Der Werber-Rat

_

Der Werber-Rat: Der Geschmack von Heimat

Das Land hat seine Piefigkeit abgelegt. Davon profitieren nicht nur Magazine wie „Landlust“, sondern zunehmend auch Lebensmittelprodukte, die aus der Region stammen. Deren Umsatz steigt und steigt.

Regionale Produkte auf dem Bauernmarkt in München. Quelle: dpa
Regionale Produkte auf dem Bauernmarkt in München. Quelle: dpa

Der Erfolg der Zeitschrift „Landlust“ hat nicht nur die Macher erstaunt, er war auch Vorbote einer Wandlung, die sich im Stillen vollzogen hat. Regionale Nähe, Produkte und Menschen, die uns vertraut sind, erleben eine Renaissance. Das Land hat seine Piefigkeit abgelegt und wird zunehmend zum attraktiven Ort des Vertrauten.

Anzeige

Dass Freiheit und Auswahl auch anstrengend sein können, davon profitieren insbesondere traditionelle Marken, sofern sie in Zeiten der grenzenlosen Machbarkeit, sich selbst treu geblieben sind. Und so sind die neuen Heros die Helden von gestern: Produkte aus der Region, die nach dem großen Trend nach Biolebensmitteln zeigen, wo die nächsten Entwicklungspotenziale schlummern.

Produkte, die aus Regionen kommen, steigern ihren Umsatz. Was sich im Supermarkt schon zeigte, wurde auf der „Grünen Woche“ in Berlin bestätigt: Im Lebensmittelbereich rollt der nächste große Trend auf uns zu. In einer Umfrage bestätigten 69 Prozent der Verbraucher, dass sie für Waren aus der Heimat bereit wären, mehr Geld auszugeben. Produkte aus der Umgebung gelten als frischer und unterstützen jene Hersteller, zu denen die Konsumenten eine Bindung spüren.

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.
Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin.

Vorboten dieser Entwicklung waren erste Protestreaktionen, die insbesondere globale Marken trafen. Große „Lovebrands“ wurden zu Negativikonen des Kapitalismus. Die Stadt am Rhein etwa hat mit „Coelna" eine eigene Cola, mit der sich viele Kölner inzwischen leichter identifizieren als mit dem großen US-Brauseriesen.

Die Entscheidung für Bioprodukte ist eine bewusste, rationale, weil es unserer Gesundheit dient; der Kauf von Regionalprodukten ist eine emotionale. Verbunden mit der Bekenntnis zu den eigenen Wurzeln oder der Heimat. Kein Wunder, dass Handelsketten auf den Trend aufspringen und Produkte aus der Region unter eigenen Markenlabels wie „Meine Heimat“ anbieten.

Lebensmittel-Mogelpackungen Das Geschäft mit dem Heimatgefühl

Regionalmarken boomen. Doch viele regionale Produkte kommen nicht aus der Heimat.

Lebensmittel-Mogelpackungen: Das Geschäft mit dem Heimatgefühl

Man konnte es fast ahnen: Besonders erfolgreich sind Marken, die personalisiert sind. Werden die Produkte wie bei „Unser Land“ auf der Website mit Bild und Namen des Direkterzeugers verknüpft, steigen Attraktivität und Glaubwürdigkeit. Deshalb gilt: Wer als Region die Chance nutzen will, tut gut daran, ein klares Markenversprechen zu formulieren.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist eine von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • 08.02.2013, 09:22 UhrFriss_oder_stirb

    Ich weigere mich strikt Bio-Produkte zu kaufen. Ich glaube nicht an die angebliche Bio-Zucht ohne irgendwelche Behandlungsmittel. Wenn man, wie ich einen eigenen Gemüsegarten hat, weiß man, dass man manchmal garnicht anders kann, als irgendwelche Mittelchen einzusetzen. Ob nun gegen Schnecken oder gegen Blattläuse oder Raupen. Wie sollen denn die sogenannten Bio-Bauern ihre Ernte schützen? So wie in der Nachkriegszeit durch Absammeln der Kartoffelkäfer von den Pflanzen bei unzähligen Hektar Land? Das ist doch alles gelogen. Menschen, die das Wort "Nachhaltigkeit" verwenden oder die von "nachhaltigem Anbau" sprechen, nehme ich nicht mehr ernst.
    Seit es keine Eier mehr aus Käfighaltung gibt, esse ich keine mehr. Ich habe es erlebt, dass oft irgendwelche ekligen Dinge im Ei (z.B.Blut oder extrem fester Hahnentritt-Faden) waren. Mich widert dieses Bio-Gequatsche nur noch an.

