Der Werber-Rat

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Der Werber-Rat: Der Kardinal und die K-Frage

Der Kölner Kardinal Meisner fordert, dass Frauen zu Hause bleiben und drei bis vier Kinder zur Welt bringen, damit wir nicht aussterben. Gegenvorschlag: Wie wär’s, wenn Priester künftig drei bis vier Kinder zeugen?

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.
Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner möchte, dass Frauen ermutigt werden, drei, vier Kinder auf die Welt zu bringen und zu Hause zu bleiben. Im Nebensatz lässt er fallen, dass den Frauen der ehemaligen DDR eingeredet wurde, sie seien „dement“, wenn sie nicht arbeiten gingen. Kardinal Meisner ist 79. Immerhin könnte auch er etwas vergessen haben. Dass Frauen in der ehemaligen DDR im Schnitt nämlich mehr Kinder bekamen, als sie es hier und heute tun. Und wenn es vielleicht auch sonst nicht viel Gutes gab, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf war dort eher zu realisieren als im goldenen Westen.

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Abermals gelingt es jedoch Kardinal Meisner‚ Aufmerksamkeit für die katholische Kirche zu schaffen. Immerhin eine wichtige Werbewirkungskomponente. Provokation ist manchmal eine zweite. Die kollektive Empörung zeigt dies deutlich. Ihr steht allerdings eine fast ebenso große Zustimmung gegenüber. Knapp die Hälfte der „Bild“-Leser stimmt dem Kardinal zu. Zwar sind weder "Bild"-Leser noch Bild-Online-Befragungen repräsentativ für die Gesamtbevölkerung, aber das Ergebnis zeigt doch, wie weit Deutschland noch von einem in unseren Nachbarländern bereits selbstverständlichen Frauen- und Mutterbild entfernt ist. Immer noch sind Frauen Rabenmütter, wenn sie trotz Kindern frühzeitig wieder arbeiten. Sie haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie beides wollen. Kinder und Karriere. Ein Gewissen aber wird psychologisch betrachtet immer durch die Normen einer Gesellschaft entwickelt und geprägt. Die Gewissensbildung verläuft von Kindesbeinen an unbewusst. Letztlich fühlt es sich an wie ein Teil von uns selbst und wird zum „eigenen Gewissen“.

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Um der Gewissensfrage und ständigen Rechtfertigungsnöten vor sich und anderen zu entgehen, bekommen dann viele lieber gar keine Kinder mehr.

Ich hätte da allerdings einen Vorschlag, wie man dem Problem der rückläufigen Geburten entgegenwirken könnte: Wenn alle Kirchenmänner so drei bis vier Kinder zeugen würden, könnte das schon einen erheblichen Unterschied machen. Und auch für den Kirchennachwuchs wäre gesorgt. Liebe Kirchenanhänger, bevor ihr mir wieder schreibt: Ich habe bereits vier Kinder.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

  • 28.05.2013, 12:48 Uhrentewmarla

    Hallo Frau Ines Imdahl, wenn Sie sich vorher über die Verwendung des bischöflichen Etats kundig gemacht hätten, wüssten Sie, dass in nicht wenigen Bistümern bis zu einem drittel des Etats für die Versorgung der unehelichen Kinder drauf geht. Im übrigen halte ich diese Kirchenmänner mit Nachwuchs für ehrenwert. Zu meiner Person: Ich stehe der Kirche in keinster Weise nah!

  • 28.05.2013, 11:59 Uhrhermann.12

    Die Autorin vergisst zu erwähnen, das auch die DDR keine ausreichende Geburtenquote hatte und somit als funktionierendes Beispiel untauglich ist, das gleiche gilt für Frankreich. Beide Länder haben bzw. hatten eine nach heutigen Masstäben vorbildliche Betreuung, doch ausreichend bezüglich der Reproduktion war sie nie. Für beide Länder galt auch, dass sie im Wettbewerb mit der alten Bundesrepublik mit dem alten Familienmodell eine niedrigere Reproduktion vorweisen konnten und verbessern konnte Frankreich das nie, wir sind lediglich noch schlechter geworden.

    Nun,ich kann verstehen, dass für viele Frauen die Vorstellung von den 3 K´s nicht erstrebenswert erscheint. Die klassische Rollenverteilung kann nicht die Lösung sein.
    Trotzdem ist es ignorant die Wahrheit in Meissners Worten deshalb zu missachten. Denn das aktuelle Gesellschaftsmodell ist für Frauen unterhalb der oberen Mittelschichten sogar wesentlich unattraktiver, das gilt um so mehr als auch der Partner eher durchschnittlich oder weniger verdient. Ihre Einkommen sind zu niedrig, der Aufwand viel zu hoch gegenüber dem alten Lebensmodell. Die finanzielle Unabhängigkeit stellt sich sehr schnell als Fata Morgana heraus, wenn nach einer Trennung und vorhandenen Kindern nur wenige das Kunststück fertig bringen Arbeit und Haushalt zu verbinden und zwar sowohl finanziell wie sozial.
    Ich denke mittlerweile, das der alte Ansatz größere Chancen bietet gerade auch für Frauen. Es war ein nicht zu unterschätzender Vorteil, das wichtige Leistungen der Gesellschaft nicht im regulären Wirtschaftskreiskauf eingebunden waren. Zwei gravierende Probleme hat das traditionelle Modell: Erstens die mangelnde gesellschaftliche Bedeutung und Macht, die sich allein an der Verfügbarkeit über Geld orientiert und zweitens zu wenige Alternativen, schließlich wollen ebenso wenig alle Mädchen Hausfrauen werden wie alle Männer Lokomotivführer.

    H.

  • 28.05.2013, 11:20 UhrLUPOMXN

    immer wieder sich über die Kirche lsutig machen aber schön die christlichen Feiertage mitnehmen & abfeiern. Die Partizipation am christlichen Glauben wird als nicht nötig betrachtet. Die Zukunft unserer Kinder der Ungewissheit überlassen und sich anschließend über die fehlende Tugenden innerhalb unserer Gesellschaft wundern.
    Beschäftigen Sie sich mit der Substanz der Kirche, dann werden Sie erkennen wie leer Ihre Provokation ist.
    Es gibt sicherlich intelligentere Möglichkeiten auf das demographische Problem aufmerksam zu machen.

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