen Wirtschaftsbuchpreises und Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

So kann's kommen. Jahrzehntelang überließ die Politik den Finanzsektor dem "freien Spiel der Kräfte". Motto: "Mehr Anarchie wagen!" Im besten Fall glaubte sie, blieben die Goldesel im Lande, und am Ende würde alles gut. Im naiven Fall baute sie auf den "ehrbaren Kaufmann", der Soll und Haben ordentlich ins Hauptbuch schreibt. Im schlimmsten Fall hoffte sie auf großzügige Dankesspenden an die Parteikasse.

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Ein politisches Vakuum macht, was ein Vakuum tut: Es füllt sich.

Die stolzen Banker - ach die gibt's eigentlich nicht mehr - und kühlen Geschäftemacher taten, was getan wird. Sie nutzten, was man ihnen zur freien Nutzung überließ. "Triumph des Augenblicks" war Ziel, "Glanz der Dauer" war altmodisch. Viele arbeiteten nicht für Grundgehalt, sondern Boni. Bei Zu- oder Abgang wurde auf Verträge draufgelegt. In aller Unschuld zerrüttete sich System und Grundvertrauen.

Nun sollen es die Wähler richten. Das Alpenland sagt "Stopp". Das erfolgreichste Referendum seiner Geschichte. Die Eidgenossen setzen auf konstruktives Misstrauen. Nicht der Staat soll Exzesse deckeln, sondern die Eigner und Aktionäre, die - neben der Belegschaft - das Ganze bezahlen müssen.

Der Werber-Rat

Eine argumentationsarme Politik darf sich nicht wundern, wenn ihr ungeduldige Bürger auf die Sprünge helfen. Eliten, die nicht maßhalten und sich elitär oder gar parasitär gebärden, verlieren ihre Deutungshoheit. Eine Gesellschaft, die ihrerseits Misstrauen und Häme gegenüber herausragenden Leistungen bereit hält, verkauft sich unter Mittelmaß. Bock und Gärtner sind zweierlei. Den Missbrauch kontrolliert am besten, wer darunter persönlich zu leiden hätte.

Bei alledem spielt Kommunikation eine enorme Rolle. Sollte man beispielsweise - wie es gerade geschieht - bei grassierender Europa-Phobie die hohen Bezüge der Brüsseler Beamten, wie EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den Regierungen androht, auf dem Klageweg anheben? Volkes Stimme in der Schweiz tönt nicht links, wie es "Die Linken" auf eiligen Plakaten vorgaukeln. Die wollen auf den Flammen der Vertrauenskrise ihr dünnes Süppchen kochen. Nichts gefährdet eine gute Sache mehr, als sie mit schlechten Mitteln zu vertreten. Von der Schweiz lernen heißt: den vermittelbaren Zusammenhang zwischen Leistung und Lohn bewahren. Staatlicher Rahmen ermöglicht Eigenverantwortung, ersetzt sie nicht.

Der Autor ist einer von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

  • 12.03.2013, 12:12 Uhrzahlenundweiter

    @Fredi: exakt. Von der Schweiz kann Deutschland bspw. mal Demokratie lernen, auch empfehlenswert ist der Basis-Kurs: "Das Volk, mein Arbeitgeber". Für Fortgeschrittene bietet sich an:" Es ist zwar nicht mein Geld, aber es ist mir nicht egal: Verwaltung von Staatseigentum und Steuergeldern". Solange keine Tempobeschränkung auf Autobahnen vorhanden ist, zahlt der Michl weiter und weiter und weiter (an CDUSPDFDPLINKEGRÜNE)

  • 12.03.2013, 09:33 Uhrgamoschka

    Was wird sich denn ändern? Kommunikation ist natürlich wichtig, aber leider sind die Angelegenheiten so komplex, dass sie nicht mehr in knallige Slogans passen. Es gibt nichts mehr zu vereinfachen, dann wird bloß etwas aus gelassen, das in nächster Zeit eben doch auftaucht. Vor kurzem wollten alle, dass hohe Gehälter mit Leistungskomponenten verbunden werden. Sind die Firmen erfolgreich fallen diese eben hoch aus. Werden sie an die Lohnuntergrenzen im Unternehmen gekoppelt, werden eben die Löhne hochgezogen, der Bonus eingesackt und morgen geht die Firma daran zugrunde. Wir sollten wohl wieder lernen mit Paradoxien zu leben. Aber natürlich trotzdem für eine bessere Welt kämpfen. VW ist, denke ich, ein gutes Beispiel; schließlich bekommen alle einen Bonus.

  • 12.03.2013, 07:24 UhrFredi

    Aus diesem Grund haben wir in Deutschland keine Volksabstimmung.

    Es wäre das Ende von Lobbywirtschaft, Selbstbedienung und Finanzexzessen.

  • Kommentare
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