  • 08.02.2013, 07:47 UhrFreundHein

    Der Kauf von Bioprodukten war ab OVO eine ENtscheidung für eine entflochtene Ressourrchen sparende Wirtschaft. Gift ersparen und sekundäre Pflantzenstoffe gewionnen (=Gesundheitseffekt) waren immer ein erfreulicher Nebeneffekt, aber nie der Antrieb!
    Dass es im Zuge der Vermarktung auch mal zu so motivierten Blüten kam ist zu bedaueren, aber kein grundsätzliches Problem.

    Regional wird Bio also einen weiteren Schub verpassen. Denn wer möchte schon vom Bauern um die Ecke erfahren, dass er mal wieder kräftig Gift gespritzt hat? Eben…

  • Kommentare
Kommentar: Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

Von der Kampfdrohne zur Friedenstaube

„Dieser Krieg muss ein Ende haben“: Obama ruft die Wende im Kampf gegen den Terror aus. Weniger Drohnenangriffe, das Aus für Guantanamo – der Präsident scheint es ernst zu meinen. Er arbeitet an seinem Vermächtnis.

Kommentar: Die neue Generation der Alten

Die neue Generation der Alten

Spielekonsolen müssen sich im Konkurrenzkampf mit Smartphones und Tablets ihre Daseinsberechtigung neu verdienen. Microsoft geht dabei mit der neuen Entertainmentmaschine Xbox One eine heiße Wette ein.

  • Kolumnen
Was vom Tage bleibt: Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Die Wahrheit über den Schuldenschnitt

Der Euro-Gruppen-Chef setzt sich ins Fettnäpfchen, vielleicht mit Absicht? Der Pampershersteller macht seinen alten Chef zum neuen Chef. Mit China droht ein Handelskrieg und Fahrradfahrer dürfen auch nicht länger betrunken fahren. Der Tagesbericht.

Weimers Woche: Ins linke Knie geschossen

Ins linke Knie geschossen

Die Grünen fallen in den Umfragen immer weiter zurück. Die strittigen Steuerpläne und die quälende Kinderschänderdebatte belasten die Partei vordergründig. Das eigentliche Problem sitzt aber viel tiefer.

Handelsblog Bernanke, der Fuchs

Wenn Ben Bernanke, der Chef der US-Notenbank, hinauffährt zum Capitol Hill und mit Abgeordneten und Senatoren diskutiert, werden immer wieder dieselben Argumente ausgetauscht. Und dabei zeigt sich meist, dass der Notenbank-Chef seinen... Von Frank Wiebe. Mehr…

  • Gastbeiträge
SPD feiert Geburtstag: Große Marke ohne Kern und Vision

Große Marke ohne Kern und Vision

150 Jahre mit einem gefühlten Marktanteil von 30 Prozent im Markt ist eine Meisterleistung. Mannesmann oder Quelle könnten ein Lied davon singen, wenn es sie noch gäbe. Glückwunsch für die SPD - und ein Marken-Check.

Gastbeitrag: „Die SPD hat sich nie verleugnet“

„Die SPD hat sich nie verleugnet“

Politik sei das langsame Bohren harter Bretter, sagte Max Weber. In 150 Jahren hat die SPD tatsächlich viel hartes Holz gebohrt und viel erreicht. Für die Zukunft muss sie sich eines bewahren: ihren Mut.

Gastkommentar Lafontaine: Plädoyer für ein neues Währungssystem

Plädoyer für ein neues Währungssystem

Das Eurosystem ist falsch konstruiert und kann nicht funktionieren. Ein Haus, dessen Statik nicht stimmt, bricht irgendwann zusammen. Deshalb brauchen wir ein stabileres neues europäisches Geldsystem.

  • Presseschau
Presseschau: „Spaniens Tage sind gezählt“

„Spaniens Tage sind gezählt“

Die Verstaatlichung der spanischen Großsparkasse Bankia ist nach Medieneinschätzung nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die entscheidende Frage sei, wie Spanien die Rettungsmaßnahmen bezahlen wolle. Die Presseschau.